Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 8

Hanau verstorbenen Pfarrer Trinthammer. Trinthammer war ein tüchtiger Landwirt. Von ihm stammt dass in der Repositur befindliche Ackerbuch, worin er alle zur Pfarrei gehörigen Äcker und Wiesen mit Angabe des Flächeninhalts und beigefügter Zeichnung vermerkt hat, desgleichen Aussaat und Ernte. Jedoch hat er dies nur bis 1799 fortgeführt. Trinthammer verbesserte auch die Gärten durch Anpflanzung zahlreicher Obstbäume und Weinreben. Im Vorgarten und in der Hofraithe pflanzte er Aprikosen, Pfirsiche, Mandeln und Reineclauden, legte auch ein Spargelbeet an. Den Gemüsegarten ließ er rigolen und umzäunen, legte einen ??Rabengang?? darin an und bepflanzte ihn mit 30 Reineclauden und Mirabellenstämmen, sowie Sauerkirschen. Im Staigengarten pflanzte er viele junge Äpfel-, Birnen- und Kirschbäume. Trinthammer hat sich also um das Pfarrgut in der Tat große Verdienste erworben. Wären seine Nachfolger in seine Fußstapfen getreten, dass Bauerngut der Pfarrei wäre nicht so vernachlässigt. Über seine geistliche Wirksamkeit fehlen alle Nachrichten, da von seinem Amtsantritt kein Presbyterialprotokoll mehr geführt, keine regelmäßigen Presbyterialsitzungen mehr gehalten werden. Mit überschwänglichen Worten begrüßt er die 1818 abgeschlossene Union und veranlasst die Gemeindeglieder zur Anschaffung eines zweiten Abendmahlskelch als Erinnerung an die Vereinigung der beiden Gemeinden. Die Namen der ?Contribureten?? sind auf den letzten Seiten des alten Kirchenbuchs verzeichnet. < s. sein Manuskript „Geschichte der Kirchenvereinigung XIIII a (G Nr. 9) >

Auf Trinthammer folgte:

Friedrich Valentin Laupus, 1835 – 1861

Geboren zu Nauheim den 1. Mai 1781, 44 Jahre alt, Sohn des Pfarrers Philipp Christof Laupus zu Nauheim und dessen Ehefrau
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Luise Jakobine, geborene Ellenberger. Er stand zuvor in Gronau < ??> wegen der Verbindung mit Berkersheim wurde ihm wie schon oben erwähnt aufgegeben einen ständigen Gehülfen zu halten, der Berkersheim mit versehen sollte und dazu die Einkünfte der vormals lutherischen Pfarrei Berkersheim im Betrag von 236 Gulden bestimmt. Außerdem war der Pfarrer verpflichtet dem Gehülfen freie Station zu geben. Der 1. Gehülfe des Pfarrer Laupus war Johannes Münch, doch dauerte das Verhältnis nicht lange, indem Berkersheim nach Erbauung eines Pfarrhauses zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde. Münch wurde der 1. Pfarrer von Berkersheim. Laupus starb am 27. Januar 1861 80 Jahre alt, nachdem er das Pfarramt zu Preungesheim 26 Jahre lang begleitet hatte. Sein Verdienst ist die günstige Ablösung des Zehnten samt den damit verbunden auf der Pfarrei ruhenden Servituten, ein schwieriges, von ihm mit großer Geschicklichkeit vollzogenes Werk.

Sein Nachfolger war der 3. Pfarrer an der Johanniskirche zu Hanau und Consistorialrath

Johannes Carl, 1861 – 1887

Johannes Karl hat einen merkwürdigen Lebenslauf gehabt, der der Aufzeichnung wert ist. Er wurde geboren zu Nauheim am 21. März 1806. Sein Vater war ein armer Salzsieder. Bis zu seinem 17. Lebensjahr arbeitete er selbst als Arbeiter auf der Saline.

Da erwachte in ihm der Wunsch Lehrer zu werden, und zu dem Ende begab er sich auf die Realschule nach Hanau, auf welcher sich damals junge Leute für den Lehrerberuf ausbildeten. Als Chorschüler der Johanneskirche genoss er die Wohltaten der Schneppschen?? Seminarstiftung. Wohlwollende Freunde und Verwandte,
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welche durch ein sinniges von ihm verfasstes Gedicht in der Hanauer Zeitung auf sein Talent aufmerksam wurden, ermöglichten es ihm nach vorheriger Vorbereitung auf das Maturitätsexamen in dem Institut des Pfarrer Bang zu Gossfelden die Universität Marburg zu beziehen und daselbst Theologie zu studieren. Seine erste Anstellung war die als Vikar an der Johanneskirche zu Hanau wo er durch seine entschieden gläubige Predigt sich viel Feindschaft zuzog, aber auch einen kleinen Kreis von Christus liebenden Seelen um sich sammelte. In dem über die Geltung der evangelischen Bekenntnisschriften in der Hessischen Kirche entbrannten Streit trat er in verschiedenen Broschüren für das gute Recht der Kirche ein und zeigte sich als ein unerschrockener Kämpfer für die Sache Christi.

1842 wurde Karl 3. Pfarrer an der Johanneskirche, nach 1848 Schulreferent und Mitglied des ehemals kurhessischen Konsistoriums der unierten Diöcese Hanau – Fulda. Als Consistorialrat besorgte er den Wiederabdruck der im Hanauischen zu Recht bestehenden Agenden, sowie die Herausgabe der beiden Kathechismen nebst Spruchbuch. 1861 wurde er hierher befördert und trat seine Stelle am 1. Dezember an.

Karl hatte einen ausgebildeten Schönheitssinn und große Liebe zu den Blumen. Diesem Umstand verdankt das Pfarrgärtchen seinen Schmuck an Ziersträuchern aller Art sowie die vielen lauschigen Plätzchen, die überall zur beschaulichen Ruhe einladen. Seine kunstfertige Hand hat all die aus Baumästen gefügten Ruhesitze geschaffen, die überall angebracht sind, freilich aber zum Teil an Altersschwäche leiden. Für das praktische war Karl weniger veranlagt. Deshalb hat ers an den nötigen Nachpflanzungen auf dem Pfarrgut fehlen lassen. Die Bäume standen während seiner Amtszeit auch noch in ihrer vollen Kraft < Zusatz 28 S.28 > und als durch den kalten Winter 1880
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so viele Bäume abgingen, war er schon ein alter Mann dem das Interesse für die Verbesserung bzw. die Instandhaltung des Pfarrguts abging. Karl führte bis zum Tod seiner Frau ein äußerst glückliches Familienleben, das gastfreie Haus war der Mittelpunkt eines äußerst regen gesellschaftlichen Lebens. Täglich gingen Gäste aus und ein.

Manches schöne Missions- und Gustav-Adolfsfest vereinigte sie im Pfarrhaus. Ein trüben Schatten warf der Tod seiner Frau und der einer erwachsenen Tochter auf sein häusliches Glück. So sehnte er sich immer mehr danach, abzuscheiden und bei Christo zu sein, aber noch lange musste er warten bis der Herr ihn abrief. Bei der Einweihung des Friedensdenkmals inmitten des Dorfes, welche an einem sehr heißen Tage stattfand, ließ er sichs nicht nehmen die Festrede zu halten und den Zug durchs Dorf mitzumachen. Unter der Rede vor dem Denkmal wurde Karl von einer Ohmacht befallen, erholte sich jedoch wieder und führte seine Rede zu Ende. Dieser Zufall war für ihn das erste memento mori. Die Zufälle wiederholten sich von Zeit zu Zeit, sodass er sich genötigt sah um einen Gehülfen zu bitten. Mit dem ersten der ihm zugesandt wurde, einem Kandidaten Bauer machte er böse Erfahrungen. Er gab durch seine Aufführung viel Ärgernis in der Gemeinde, sodass er ihm kündigen musste. Desto mehr Freude machte ihm dessen Nachfolger cand. Min. und past. Ort. Strobel, der auch bei ihm wohnte. Seine Kräfte schwanden jedoch immer mehr. Ein neuer Schlaganfall machte seinem Leben am 25. Januar 1887 ein Ende, nachdem er 25 Jahre lang dem Pfarramt in Preungesheim vorgestanden hatte. Seine Beerdigung fand unter Beteiligung zahlreicher Freunde und Amtspersonen statt. Metropolitan Strobel von Bockenheim widmete ihm einen ehrenden Nachruf, worin er ihn ganz so schilderte wie er war. Karl war eine johaneische Natur,
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voll Milde und Freundlichkeit die sich auch in seinem ehrwürdigen Greisenantlitz aussprach. In konfessioneller Hinsicht war er ein Freund der positiven in Hanau geltenden Union, jedoch mit lutherischer Färbung. Ein Feind des Streits und Unfriedens, hielt er es für Pflicht, dass die, welche Jesum als den Sohn Gottes bekennen, zusammenhalten im Kampf gegen die Feinde der Kirche und des lebendigen Gottes. Diesem Gedanken hat er auch als sein konfessionelles Glaubensbekenntnis niedergelegt in mehreren Gedichten, welche seinem Evangelienbuch beigefügt sind. Karl hat nämlich seine poetische Ader auch noch weiter fließen lassen. Er hat das Leben des Herren in schön wohlklingenden Versen besungen, die er in einem ziemlich starken Band vereinigt im Jahre 1875 in Druck gegeben und seiner Familie sowie seinen Freunden gewidmet hat < Er hat auch das Lied „Der Christbaum ist der schönste Baum“ gedichtet, von Kantor G. Eisenbach in Hanau komponiert>. Sein Andenken wird bei seinen Freunden und hoffentlich auch bei seiner Gemeinde in Segen bleiben.

Einigen Verdruss machte dem Vollendeten in den letzten Jahren seines Lebens das Bestreben der Filialgemeinde Eckenheim, sich durch Lostrennung von der Mutterkirche als eigene Pfarrei zu konstituieren. Den festlichen Empfang des einstweiligen Pfarrverwesers Herting musste er als eine Demonstration gegen ihn betrachten. Der Plan der Gemeinde scheiterte kurz nach dem Tode Karls an der ihr gemachten Auflage, ein eigenes Pfarrhaus zu bauen. Dem neuen Pfarrer wurde in seinem Anstellungsdekret zur Pflicht gemacht im Jahr 1894 nach völliger Abtragung der Kirchenbauschuld zu Eckenheim, wozu auch er jährlich 600 Mark abgeben muss, in die Abtrennung von Eckenheim einzuwilligen.

(Fortsetzung p. 26 = 101 neue Zählung)
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Darstellung der eingetretenen Veränderung in vermögensrechtlicher Beziehung.

A Bezüglich des Pfarreinkommens.

Das Einkommen der Pfarrer besteht außer dem geringen jetzt ca. 200 Mark betragenden Accidenzium

1. Aus dem Pachtertrag des Pfarrguts

2. Aus dem Zinsertrag der durch Ablösung des Zehntens und den Verkauf von Ländereien entstandenen Pfarrkapitalien.

1. Das Pfarrgut

Bestand noch zu Pfarrer Trinthammers Zeiten aus den im Lagerbuch von 1765 (s. die Pfarrrepositur) verzeichneten Grundstücken; nämlich:
a) in der Preungesheimer Gemarkung
11 Morgen Gärten 170 Morgen Ackerland 7 Morgen Wiesen.
b) in der Eckenheimer Gemarkung
62 Morgen Ackerfeld 15 Morgen Wiesen.

Zusammen 232 Morgen Feld 22 Morgen Wiesen.

Davon nahm er selbst in Bewirtschaftung 89 Morgen Land und 18 Morgen Wiesen. Die übrigen 143 Morgen Ackerfeld und 4 Morgen Wiesen hatte er an vier hiesige und Eckenheimer Einwohner verpachtet, gegen 72 ½ Malter Korn, den Weingarten an den Schullehrer Knöll für 16 Gulden. Als 1799 die Pacht des Georg Heyer abgelaufen war, vereinigte er dessen 96 Morgen mit den eigenen 89 Morgen und verpachtete 176 Morgen Land und 20 Morgen Wiesen an vier hiesige Einwohner für die Hälfte des Ertrags.

Seit Anlage der großen Rußenstein (Feldbrandfabriken) in den Gemarkungen von Preungesheim
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und Eschersheim erschien es vorteilhafter einzelne Grundstück behufs Ausbeutung ihres Lehmbodens zu verkaufen; Einige Parzellen wurden auch an die hiesige Gemeinde zum Bau eines Schulhauses und zur Anlage eines Todenhofes, an die Gemeinde Eckenheim zu denselben Zwecken und an den Staat zur Erbauung der Strafanstalt abgegeben.

Überhaupt wurden verkauft
I. In der Gemarkung Preungesheim:

1. An die Gemeinde Preungesheim 1829 ein Stück vom Pfarrgarten 2 M = 200 Gulden.

1. An Karl Gustav Dörr

a) 1872 6 K. Acker 24 R = 1 ha. 47 ar. 0,1 m

Im Niemandsfeld für 15 652 M 28 Pfennig
b) 1876 9 ¾ K Acker 50 R = 2 ha. 39 ar. 84 m am Bornheimer Weg für 26 687 Mark 15 Pfennig

2. An die Gemeinde

Vom Pfarrgarten zum Bau eines neuen Schulhauses 1867 (42 Ruthen) für 210 Gulden = 360 Mark.

3. An den Staat

1882 5 Morgen 3 V 26 R für 13007 Mark 50 Pfennig

II. in der Gemarkung Eckenheim:

1. An die Gebrüder F. u. Ph. Kaiser zu Frankfurt 3 M. 3 V. 7 R. für 2 656 Gulden 30 Kreuzer im Jahr 1857

2. 1875 an Thomas Kirchmann und Georg Schmidt 2 M 7 R 5 Schuh = 1 ¼ Aar 50 R für 4 209 Mark 4 Pfennig

3. 1876 An G. Porth II 6 M 32 R 6 Schuh = 1 ha 35 a 99 Quadratmeter durch den Bornheimer Weg

4. 1880 an die Gemeinde Eckenheim 3 M. 1 V. 14 R. 1 Schuh an der Weinstraße für 3 250 Mark.

5..1889 an Karl Frischmann 3 M 17 Quadratruthen am Ginnheimer Höfchen für
7 773 Mark 75 Pfennig.
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6. An Wilhelm Emmerich (1890) 2 M eine Quadratruthe = 37 Aar 23 Quadratmeter an den Drei Steinen für 6000 Mark

Ferner wurde in Preungesheimer Gemarkung abgegeben

7. An die Gebrüder Heinrich und Wilhelm Porth von Eckenheim 10 M 37 Quadratruthen = 1 h a 87 a 66 Quadratmeter im Diebsgrund für 22 000 Mark

Die Kaufgelder sub. 1 – 4 (Px2) wurden teils in Hypotheken, teils in 4 % Consols angelegt. Die Posten 5 – 7 konnten des teueren Geldmarkts wegen nur in 3 ½ % Papieren angelegt werden.

Was den 2. Güterverkauf an Karl Gustav Dörr anbetrifft, so verpflichtete sich derselbe, den Kaufpreis von 26 687 Mark in 6 jährlichen Raten à 4 447 Mark 86 Pfennig zu entrichten und hielt sich der damalige Pfarrer keine andere Sicherheit aus als das Pfand bzw. Eigentumsrecht auf das verkaufte Grundstück. Dörr trug am 16.11.76 das erste sechstel ab, erklärte sich aber schon im Jahr darauf für unfähig das zweite sechstel zu entrichten. Pfarrer Carl entrichtete es selbst und ließ sich dafür sowie die rückständigen Zinsen eine Nachhypothek errichten. Es blieben bis heute noch 17 791 Mark 44 Pfennig zu verzinsen, da auch in der Folge nicht wieder in die Lage gekommen ist einen Abtrag zu machen. Mit Mühe zahlt er, da er auch sonst verschuldet ist, die Zinsen. 1886 war deshalb die Zwangsversteigerung des verpfändeten Grundstücks in Aussicht genommen, da aber dasselbe von dem Ortstaxator bloß auf 5 865 Mark abgeschätzt worden war, so wurde in der Hoffnung, dass Dörr sich bemühen würde, wenigsten die Zinsen in Zukunft wieder regelmäßig zu bezahlen von dieser Maßregel, wodurch die Pfarrei nur den größte Schaden haben würde, abstand genommen. Dörr hat bis dahin (1892) auch regelmäßig,
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wenn auch oft mit Verzögerung, bezahlt; allein wenn er durch eigene Verluste wieder zahlungsunfähig wurde oder daher auch anderweitig schwer verschuldet ist, in Conkurs geraten sollte, so würde die Pfarrei das große Kapital von 17 791 zum großen Teil verlieren da die ausgegrabenen Äcker den früheren Wert, zu dem sie verkauft wurden, lange nicht mehr haben und auch obwohl wieder kultiviert doch kaum den Wert eines Ackers besserer Qualität wieder erlangt haben. (Ist 1895 wieder geschehen. S. weiter hinten) Sollte diese Eventualität eintreten so ist niemand daran schuld als der verstorbene Consistorialrath Karl, der in seiner Gutmütigkeit und Vertrauensseligkeit statt auf gleich Baar Zahlung zu dringen, dem Käufer eine sechsjährigen Zahlungsfrist gewährte.

Das Pfarrhaus

war bei dem Aufzug des Pfarrers Junghans (13. September 1887) in einem sehr vernachlässigten Zustand:

Die beiden Hoftore waren zusammengefallen, die Dachkändel liefen aus, der Regen am Haus herunter, im unteren Zimmer nach dem Garten zu war die Decke infolge davon, dass ein Deckbalken verfault war, herunter gefallen, das Schieferdach so schadhaft, dass der Regen durch die Decke des Studierzimmer tropfte. Der Fiskus verwilligte eine größere Summe zu den notwendigsten Reparaturen. Es bedurfte dazu aber erst der Intervention des königlichen Consistoriums. Trotz vieler Herstellungen und Verwendung von ziemlich viel Geld ist die Pfarrwohnung bis heute (1900) ein altes Haus, was stets ein Gebrechen zeigt und immer neue Reparaturen erfordert. Dies dem Nachfolger zur Nachsicht.
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