Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 7

Personalbeschreibung der Amtsvorgänger

Von den Pfarrern aus der vorreformatorischen Zeit sind uns nur zwei bekannt.

1. Herr Luphridus bestellter Pfarrer zu Preungesheim vermacht im Jahr 1220 dem Klosters Padershausen (bei Offenbach) einen Hof und ein ihm gehöriges Gut zu Eckenheim.

< Am 16. Januar 1380 wird urkundlich als „Pfarrer“ in Preungesheim genannt: Jesus, „Deutschherre“ (Deutsch Ordenspater)>

2. 1283 aber wird der Pfarrer Simon (von Schöneck) zu Preungesheim zum Bischof von Worms gewählt und verzichtet urkundlich auf die Pfarrei Preungesheim (Dr. Reimer, Hanauer Urkundenbuch)

Die nachreformatorischen Pfarrer bis zum Ende des 30-jährigen Kriegs, von dem wir aber so gut wie gar nichts wissen, Heinrich Simon, Johannes Faber, Friedrich Wolf, Sigismund Bayer, Herr Martinus, Herr Balthasar, Herr Moriz, Johann Suthofius und Johann Hirstius, wurden schon oben erwähnt.

Die Serie der Pfarrer, von denen uns näheres bekannt ist, beginnt erst mit dem Jahr 1659. Ihre Aufzeichnungen in Presbyterialprotokollen und Kirchenbüchern lassen uns auch einen Blick tun in die kirchlichen und sittlichen Zustände ihrer Gemeinden. Wir erkennen daraus, dass auch sie zum Teil recht schwer an ihrem Amtskreuz zu tragen hatten und das die gute alte Zeit keine gute, sondern manchmal und in vielen Stücken eine recht böse Zeit war. Viele Mängel unseres Gemeindelebens finden sich schon im 17. und 18. Jahrhundert und haben sich bis auf unsere Zeit wie eine böse Krankheit fortgeerbt.

Die Reihe der gedachten Pfarrer beginnt mit
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Philipp Wilhelm Wildius ( Phildius) , 1651 – 1659

Er war vermutlich ein Sohn des Inspektor Wildius zu Hanau welcher 1632 den neuen Friedhof einweihte und 1635 daselbst an der Pest starb. < Pfarrers Johann Wilhelm Phildius, der zu erst in Vilbel dann von 1658 bis 1669 in Preungesheim war. Sein Sohn: Philipp Wilhelm Phildius war von 1659 – 1684 Pfarrer in Bockenheim (Notiz von Herrn Pfarrer Kohlenbusch, Mehrholz, der ein viertes Pfarrerbuch zusammenstellen will) > P. W. Wilhelm Phildius trat sein Amt in Preungesheim am 14. Mai 1651 an. Das erste Presbyterium hielt er am 28. April 1659. Preungesheim hatte erst wieder 27, Eckenheim 15 und Berkersheim 17 Nachbarn. Am 9. Oktober 1659 finden wir im Presbyterialprotokoll bittere Klagen über schlechten Kirchen- und am 7. Mai 1668 über schlechten Abendmahlsbesuch. Das Volk war durch den langen Krieg verwildert und der Kirche entfremdet. Am 9. Oktober 1659 wurde beschlossen die Kinderlehre bei großer Kälte wie vor Alters im Pfarrhaus zu halten und sollte an den Bettagen alle Arbeit eingestellt werden. Am 3. Oktober 1667 der Schullehrer solle die Kirche häufiger säubern lassen und sich eines sinngezogenen Wandels befleißigen. Ein Schullehrer war also auch wieder da, aber es war kein Lehrer nach dem Herzen Gottes, denn unter Phildius Nachfolger wurde er am (14. Mai 1669) entlassen weil er sich an dem Almosensäckel vergriffen hatte.
Paul Varlüt 1669 – 1672

Auf Pfarrer Wild folgte am 17. Februar 1669 Paul Varlüt von Hanau. Er war ein Enkel jenes Franz Varlüt, welcher zu den Gründern der Neustadt Hanau gehörte und 1597 die Hanauer Kapitulation mit unterzeichnete. Sein Großonkel Paul Varlüt war als Märtyrer unter Herzog Alba zu Tournay in Flandern verbrannt worden, wie das Großmartyrbuch
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berichtet. Die um ihres Glaubens Willen aus ihrem Vaterland ausgewanderten Walonen waren fromme und sittenstrenge Leute und diese Eigenschaft hatte sich auf Varlüt vererbt. Er suchte nach Kräften das christliche Leben in der Gemeinde zu heben.

Am 2. Juli 1669 wurde zur Ausbesserung der Kirche die Erhebung einer Collecte, am 15. Dezember d.J. zur Hebung des Kirchenbesuchs die Aufzeichnung der Fehlenden beschlossen. Dieselben sollten vor den Pfarrer geladen und jedes Mal um einen Batzen gestraft werden. Auch nahm er sich der Schule an. Er schlug nach Entlassung des oben erwähnten Lehrers vor, den Gehalt des Schulmeisters aufzubessern und auch einen Stall ans Schulhaus zu bauen, damit er sich ein wenig Vieh halten konnte. Doch nicht lang war es ihm vergönnt in Preungesheim zu wirken. Er starb erst 38 Jahre alt am 30. Juli 1672 und wurde am 2. August 1.00 Uhr mittags zur Erde bestattet. Die Leichenpredigt hielt ihm der Pfarrer Theodor Schlemmer über Phil. 1, 23. Jakob Meyer von Herborn, des Pfarrers Gehülfe auf besonderen Wunsch der Angehörigen die Parentation. Nach kurzem Interregnum, während dessen ein Pfarrer Henz amtierte, trat an Varlüts Stelle der Pfarrer

Johann Heinrich Lucius, 1674 – 1700

In dem ersten Presbyterium, welches er hielt, wurde beschlossen, dass die Kinder, welche zum ersten Mal zum heiligen Abendmahl gingen, zuvor erst drei bis vier Wochen zum Pfarrer gehen sollten, die Anfänge unseres Konfirmandenunterrichts, freilich ein sehr kurz bemessener,
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auch sollte zweimal wöchentlich Betstunde gehalten werden. Am 7. Februar 1675 wurde gerügt, dass ein im Ort wohnender Jude – jetzt sind ja keine mehr da – am Bettag Holz habe klein machen lassen. Die Klagen über schlechten Kirchenbesuch dauerten noch immer fort und scheint sich dieser bis auf heute fort geerbt zu haben.

1678 (17. Januar) werden die Eltern ermahnt ihre Kinder besser zur Kirche und Schule zu schicken. Die Baufälligkeit der Kirche veranlasste den Pfarrer, wie schon oben erwähnt wurde, nach Hanau zu gehen und die gnädige Herrschaft um eine Beisteuer zu bitten. Unter Lucius begann die Bildung der lutherischen Gemeinde (s.o.) und wurde die Kirche zu Eckenheim wieder aufgebaut. Lucius starb am 12. Januar 1700, 56 Jahre alt, nachdem er das Pfarramt zu Preungesheim 26 Jahre lange begleitet hatte. Sein Nachfolger war

Johann Heinrich Broeske, 1700 ( zwischen 21.5. und 5.10.) – 1738

von Kassel, examiniert in Hanau am 6. October 1700 und am 7. Oktober in der Marienkirche ordiniert. Am 7. September 1701 wurde er der Gemeinde durch den Inspektor Grimm, Urgroßvater der berühmten Gebrüder Grimm, vorgestellt, nachdem er das Amt schon zwei Monate versehen hatte. < beerdigt 1722 seines „gewesenen Knechtes“ Kind, bewirtschaftete also d. Pfarrgut> Am 11. October 1701 hielt er sein erstes Presbyterium. Bröske war wie sein Name sagte brusque d.h. rauh und grob im Verkehr mit seinen Pfarrkindern, weshalb es immer Klagen gab. Bei drei Kirchenvisitationen, welche der eifrige Inspektor Grimm 1707, 1712 und 1715 abhielt, hatte sich der Pfarrer über die gegen ihn erhobenen Anklagen zu verantworten. 1707 wurde geklagt, der Pfarrer hielte außer den Bet-
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tagen- und Passionsgottesdiensten keine Wochenpredigten. Es wurde ihm deshalb vom Inspektor aufgegeben wenigsten eine wöchentlich zu halten. 1712 lagen 5 Beschwerdepunkte gegen ihn vor: 1. er besuche die Kranken nicht, 2. er gehe und fahre sonntags nach der Kirche spazieren, 3. er sei grob gegen die Leute, 4. er besuche die Schulen nicht oft genug, 5. er halte in der Ernte keine Betstunde. Bröske verteidigte sich hiergegen so gut er konnte. In Bezug auf den 2. Vorwurf bemerkte er, es könne ihm doch nicht verwehrt werden, seinen kranken Schwager in Vilbel auf einen Sonntag nach der Predigt zu besuchen; der Pfarrer von Seckbach ginge auch sonntags aus, in Bezug auf den 3. sagte er: Das könnten die Preungesheimer nicht vertragen, wenn er „gemein“ d.h. freundlich gegen sie sei, so verlören sie den Respekt vor Ihm. In Bezug auf die 5. Klage wurde ihm aufgegeben in der Ernte Betstunden zu halten, wenn auch nur 2 oder 3 Leute zur Kirche kämen. Die Hauptursache der steten Klagen scheint die Feindschaft des Centgrafen (Bürgermeisters) gewesen zu sein, dem Bröske verschiedenen Mals auf den Fuß getreten hatte. Derselbe reichte 1714 wiederholt verschieden Klagen über Bröske bei dem ??Amtskeller?? zu Bergen ein, worüber sich der Pfarrer vor dem Presbyterium verantwortete. 1714 erklärte Bröske, er wolle die Wochenpredigten halten die Presbyter aber bemerkten, es werde niemand kommen. Bei einem über die Verteilung der Weiberstühle entstandenen Streit hetzte der Centgraf die Ortsbürger gegen den Pfarrer auf. Bei Gelegenheit der Kirchenvisitation von 1715 wurde dem Pfarrer auf eine neue Klage der Gemeinde aufgegeben nicht so lang zu predigen, besonders im Winter, wenn es kalt sei. 1720 unterstand sich
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der Centgraf dem Pfarrer coram presbyterio zu sagen: Er sei stolz. Er gehe nur mit lauter Lumpenleuten um. Er wäre so geizig, dass er sich nicht einmal getraue, eine Maß Wein zu trinken. Auf den vorfallendenen Hochzeiten könne er freilich umsonst saufen. Bröske fügt hinzu, der Centgraf habe seinen Knecht auf dem Weg nach Frankfurt gefragt, ob er denn alles glaube, was der Pfarrer predige. So wäre er ein Narr. Der Pfarrer beschwerte sich beim Consistorium hierüber, mit welchem Erfolg ist nicht zu ersehen. Bröskes Leben in Preungesheim war ein fortwährender Zank und Streit, ob mit oder ohne seine Schuld lässt sich nicht sagen. Er hatte die Rechte der Pfarrei den Bauern gegenüber zu vertreten und kam dadurch vielfach mit ihnen in Collision. Die Pächter des Pfarrguts nämlich, welche dasselbe teilweise 40 und 50 Jahre in Bestand hatten beanspruchten dasselbe als Erbleihe bzw. Eigentum, konnten aber keinen Lehenbrief vorweisen. So 1727 die Erben des Lips Emmerich. Ferner weigerten ihm einige den Heuzehnten. Es fielen Äußerungen wie die: Sie liessen sich das Heu nicht nehmen und wenn der Pfarrer der Teufel selber wäre. Als es nun der Pfarrer wagte beim Heumachen selbst auf die Wiesen zu gehen und sich die Wegfuhr des gezehnteten Heus zu verbitten, so drohte ihm Kempfs Ehefrau den Rechen auf den Kopf entzwei zu schlagen, während die Magd ihrer Frau zurief: Schlag dem tauben Schelm auf den Kopf, auf das er die schwere Not kriegt. Bröske musste der Gewalt weichen. Eine Klage bei Amt hatte keinen Erfolg, da die Weiber alles in Abrede stellten, vielmehr vorbrachten, Bröske habe die Kempf mit seinem Rohr mehr als 10 Mal vor die Brust gestoßen und auf die Erde geworfen. Bröske mahnte die Weiber vom Abendmahl ab,
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sie gingen aber doch zum Tisch des Herrn. Ebenso hatte Bröske mit einigen Streit über den Kreuzzehnten. Einer sagte mit Rücksicht auf Bröskes Herkunft: Was will der blinde Hesse? In Folge wovon ihn das Presbyterium bis zum Widerruf vom Abendmahl ausschloß. Unter Bröske wurde sowohl die Preungesheimer (1716 und 1727) als die Berkersheimer Kirche repariert (1726). Den Eckenheimern wurde 1727 gegen Ausstellung eines Reverses erlaubt, ihre Uhr auf den Turm zu stellen. Die Kirchenreparatur erwähnt auch das Epitaphium, welches Bröske seiner 1710 verstorbenen Ehefrau gewidmet und in die nördliche Wand der Kirche hat einmauern lassen: Breve monumentum ao 1716. ade hac sacra aedificata positum.

Hic quiescit cum tribus filiabus una cum filio superstite Johannis Henrici Broeske nii Hasso Cassellani Pastori et restauratoris aedis hujus deo sacrae conjux prior Maria Margretha Villabellensis pastoris D. Rothii unica filia nata die 1. Jan. 1685 maritata die 8. Junii 1702 ac denique denata die 16. April 1710 a Christo redemtore optimo expectat hilarem resurrectionem ad vitam aeternam. Amen.
Text. Joh. 11. V.25 (Zu den kursiv geschriebenen Textstellen hat Pfr. Gärtner vermerkt: Ein Vergleich mit der Inschrift in der Kirche ergab die nachgetragenen Änderungen!! O si tacuisses Gä.)

Bröske scheint sich zuletzt als emeritus nach Offenbach zurückgezogen zu haben Die Repositur enthält eine Abrechnung Bröskes mit der Pfarrei. Ihm folgte

Johann Christian Cress, 1738 – 1766

von Marburg, Sohn des Pfarrers Cress zu Rodheim, in Hanau examiniert und ordiniert. Am 9. Oktober 1738 trat er sein Amt an. Zu seiner Zeit wurde, wie schon oben bemerkt, das jetzige Pfarrhaus von Grund aus neu gebaut. Cress schreibt dazu ins
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Presbyterialprotokoll: Gott gebe, dass ich und meine jeweilige Succesores darinnen in lang erwünschter Ruhe und Frieden mit vielen Vergnügen, vor allem aber zu Ehre Gottes wohnen und leben mögen! Was ich inzwischen ihnen zum Besten für inkommodidät vor und bei dem Bauwesen durch das aus- und einziehen und durch Diebstahl me absente in meiner Scheuer an Obst auch denen Hühner die mir in einer Nacht mir alle geholt worden, ausgestanden, ist den Nachbarn mir und Gott am allerbesten bekannt, allein ich danke dem Allmächtigen Jehova, dass es soweit überwunden. Gott bewahre mich und alle Menschen vor weiterem Schaden. Es war also in P. schon damals gerade so wie heut, wo das Eigentum wenig heilig gehalten wird. Cress war recht eifrig im Amt hatte aber auch viel mit Unordnung und Zuchtlosigkeit in der Gemeinde zu kämpfen. Die Sabbatsordnung wurde nach herrschaftlichem Befehl streng gehandhabt. Es wurden deshalb oft Leute vor das Presbyterium gefordert und dem Amt zur Strafe angezeigt, welche vor der Kirche über Feld, besonders aber nach Frankfurt gegangen waren. Im Kirchenbesuch, über den Cress besonders während des Krieges klagt (s. o.) ging der Centgraf Caspary nicht mit gutem, sondern mit schlechtem Beispiel voran. Er ließ sich nur in einer Betstunde, sonntags aber nur äußerst selten in der Kirche sehen. Cress stellte ihn darüber freundlich zur Rede, erhielt aber nur schnöde Antworten: Bröske sei 40 Jahre Pfarrer allhier gewesen und habe ihm nie etwas darüber gesagt; Cress sei noch viel zu jung, als das er sich etwas von ihm sage lasse. Er suche nur Streit, er Caspary, aber sei ein Mann des Friedens. C.c. bei den Kirchenvisitationen kamen
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keine Klagen gegen Cress vor. Nur mahnt ihn der Inspektor 1742, Cress möge einfältiglich und doch gründlich Predigen, was Cress zu der Bemerkung veranlasst, der Herr Inspektor Grimm (ein sehr gelehrter Mann) solle es doch erst selber lassen, den Bauern zu predigen.

Johann Christian Cress ging 1766 hier weg und starb 1788 als Pfarrer zu Nieder-Issigheim. Ihm folgte:

Friedrich Scherer, 1766 – 1794

von Hanau. Scherer war vorher 4 Jahre in Eschersheim, 6 Jahre in Dorfelden, war am 7. Juli 1766 nach Mittelbuchen, von da aber bereits am 1. Oktober d.J. nach Preungesheim berufen. Am 10. November 1766 hielt er sein erstes Presbyterium. Er war vier Jahre vor seinem Tode blind und starb an einem Schlagfluss 68 Jahre alt. Der Candidat Leberecht Girgler von Alten-Gronau war sein Vicar. Er war 28 Jahr Pfarrer zu Preungesheim und liegt neben dem westlichen Eingang zur Kirche (nach dem Pfarrhaus zu) begraben. Seine Grabschrift lautet:
Hier liegt bei seiner Gemeinde
Friedrich Scherer Pfarrer
Geboren den 5. Februar 1726
kam ins Pfarramt 1756
ward Prediger all hier 1766
und starb am 20. Oktober 1794.
Selig sind die Todten die in dem Herrn sterben.

Scherer hatte auch viel zu klagen über die sittlichen und religiösen Zustände seiner Gemeinde, besonders über den schlechten Besuch der Nachmittagsgottesdienste und der Bettage. Es stand damit scheints 1777 schon ebenso schlecht
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wie heut. 1767 wird im Presbyterium vorgebracht, dass etliche Eckenheimer sich nicht gescheut hätten unter dem Gottesdienst zu kegeln. Der dortige Kirchenälteste Philipp Filsinger bat in demselben Jahr, dass der Pfarrer den Gottesdienst zu Eckenheim im Sommer eine halbe Stunde früher, nämlich um einhalb Neun beginnen möge, da aber der Centgraf erwiderte, dass aber um diese Zeit die Leute, welche Milch in die Stadt trügen, noch nicht zurück sein könnten, so wurde es beim Alten gelassen. 1780 kam dieselbe Sache bei der vom Inspektor Endemann gehaltenen Kirchvisitation zu Sprache. Die Gemeinde wünschte, dass der Gottesdienst um 8.00 beginne. Der Pfarrer erklärte sich bereit dazu, in der Hoffnung, dass der Gottesdienst dann auch besser besucht würde.

Was den Nachmittagsgottesdienst angehe, so sollten die Kirchenrüger darauf sehen, dass die Leute am Sonntagnachmittag unter der Kirche nicht „Heerdenweis“ auf der Gasse und hinter den Zäunen lägen. 1779 klagte der Pfarrer, dass fast gar keine Leute mehr zum nachmittäglichen Gottesdienst kämen und selbst nicht die jungen Leute in die Katechisation, die Betstunden aber und die monatlichen Bettage besuche außer seinen Hausgenossen niemand. Jüngst seien nur ein Mann und seine Frau drin gewesen. Er habe des Sommers die Bettaggottesdienste um 5.00 und 6.00 Uhr morgens angefangen, um den Bauern Gelegenheit zu geben,sie vor Beginn der Feldarbeit zu besuchen, aber umsonst und seit die Arbeit am Bettag freigegeben wäre, sei alles aus.

Den Sonntagsgottesdienst habe er um 9.00 Uhr gehalten, in der Hoffnung, dass auch die Milchleute von Frankfurt zurück seien. Wir sehen hieraus, dass Scherer ein ernster und eifriger Mann war, der alles versuchte, dass kirchliche Leben zu heben, ohne dass es ihm gelungen wäre, die Lauigkeit und Gleichgültigkeit gegen das Wort Gottes zu besiegen. Der Centgraf von Preungesheim bemerkte in
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der Presbyterialsitzung, er habe sagen hören, viele Leute besuchten den Gottesdienst nicht, weil Scherer zu lang predige, worauf der Pfarrer erwiderte, er habe im Gegenteil gehört, der Pfarrer predige so kurz, dass es sich nicht die Mühe lohne (von den Filialen) in die Kirche zu gehen. Auch mit dem sittlichen Zustand der Gemeinde stand es schlecht. 1784 im Winter wurden dem Pfarrer allhier etliche und zwanzig Zwetschenbäume sowie ein ziemlich dicker Apfelbaum abgesägt und gestohlen. Im Jahr 1788 wurde den reformierten Bewohnern Frankfurts erlaubt, in Frankfurt selbst ihren Gottesdienst zu halten. Bis dahin waren sie genötigt gewesen den reformierten Gottesdienst in Bockenheim zu besuchen. Am 3. Februar 1788 wurde von ihrem Pfarrer daselbst die letzte Predigt gehalten. Scherer war vom reformierten Consistorium in Hanau beauftragt bei dieser Gelegenheit den Predigern, Ältesten und Diakonen der Frankfurter Gemeinde zu gratulieren und ihnen den Dank des Consistoriums für das gute Beispiel auszusprechen, welches sie der Bockenheimer Gemeinde durch ihren fleißigen Kirchenbesuch gegeben hätten. Die Bockenheimer bekamen vor der Hand einen Kandidaten zum predigen. Scherer musste die Ministerialhandlungen verrichten. < Unter Scherer wurde 1777 die Feier des. 3. Feiertags abgestellt.>

Scherers Nachfolger war:

Wilhelm Friedrich Trinthammer, 1795 – 1835

Sohn des Stadtschreibers Trinthammer zu Steinau, geboren 1. Juni 1760 zu Steinau. Trinthammer war erst Pfarrer zu Babenhausen, dann zu Bieber und Lohr-haupten gewesen und 35 Jahre alt, als er die hiesige Pfarrstelle erhielt. Er starb am 7. Februar 1835 und hat das Pfarramt in Preungesheim 40 Jahre verwaltet, in den letzten Jahren unterstützt von seinem Sohn, dem in
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