Pfingstgottesdienst 08.06.2014

Pfingsten_2014Fünfzig Tage nach Ostern feiern wir das Pfingstfest, die Ausschüttung des Heiligen Geistes, ein Sprachwunder, die Verbreitung des Glaubens…den Geburtstag der Kirche.

Wir sehnen uns nach dem Geist des Mutes, dem Geist der Besinnung, dem Geist der Weite. Wir tragen die Sehnsucht nach dem offenen Horizont und den Geist der Freiheit in uns.     Wir suchen nach der Gemeinschaft untereinander und dem Miteinander.

Im Glaubensbekenntnis bekennen wir uns auf den Heiligen Geist, doch, wo wirkt sich der Heilige Geist in unserem heutigen Leben aus? Wo begegnet er uns? Öffnet sich der Geist in uns? Begegnet er uns vielleicht in Gesprächen, in Begegnungen, in Ereignissen, in der Natur? Erfahren wir hier neue Offenbarungen? Wann haben wir das das erste Mal erlebt?
In der Regel bleiben uns starke positive und negative Erlebnisse gleichermaßen in Erinnerung. Hier wollen wir aber einmal ganz bewusst auf die guten Erlebnisse schauen…Wie war das in ersten Begegnungen? Was ist in uns vorgegangen? Was hat uns beeindruckt? Was hat uns angezogen? Was hat uns staunen lassen? Wie war das, als man zum Beispiel das eigene Kind zum ersten Mal im Arm hielt?

Solche Empfindungen können wir uns rasch in Erinnerung rufen, die Gefühle die sie in uns auslösen sind unmittelbar greifbar, an sie erinnern wir uns gerne. Doch solch intensive Erlebnisse kommen im Alltag nur selten zum Tragen, so dass sich irgendwann im Leben die Sehnsucht nach etwas Neuem meldet, die Sehnsucht nach dem Ausbrechen aus dem Alltag, die Sehnsucht nachdem, das erste Mal etwas wieder zu erleben.

Die Botschaft die von Pfingsten ausgeht versteht man in der ganzen Welt. Der Heilige Geist dient der Verständigung untereinander, er verbindet den Glauben an Jesu Christi zueinander in allen Sprachen dieser Erde.
Doch Pfingsten hat in unserer Gesellschaft nicht die gleiche Stellung wie Ostern oder Weihnachten. Pfingsten spielt eher eine untergeordnete Rolle im Leben der meisten Menschen. Oft ist nicht einmal die Bedeutung des Festes im Wissen verankert. Wo bleibt also die Stellung von Pfingsten heute? Sind es nur ein paar schöne freie Tage, die zum Verreisen einladen, oder zum ausschlafen? Wo finden wir Pfingsten hier in unserer nächsten Umgebung? Sicher sind da Zeiten die einem leer erscheinen, eine Leere der Zeit… es passiert nichts. Es ist ein Warten auf etwas Neues, eine Zeit in der sich eine Erwartungshaltung entwickelt und dann ist die unerwartete Begegnung einfach da. Sie berührt und geleitet uns in eine erfüllte Zeit. Sie eröffnet uns den Blick für die pfingstliche Sicht. So verändert sich immer etwas neu, immer wieder gibt es einen neuen Anfang, Anfänge sind immer möglich, befreiende Anfänge… Pfingsten bedeutet Anfang!
Es ist unsere Zukunft aus diesen Anfängen, diesen Anfang zu leben; wir schauen nicht zurück, wir schauen nach vorn. Die Frage stellt sich nicht mehr: wann habe ich etwas zum ersten Mal erlebt? Die Frage lautet jetzt: Wann werde ich wieder etwas zum ersten Mal erleben. Der Geist von Pfingsten erlaubt uns in dieser Offenheit zu bleiben…

Im Anschluss an den Pfingstgottesdienst waren alle Besucher zu einer Orgel-Matinee eingeladen. In dieser Zeit konnte man sich in den mal lauteren und leiseren, mal tiefen und mal höheren Tonlagen, den sehnsuchtsvollen oder fröhlichen, den melancholischen oder lockeren Melodien die Herr Tim Oliver Reinschmidt der Orgel entlockte, verzaubern lassen. Sich forttragen lassen vom Geist der Musik …

„Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht , was er dir Gutes getan hat.“

Text und Bild: Bettina Geisel