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Amtseinführung von Pfarrer Krieg in der Kreuzkirche

 Benjamin Krieg wurde am 20. Januar als Pfarrer der Kreuzgemeinde eingeführt

Eben gerade durch Prodekan Holger Kamlah ordnungsgemäß und feierlich in sein Amt eingeführt, besteigt Pfarrer Benjamin Krieg die Kanzel in der Kreuzkirche. Da passiert es: Beim üblichen Kanzelgruß zu Anfang jeder Predigt verhaspelt sich der neue Pfarrer der Kreuzgemeinde. Kaum einer hat es gemerkt. Aber Benjamin Krieg verrät es mit einem Lachen. Er sei doch etwas nervös, gesteht er. Also hebt er noch einmal zur Begrüßung seiner neuen Gemeinde an. Diesmal gelingt es ihm: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“

Und dann predigt er, und die Gemeinde, in weihnachtlicher Zahl erschienen, ist gespannt.  Später beim Empfang, erzählt ein Katholik aus Astheim, der mit seiner Frau, Kirchenvorsteherin der evangelischen Gemeinde in Trebur, gekommen war, wo Krieg zuletzt eine halbe Stelle innehatte, er sei oft der Predigt wegen in Gottesdienste von Pfarrer Krieg gegangen. Auch diesmal habe es sich gelohnt. Stimmt, und muss man wissen.

Pfarrer Krieg hat es bereits in den ersten Wochen seines Wirkens in der Kreuzgemeinde gezeigt: Er hat etwas zu sagen. Seine Predigten sind bibelfest und gerade deshalb auch lebensnah. Zur Grundlage seiner Predigt anlässlich seiner Amtseinführung hat er die Erzählung aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 33,18-23 gewählt: Mose will die Herrlichkeit Gottes schauen von Angesicht zu Angesicht. Wer möchte das nicht? fragt Krieg. Er zitiert Dietrich Bonhoeffer, den Theologen, Widerstandskämpfer und Märtyrer im Dritten Reich: „Die Unsichtbarkeit Gottes macht uns kaputt.“ Eine steile Behauptung.  Aber Krieg macht sie plausibel:  angefochtener Glaube, unstillbare Zweifel, bedrängendes Verlangen nach Eindeutigkeit, fatales Missverständnis, dass wahr und wirklich nur sei, was man sieht. Das setzt Menschen zu und kann sie kaputt machen.

Die Geschichte aus 2. Mose führe in eine andere Richtung des Suchens, Sehens, Erkennens, Verstehens, so der neue Pfarrer: Wahrheit ist mehr als das, was man sehen kann. Mose habe reichlich Gotteserfahrungen bei dem Auszug aus Ägypten gehabt. Und trotzdem habe ihm diese nicht genügt und wollte er Gott einmal auch wirklich sehen. Und Gott gestattet es ihm auch, aber nicht so, wie er sich das wohl denkt. Er stellt Mose auf einem Berg in eine Felskluft, hält seine Hände vor seine Augen und geht an ihm vorüber. Mose darf Gott hinterher schauen, nicht von Angesicht zu Angesicht.

Pfarrer Krieg wörtlich: „Gott von hinten! Nicht das Angesicht, nein. Gott von hinten, im Nachsehen. Nicht wirklich ein Sehen, nur eine Ahnung: >>Er war es<<. Gott, unsichtbar, und doch  – verborgen offenbar.“

Das sei eine Einladung, sagt Krieg, die verborgenen Spuren Gottes im Nachsehen zu entdecken. Das könne in der kontemplativen Stille geschehen oder im Gebet, aber auch im Lärm, in der Ausgelassenheit eines Festes, im Durcheinander einer Flucht. Die verborgenen Spuren Gottes, im Nachsehen erkannt, können helfen, gegen die Verborgenheit Gottes anzuglauben, ebenso wie gegen die Hässlichkeit der Welt. „Damit uns die Unsichtbarkeit Gottes nicht kaputt macht. Amen.“

Es fiel auf, dass beim Einführungsgottesdienst von Pfarrer Benjamin Krieg viel geklatscht wurde und manchmal auch gelacht. Das wird hoffentlich noch öfter geschehen. Prodekan Holger Kamlah und Pfarrer Dr. Eberhard Pausch überbrachten Krieg als Geschenk typischerweise je ein Buch. Ein Pfarrer braucht Bücher. Ortsvorsteher Robert Lange übergab ihm einen Schlüsselanhänger, frisch in der Commerzbankarena erworben, mit der Aufschrift: „Eintracht“. Sollte das eine verborgene Spur sein? Marie Luise Raab überreichte für den Kirchenvorstand Frau Antje Krieg mit guten Wünschen und Willkommensgruß einen schönen Blumenstrauß, wobei ihr Assistent, wie sie bemerkte, „schwächelte“, hatte dieser doch Probleme, den Strauß vom Papier zu befreien.  Mit einer Umarmung verabschiedeten Vertreter des Treburer Kirchenvorstands ihren bisherigen halben Pfarrer  –  ein Zeichen, dass man dort Kriegs Weggang bedauert, hier in Preungesheim wird er als ganzer Pfarrer, d. h. mit voller Stelle, freudig begrüßt.

Den Empfang nach dem Gottesdienst und den Grußworten hatte der Kirchenvorstand mit allerlei Köstlichkeiten ausgestattet. Es hätte der Hochzeit zu Kana, auf die Krieg auch in seiner Predigt zu sprechen gekommen war, Ehre angetan. Entsprechend dicht war das Gedränge und laut die Unterhaltung. Ob Pfarrer Krieg wohl noch Saft, Sekt oder Kaffee und Häppchen bekommen hat? Er war lange von Amtsschwestern und –brüdern sowie Gemeindegliedern umlagert, war in Gespräche verwickelt und musste vielen Menschen die Hand schütteln. Auch an Umarmungen fehlte es nicht. Pfarrer Benjamin Krieg ist in Preungesheim angekommen.

Christof Warnke