Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 9

2. Der Zehnten

Die Pfarrei besaß, wie schon oben erwähnt, den kleinen Zehnten während der Patron den großen zog. Derselbe setzte sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:

a) im Preungesheimer Feld:

1. Der Fruchtzehnten von den Äckern, die früher Wiesen waren ca. 30 Sichlinge

2. Der ganze Heuzehnten ca. 16 Karren

3. Der ganze Kartoffelzehnten ca. 80 Malter

4. Der Krautzehnten ca. 4 Karren

5. Der Rübenzehnten

6. Der ganzen Obstzehnten von Äpfeln und Birnen

7. Der ganze Blutzehnten von Ferkel und Federvieh

8. Der ganze Lämmerzehnten mit 16 Gulden vergütet.

b) in der Eckenheimer Gemarkung 1/3 des obigen Zehnten, in der Berkersheimer die Sommersaat und Saubohnenzehnten. 1/3 in Natura, den Kartoffel-, Obst-, Blut- und Lämmerzehnten zu einem Drittel in Geld, desgleichen Grundzins von verschiedenen Hofraithen und Wiesen in Eckenheim bestehend in 10 Hühnern Kapaunen und Gänsen, welche aber in Geld mit 11 Gulden 13 Pfennig bezahlt wurden.

Dass es bei der Erhebung dieser Gefälle nicht ohne Verdruss abging lässt sich leicht denken, denn der Bauer gab nur ungern und betrog die Seelenhirten wo er nur konnte.

Der Verdrießlichkeiten die Pfarrer Bröske mit dem Heu- und Krautzehnten hatte, wurde schon oben gedacht, ebenso der Weigerung des Junkers Schelm, seinen Zehnten von den in Berkersheimer Feld liegenden Äckern zu entrichten. Ebenso verweigerten die Rosenberger Nonnen unter Pfarrer Cress den Obstzehnten und ließen als sie vom Amt zur Entrichtung desselben verurteilt waren, die Obstbäume in ihren Gärten umhauen. Ebenso verweigerte der Besitzer des Hohensteinschen Hofs (Weinstraße 18, Brunnen mit den Jahreszahlen 1618 und 1770), Herr von Holzhausen zu Frankfurt, den Kartoffelzehnten.

Die Rosenberger Nonnen waren eine geistliche Congregation von Jungfrauen und unbescholtenen Witwen, welche nach der Regel St. Dominici lebten und sich mit Krankenpflege beschäftigten. Ihr Haus war hinter den Karmeliten eine Stiftung der Witwe des Schöffen Heinrich Rosenberger. d.d. 1452

Diese Nachrichten verdanke ich der Güte des Herrn Pfarrer Enders zu Bonames, S. die Anlage

Für den Blutzehnten hatte der Pfarrer die lästige Verpflichtung die Zuchttiere, Stier und Eber zu halten. Beide Teile, Zehntpflichtige und Zehntberechtigte begrüßten daher, dass im Jahr 1832 und 1849 erschienene Gesetz, wodurch die Ablösung der Zehnten angeordnet bzw. geregelt wurde, mit Freuden
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Pfarrer Laupus gebührt das Verdienst diese Ablösung mit großem Geschick ausgeführt zu haben. 1837 bewerkstelligte er die Ablösung des Eckenheimer Zehntens für 1 400 und des Preungesheimer für 4 500 Gulden.
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b. bezüglich der Kirche

Nach den ältesten Kirchenrechnungen (1603) bestanden die Einnahmen des Kirchenkastens in verschiedenen Gefällen an Geld, Wachs, Öl und Korn, welche auf Grundstücken und Hofraithen lagen.

Daneben ertrug das an Lehnsleute ausgegebene Kirchengut eine Pacht, die in Frucht (Korn) geliefert wurde. Diese wurde auf den Boden der Kirche aufbewahrt und nach dem Lehrer, den ihnen zukommenden Gehalt davon bekommen, zum Besten der Kirchenkasse verkauft.

Schon früh wurden einzelne Stück des Kirchenguts veräußert:

1. 1710 wurde Preungesheimer Kirchengut in Berkersheimer Gemarkung an Filips Rab für 6 Gulden verkauft.
2. Der Berkersheimer Kirchenwingert an die Homburgschen Erben für 34 ½ Gulden.
3. Erhielt der Schullehrer durch Presbyterialbeschluss im Jahr 1741 5 Morgen Kirchengut für das Spielen der Orgel im
Eckenheimer Feld, nachdem ihm schon 1688 ??Morgen
Ackerland im Hesseler Feld wegen mangels an Futter für sein Vieh überlassen worden war.

1766 betrug das Kirchengut noch 31 ¾ Morgen sämtlich in Preungesheimer Gemarkung.

1798 wurde dasselbe noch gegen 18 ½ Malter Korn an Valentin Fischer und Johann Heinrich Braumann auf ??? Temperiallänge und zwar auf 6 Jahre verpachtet.

1807 weigerten sich diese ihren Beitrag zu dem darauf liegenden Hubenszins, Schulpatronatsgeld und Kriegssteuer zu bezahlen. Es entsteht ein Prozess,
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welchen die Kirche trotz Appellation verlor.

Der Pfarrer hielt es unter den damaligen Verhältnissen für besser das Kirchengut auf Erbleihe zu vergeben. Der Sohn des oben erwähnten Pächters Johann Heinrich Braumann erhielt es am 18. Februar 1807 als Erbleihe gegen ein Laudeminum von 1500 Gulden und eine jährliche Erbpacht von 9/8 Korn.

Trinthammer, der damalige Pfarrer, konnte nicht ahnen, dass das wertvolle Gut der Kirche hierdurch einmal verloren werden würde.

Durch die Gesetzgebung des Jahres 1848 wurde das Institut der Erbleihe aufgehoben und die bisherigen Erbbeständer wurden gegen Zahlung eines Entschädigungskapitals wirkliche Besitzer.

1851 zahlten die letzten Erbbeständer, Bürgermeister Johannes Caspary und Georg Philipp Braumann, an die Kirche ein Ablösungskapital von 465 Gulden, sowie 64 Gulden 3 Kreuzer für umständige Leistungen und somit war das schöne Kirchengut für immer verloren.

Die Zinsen der ?Laudemial? und Ablösungsgelder betrugen zu 4 % gerechnet, ca. 120 Mark, besäße die Kirche ihre Grundstücke noch, so würden dieselben ebenso wie das Pfarrgut per Morgen gut und gern 24 Mark in summa 720 Mark eintragen und unsere Kirche würde nicht blutarm, sondern wohlhabend und im Stande sein ihre Bedürfnisse mit Leichtigkeit zu bestreiten, was ihr unter den gegenwärtigen Umständen, außerordentlich schwer fällt.
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4. Darstellung der Entstehung in der Gemeinde vorhandener Anstalten der Armen- und Krankenpflege, und der Fürsorge für die Kinder

Alsbald nach meinem (des Pfarrer Junghans) Amtsantritt unterm 10. Oktober 1887 stellte ich bei dem Ortsvorstand von Eckenheim den Antrag auf Errichtung einer Kleinkinderschule zur Pflege und Beaufsichtigung der vielen Kinder, welche in Abwesenheit in den Fabriken Frankfurts und Bockenheims beschäftigten Eltern sich selbst überlassen oder nur mangelhaft verpflegt und beaufsichtigt wurden. Die Einrichtung derselben ließ sich umso leichter bewerkstelligen, da die Hauptsache, ein Lokal, der ganz unbenutzte Turnsaal in der Scheuer des alten Schulhauses, vorhanden war, welches sich leicht zu einem Lehrzimmer einrichten ließ. Die Gemeinde ging aber vorerst nicht darauf ein, teils um der der Gemeinde dadurch erwachsenen Kosten willen, teils weil „die Bauern nicht Lust hätten für die Kinder der Arbeiter zu sorgen“.

Erst die von den Schwestern des St. Vincens von ?Pouala? deren Berufung nach E. oben erwähnt wurde S.14 b, beabsichtigte Errichtung einer Kleinkinderschule brachte einen Umschwung in den Ansichten der Gemeindevertreter hervor zumal die Verwaltungsbehörde dem Ortsvorstand empfahl, den Bestrebungen des Ortspfarrers entgegen zu kommen. In einer am 10. Februar 1891 abgehaltenen Gemeindesitzung, welcher Pfarrer Junghans beiwohnte, wurde nach gehaltenem Vortrag des Letzten die Einrichtung einer Kleinkinderschule einstimmig beschlossen und verpflichtete sich die Gemeinde den Turnsaal zum Lehrzimmer und ein von der Gemeinde reserviertes Zimmer im alten Schulhaus zur Wohnung
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für die Lehrerin auf ihre Kosten herrichten zu lassen, dagegen sollten die Kosten der Unterhaltung bez. Gehalt der Lehrerin, Lehrmittel etc. durch das auf 20
Pfennig per Kind und Woche festgesetzte Schulgeld aufgebracht werden. Pfarrer Junghans setzte sich darauf, nachdem vorläufig festgestellt war, wie viele Eltern ihre Kinder der Anstalt anzuvertrauen Willens seien, mit der Direktion des Mutterhauses für Kinderpflege zu Nonnenweiher behufs Überlassung einer Lehrschwester in Verbindung, und erhielt auch unterm 20. Februar die Zusage einer solchen. Verhandlungen mit Cassel hatten sich der hohen Gehaltsforderungen wegen zerschlagen. Unterdes wurden Lokal und Wohnzimmer mit einem Kostenaufwand von 677 Mark von Seiten der Gemeinde hergestellt. Die Zimmer- und Kücheneinrichtung für die Schwester, sowie die notwendigsten Lehrmittel und Spielsachen wurden durch eine vom Vorstand bei der Pfennigsparkasse gemachte Anleihe von 300 Mark beschafft. Am 18. Juli traf die uns zugesandte Kinderschwester Marie Spieß in Eckenheim ein und wurde am 2.6. Sonntagnachmittags 3 Uhr in Gegenwart des Presbyteriums, des Ortsvorstandes und vieler Eltern die Kinderpflege mit Gebet und Ansprache von Seiten des Ortspfarrers eröffnet. Zugleich wurde der mit der Anstalt abgeschlossene Vertrag von den Vorstandsmitgliedern Pfarrer Junghans, Bürgermeister Römer und den Ortsbürgern Philipp Köhler und Johannes Caspary I. zwecks Auswechslung mit der Direktion unterschrieben. Die Schwester bekommt nach demselben außer freiem Logis, Licht und Brand jährlich 380 Mark Gehalt. Angemeldet wurden 81 Kinder womit Tags darauf die Schule eröffnet wurde. Außer den sämtlichen Gemeinderats- und Ausschussmitgliedern verdanke ich das Gelingen der guten Sache, die sich bis dahin glänzend bewährt hat, der Bereitwilligkeit und Energie des Herrn Bürgermeister Römer, der auch so freundlich war, ein Stück seines hinter der Schule gelegenen Gartens zum Spielplatz herzugeben, Zusatz 30 S. p 28.
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5. Kirchlich sittlicher Zustand der Gemeinden. Wichtige Einflüsse auf denselben in der Vergangenheit

Die beiden Gemeinden, wie alle in der nächsten Umgebung von Frankfurt gelegenen Ortschaften, können nicht zu den kirchlichen gerechnet werden. An den hohen Festtagen sind die Kirchen gut besucht, dagegen lässt der Kirchenbesuch an den gewöhnlichen Sonntagen viel zu wünschen übrig. Die durchschnittliche Zahl der sonntäglichen Kirchenbesucher in beiden Gemeinden ist 50 – 60, also 2 % ausschließlich der Schulkinder. Die Nachmittagsgottesdienste, welche Pfarrer Carl wieder einzuführen suchte, wurden gar nicht besucht, auch der sonntäglichen Katechisation wohnte kein Erwachsener bei. Die von Pfarrer Junghans eingeführten Abendgottesdienste wurden zwar anfangs gut, nachdem sie aber den Reiz der Neuheit verloren, nur spärlich besucht. Die Gründe des mangelhaften Kirchenbesuchs sind neben der wachsenden Unkirchlichkeit unserer Tage:

1. Der Umstand, dass zahlreiche Leute durch ihren Milchhandel (in P. allein 52, welche jeden Morgen zu zweit in die Stadt fahren) am Besuch des Gottesdienstes gehindert sind.

2. Das viele auch sonntags als Hausdiener ?Centläufer?, Arbeiter in die Stadt müssen.

Wir werden sehen, ob das Verbot der Sonntagarbeit Wandel schaffen wird.

Auch die Kinderlehre wird nur vom 1. Jahrgang regelmäßig besucht. Vom 2. und 3. kommen die Mädchen, die Knaben nur vereinzelt. Ermahnungen an die Eltern,
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sie zu senden, haben nichts gefruchtet, da sie erklärten, keine Gewalt mehr über die Heranwachsenden zu haben.

Die Zahl der Communikanten beträgt jetzt nach 5-jährigem Durchschnitt

1. in Preungesheim 548 = 45.6 %
2. in Eckenheim 248 = 23,6 %.

Preungesheim hat eine größere Zahl eingesessener Einwohner, Eckenheim eine größere Zahl Zugezogener, welche den Wohnsitz nicht selten wechseln und deshalb keine engere Verbindung mit der Kirche anknüpfen. Daher der große Unterschied in der Zahl der Abendmahlsgäste.

Der sittliche Zustand ist nicht schlechter als anderswo. Uneheliche Geburten sind äußerst selten, dagegen com. anticip. häufig. Eigentliche Trinker sind wenige, doch Wirtshausbesuch Regel.

Die Gottesdienste leiden auch unter dem Vereinswesen. Im Sommer sind es die Ausflüge und Waldfeste, im Winter Conzerte, Bälle und Maskeraden welche hier sehr nachteilig wirken. Sobald die Letzteren angehen, leeren sich die Abendgottesdienste.

Nichtsdestoweniger ist noch ein guter Stock Ackerbau treibender Familien, die treu zur Kirche halten und bei denen das Wort Gottes nicht auf den Weg fällt.

Bei diesen findet auch die Sozialdemokratie, von der die Arbeiter ziemlich angesteckt sind, keinen Eingang. Aber selbst von den Letzteren halten sich noch die Meisten zur Kirche und wollen der christlichen Gemeinde angehören. Unterlassung der Taufe, der Confirmation oder der Eheeinsegnung kommen bis jetzt noch nicht vor.
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Die Schule zu Preungesheim

Die drei Orte Preungesheim, Eckenheim und Berkersheim hatten ursprünglich wie einen Pfarrer, so auch nur einen Lehrer. Der Lehrer war zugleich und in 1. Linie Küster und Organist bzw. Vorsänger. Als solcher hatte er die Kinder in den Anfangsgründen der christlichen Religion, im Lesen und Schreiben zu unterrichten. In Preungesheim bei der Kirche war das Schulhaus, welches von der Kirchenkasse unterhalten wurde. Dahin mussten auch die Kinder der Filialen zur Schule gehen. In Berkersheim wurde 1694 eine besondere Schule errichtet, in Eckenheim wurde erst 1726 ein Schullehrer angestellt und eine besondere Schule eingerichtet. In den ältesten Kirchenrechnungen finden wir als Gehalt des Lehrers verzeichnet: 4 Gulden dem Schulmeister für seine Jahresbesoldung! und aus dem Eckenheimer Kirchbau (1652) : 1 Gulden.

Die Namen der Lehrer, welche vor dem 30-jährigen Krieg an der Schule zu Preungesheim gewirkt haben, sind uns nicht bekannt. 1663 wird zuerst Christian Wilhelmi als „Schuldiener“ genannt, dessen Vater auch Lehrer war. Als der 1. nach dem großen Krieg ?? und von ?? gestellte Pfarrer Philipp Wilhelm Wildius sein Amt antrat, war das Schulhaus in sehr schlechtem Zustand. Es wurde deshalb (am 9. Oktober 1659) im Presbyterium beschlossen, dass vor allem das Dach gemacht, die Giebel verwahrt und eine neue Kellertür angeschafft werden sollte.
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