Wie die zauberhafteste Brautwerbung der Nachtigall – die Kreuzkirche wird zum Vogelgarten

Unter dem Titel „In Imitation of Birds“ verwandelte das Ensemble „Viaggio musicale“ mit Alexandra Kraus (Blockflöte), Friedericke Stichel (Blockflöte), Seung Yeon Lee (Barockcello) und Miriam Altmann (Cembalo) den Klangraum der Kreuzkirche am 23. März in eine Volière voll zauberhaften Vogelgesangs. Mit den früh- und hochbarocken Kompositionen rund um Schwalbe, Amsel, Turteltaube, Nachtigall und Kuckuck gestalteten die Künsterlinnen und der Chellist Lee die zweite Veranstaltung der Konzertreihe „Alte Musik“, die diesjährig zusammen mit Konzerten zur Kirchenmusik den Kirchenraum der Kreuzkirche in verschiedenste feierliche und sinnlich erfüllte Klangräume verwandelt.

Wie das Schwirren kleiner Kolibris, wie das Flattern, Trällern, Tirilieren der Singvögel im Frühling, so silberhell, so trillernd und federleicht  breitete sich das chromatische Spiel der verschiedenen Barockflöten aus. Voll lebendiger Spritzigkeit perlten und trillerten die Tremolos, Vibratos, Glissandi und das flinke Staccatissimo, während die Finger der jungen Flötistinnen in rasender Folge über die Grifflöcher der Flöten flirrten. Das Staccato ließ an hüpfende Amseln denken, die dialogischen Wechsel beider Flöten im Terzakkord an Kuckucksrufe und die angeregte, ja aufgeregte Unterhaltung mehrerer Vögel. Schnelle Trillerketten, Akkordbrechungen und chromatische Läufe ahmten das Fliegen, Segeln, Schwirren und Flattern der Vögel nach.

Auch das Cembalo, das sich in zwei virtuos dargebotenen, atemberaubend schönen Solostücken von Louis-Claude Daquin  (Die Schwalbe und Der Kuckuck) entfaltete, unterstrich mit seinem hellen, obertonreichen Klang das unbeschwerte vogelleichte Trillern, Trällern und das schwirrende Schweben.

Zwischen den Musikdarbietungen kamen kleine Gedichte rund um die Vögel aus dem Schatzhaus der Poesie zum Vortrag.

Alle Klänge, die in spritziger Virtuosität diversen Barockflöten und dem Cembalo auf dem Hintergrund und Bass des Barockcello entlockt wurden, waren so flink, so leicht, so zierlich, so helltönig, so reich strukturiert und wechselvoll rhythmisch temperiert wie ein lebhaftes und höchst vergnügtes Vogelkonzert. Der Kirchenraum war ein Naturidyll, ein Frühlingsgarten voll von vibrierendem Zauber. Wer hätte gedacht, welcher Klangreichtum und welche lebendige Fülle in einer Flöte stecken können! Kennen die meisten von uns sie lediglich als braves erstes Schulmädcheninstrument zum Einüben von Volks- und Weihnachtsliedern…

Die Konzertreihe der Kreuzgemeinde bleibt eine überraschend sinnliche und erbauliche Erfahrung!

Kirsten Wachholz

Fotos: J.-G. Nietsche / Michael Geisel