Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 6

10. Februar der Definitiv Traktat zwischen England und Frankreich und dem 15. Februar der Friede zwischen dem großen König von Preußen und der Kaiserin wirklich abgeschlossen wurde und ganz Europa Friede hat.

Die Friedensfeier selbst beschreibt Pfarrer Cress also:

Den 6. März (1763) ist das angeordnete Dankfest in allen Stücken nach dem Inhalt der herrschaftlichen Verordnung gefeiert worden. Ich habe über beide vorgeschriebenen Texte (vormittags Psalm 147, 12 – 14, nachmittags Apostelgeschichte 9, 31) gepredigt. Gesungen wurde vor der Predigt Psalm 46 nach der Predigt te deum laudamus. Nachmittags Sei Lob und Ehr und Nun Danket Alle Gott. Vormittags besonders war die Kirche von Einheimischen und Fremden dergestalt angefüllt, dass niemand mehr weder stehen noch sitzen konnte. Der Schulmeister von Eckenheim Anton Müller hat alle vorgeschriebenen Gesänge und zwar ohne den geringsten Anstoß gesungen und der hiesige Schulmeister Johannes Adam Schäfer benechst meinem Herren ?? Onkln? de Bary haben die Orgel wechselweis dergestalten gespielet, dass eine vollkommene Harmonie zwischen dem Gesang und der Orgel war, vornehmlich wurde dieses große Dankfest dadurch solenn gemacht, dass alle ledigen Weibspersonen aufgebunden und mit Kränzen auf ihren Köpfen, die jungen Mannspersonen aber gepudert und mit Sträußen und Rosmarinkrumen in den Händen von hier und Eckenheim paarweise zur Kirche gingen, was aber nicht ohne Rührung und Tränen zu sehen war, war dieses, dass die ganze Gemeinde Eckenheim vor- und nachmittags folgender Massen zur Kirche kam, erstlich
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kamen die kleinen Kinder paar und paar, dann die Schulkinder, hierauf die jungen ledigen Männer und Weibspersonen, nach diesen die Schulmeister und auf diese folgte die ganze Gemeinde, Männer und Weiber alle paarweise. Während dem Gang von Eckenheim aus bis hierher in die Kirche haben sie alle mit einmütigem Mund und Herzen beständig die schönsten Lob- und Danklieder gesungen und darunter viele Freudentränen für die große Wohltat des von Gottes unverdienter Gnade geschenkten solen Friedens vergossen. Benebst dem haben die jungen Purschen unter den Gesängen Herrgott Dich Loben wir Nun Danket Alle Gott mit sogenannten Katzenköpfen, diese in Frankfurt geholt, beständig geschossen.

Keine Musik vormittags hatten wir. Ich hatte zwar hiesigen Zentgraf durch den Ältesten Valentin Fischer sagen lassen, solche in Kraft der hohen Herrschaft zu besorgen, alleine es ist nicht geschehen, jedoch haben die jungen Purschen noch etliche Musikanten aus Frankfurt geholt, welche bei dem Nachmittagsgottesdienst das Lied Nun Danket Alle Gott mitmusiziert haben. Nach Endigung solchenen Gottesdienstes wurde unter allen Schul – und anderen Kindern Weisbrot zum Andenken ausgeteilt. Jehovah wolle ihm das dargebrachte Lob- und Dankopfer um seines Sohnes Jesu willen gefallen lassen und den uns geschenkten edlen Frieden mit seinen Früchten nicht nur dauerhaft machen, sondern uns auch allen die Gnade erweisen, dass wir ihn nun von dato an dazu anwenden, wozu er uns geschenkt ist. Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Auch ist noch bei dem hier gehaltenen Dankfest zu erinnern, dass die Jugend im Chor und in den Mädchenstühlen alle vorgeschriebenen Gebete kniend verrichtete. Merkwürdig war, dass wir damals auf den
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6. Martii da dieses Dankfest gehalten wurde, dem Sonntag Oculi mithin das Evangelium Luc. ? XI Jesus treibt etc. ? hatten.

1770 mussten die Kirchenkassen noch nachträglich Kriegskosten bezahlen und zwar
Preungesheim 66 fl 17 Alb. 1 ¾ Pfennig
Berkersheim 22 fl. 3 Alb. ¼ Pfennig
Eckenheim 2 fl. 1 Alb. 7 Pfennig

Von den Jahren 1759, 61 und 62
Pfarrer Scherer, der Nachfolger von Cress, berichtet von weltlichen Ereignissen um 1776 den Ausmarsch des Hanauer Regiments nach Amerika in einer Stärke von 668 Mann. Die Namen der Burschen aus der reformierten Pfarrei Preungesheim, welche mitmussten, waren folgende:

1. aus Preungesheim: Philipp Heil, Johannes Braumann, Johann-Peter Schwab, David Zorbach.
2. aus Eckenheim: Johannes Filzinger, Philipp Müller, Georg Klees, Anton Sterlepper, Philipp Sterlepper, Philipp Filzinger, Johann Georg Zorbach und des zeitigen Hirten Kesters Sohn.
3. aus Berkersheim: David Hamburger, Wilhelm Engelhard.

Dazu nur ein lutherischer. Bekanntlich wurde das Hanauer Regiment bei Saratoga mit einem englischen Corps von den Amerikanern gefangen genommen, aber nach Beendigung des Kriegs wieder ausgewechselt. Wie viele von den 14 jungen Leuten aus Amerika zurückgekehrt und wie viele dort geblieben sind, geht aus dem Kirchenbuch nicht hervor. Die Einschiffung am Main ( nächst der Hellerbrücke ) geschah am 15. März.
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Von kulturhistorischem Interesse ist noch folgender Eintrag des Pfarrers Scherer:
Die Pachtgelder (der Kirchenäcker) gingen schlecht ein. Dies entschuldigten die Presbyterialen 1787 damit, dass sie sagten, die Kirschen aus denen die Gemeinde sonst jährlich 3000 – 4000 Gulden löse, seien nicht geraten und es reiße immer mehr Armut ein, der Pfarrer aber sprach seine Ansicht dahin aus, dass der Luxus
(über den man auch heute ein Liedlein singen könnte) die wahre Quelle der einreißenden Armut sei und wenn die Leute sich in Essen, Trinken und Kleidung nicht mehr einschränkten und insbesondere nicht das teure Kaffeetrinken einstellten, dass der Gemeinde weit mehr als ihre Contribution koste, so sei zu befürchten, dass die Gemeinde ganz verarme und allen Kredit verliere.

1787 wurde auch das neue, jetzt gottlob wieder abgeschaffte Gesangbuch eingeführt. Es sollte auf Pfingsten zuerst gebraucht werden, da es aber den Leuten in dieser Zeit an Geld fehlte, so wurde eine Anzahl auf Kosten der Kirche angeschafft und den Leuten bis zum Herbst kreditiert.

Der Personenstand der Pfarrer bei der vom Inspektor Merz im Jahr 1788 vorgenommenen Visitation war folgender:
1. in Preungesheim

46 Männer, 52 Weiber 77 Söhne 62 Töchter = 237 S.

2. in Eckenheim

37 Männer 47 Weiber 45 Söhne 54 Töchter = 183 S .

3. in Berkersheim

18 Männer 24 Weiber 32 Söhne 20 Töchter = 94 S.

total 513 Seelen. Die lutherische Gemeinde zählte 205 (74 in P. 61 in E. 70 in B.) zusammen 718 Seelen. Die Zahl der Communikanten betrug 438.
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Nach dem Tod des Pfarrers Scherer wurde die Pfarrstelle eine Zeitlang von seinem bisherigen Gehülfen Kandidat der Theologie Leberecht Ziegler von Alten-Gronau versehen. Dieser veranstaltete in dem äußerst kalten Winter von 1793/94 wo die Theuerung sehr groß war, eine Hauskollekte, welche nebst einem Zuschuss aus den Almosen in Gegenwart der Kirchenältesten an die Armen der drei Gemeinden verteilt wurden.

1794 sprang die kleine Glocke auf der Kirche zu Preungesheim und wurde beschlossen eine größere anzuschaffen, da man das schwache Geläut kaum auf den Filialen höre. Die Mittel zum Umguss bzw. zur Anschaffung einer größeren Glocke wurde von Pfarrer Trinthammer durch eine in den drei Gemeinden erhobene Hauskollekte aufgebracht.

1799 sprang auch die einzige Glocke in Eckenheim (bis 1891 die kleine). Sie wurde von Glockengiesser Bach zu Windecken umgegossen und sprang wieder im Jahr 1891, wo sie durch eine größere ersetzt wurde.

Am 22. Mai 1803 wurde auf allerhöchsten Befehl ein Dankgottesdienst wegen Erhebung des Landgrafen von Hessen zum Kurfürsten gehalten und über Psalm 18 Vers 24 gepredigt.

Nach demselben wurde eine Stunde lang mit allen Glocken geläutet.

Da in Folge der fortdauernden Kriegszüge zahlreiche Räuberbanden das Land unsicher machten und häufige Einbrüche geschahen, so wurde durch obrigkeitliche Verordnung vom 13. April 1805 die Nachtwache verdoppelt und befohlen, dass bei einem erfolgten Einbruch mit den Glocken geläutet und die Turmtüren nötigenfalls mit Gewalt
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geöffnet werden sollten, denn in Preungesheim waren bei dem Einbruch im Hause des Chausseegelderhebers Hein, um das stürmen zu verhindern die Schlüssellöcher der Turm- und Kirchentüren mit Papier verstopft worden.

Am 1. November 1806 verließ Kurfürst Wilhelm I. sein Land. Am 9. Dezember wurde befohlen statt des bisherigen Landesherrn den Kaiser Napoleon in das sonntägliche Kirchengebet einzuschließen, während der französische General Lagrange schon am 26. November verordnet hatte die hessischen Wappen aus den Kirchen zu entfernen oder mit Kalk zu überstreichen. Nachdem Napoleon den Fürstprimas Karl von Dalberg zum Großherzog von Frankfurt ernannt hatte, so wurde am 17. Mai 1810 statt Napoleon der Großherzog ins Kirchengebet einzuschließen. Am 6. März 1811 wurde nach französischen Muster die bürgerliche Trauung eingeführt, welche der kirchlichen voraus gehen musste. Am 8. April d.J. wurde die Feier des Charfreitags als eines ganzen Feiertags angeordnet.

Die Schlacht bei Hanau am 30./31. Oktober 1813 machte der Franzosenherrschaft ein Ende. Bei dem Rückzug der französischen Armee, von der ein Teil auch von hier kam und bei dem Durchzug der Alliierten Truppen erlitt Gemeinde und Pfarrhaus eine dreitägige Plünderung. Besonders die Kosaken richteten große Verwüstungen im Dorf und an den Pfarrgebäuden an. Sie hatten nach den betreffenden Pfarrakten Scheuer und Hoftor verbrannt sowie sämtliche eisernen Stäbe, womit die Rollfenster verwahrt waren, ausgebrochen und mitgenommen. Der Pfarrer verlor all seine Habe. Die vasa sacra hatte er wohlweislich nach Frankfurt in Sicherheit
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gebracht und einem Freund dem Kaufmann Henser am Domplatz zur Aufbewahrung übergeben. Wie die Hoftore von den Kosaken so waren auch die Tore zum Kirchhof von den österreichischen Truppen des Feldmarschalleutnants vom Wimpfen zerschlagen und verbrannt worden.

1814 zogen Nachfolgende mit nach Frankreich aus:

1. von Preungesheim

Georg Schweppenhaeuser, Konrad Heinzinger, Philipp Emmerich, Leonhard Reichwein, Konrad Kehr, Philipp Zorbach, Christoph Zorbach, Konrad Emmerich, Johannes Schmidt, Johannes Zorbach, Gosman Damian Zorbach, Michael Wellendorf

Durch Stellvertreter: Gottfried Janke für W. Zorbach, Peter Schwab für Jac. Schaar, Carl Grimm für Georg Philipp Caspari.

2. von Eckenheim:

Philipp Jacob, Lorenz Porth, Thomas Porth, Georg-Philipp Sterlepper
In der Reserve: Carl-Valentin Müller.

3. von Berkersheim:

Valentin Hamburger, Nicolaus Hamburger, Martin Fischer
Durch Stellvertreter: Christian Erbs für Carl Engelhard. In der Reserve: David Hamburger und Friedrich Heil.

An dem Feldzug von 1870/71 nahmen nachfolgende Bürger teil:

1. von Preungesheim:

Heinrich Boss, Philipp Ludwig Boss, Georg Braumann, Carl Braumann, Philipp Jacob Braumann, Johann Braumann +, Carl Valentin Caspary, Johann Caspary, Philipp Jacob Caspary, (Anm. 1. 3.7. im 32; 2.4.8. im 80; 5.6.9. im 83; Regiment.)
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Georg Caspary, Arcadius Derboth, Friedrich Hamburger, Johannes Heil, Georg Karl Kalbhenn, Johann Müller, Jacob Roemer, Johann Schmidt, Jacob Vogelsberger, Heinrich Weiss, Johann Weiss, Karl von Zielfelder, Georg Zorbach+ , Karl Gustav Doerr (von Berkersheim), Friedrich Schaefer von Bergen.

Johann Braumann bei Wörth vermisst.

Georg Zorbach Gefreiter in der 3. Companie Nr. 83. starb im 3. Feldlazarett zu Briecomte Robert bei Versailles am 18.10.1870 an Unterleibstyphus.

1. von Eckenheim:
A. Braumann, W. Berger, B. Carillon, H. Feuerbach, J. Haas, J. Huxhorn, H. Kirchmann, K. Kempf, H. Müller, C. Mörten, G. Porth, W. Porth, J. Riegel, K. Schack, J. Schildknecht+, J. Scherer, K. Scherer, D. Scholl, A. Scholl, H. Scheller, K. Scheller, P. Wiegand, A. Wolf. Q. Zorbach+ , G. Zorbach, P. Zorbach+.

Johann Lorenz Schildknecht fiel bei Weißenburg durch einen Schuß in den Kopf am 4. August 1870 1. Batt. Hess. Füsilierregiment Nr. 80.

Q. Zorbach (vermisst) verblieb vermutlich bei Wörth.

Phil. Zorbach Artillerist beim 11. Art. Reg. kam krank nach Haus und starb 30. 3. 1871 zu Eckenheim.

Am 8. Juli 1884 wurde das Krieger- oder besser Friedensdenkmal zu Preungesheim eingeweiht. Die Gemeinde Eckenheim ließ zum Andenken an das Jahr 1870/71 in der Kirche rechts von der Kanzel eine Tafel von weißem Marmor anbringen, auf welcher in Goldschrift die Namen der Combattanten stehn.
(Anmerkung: 1 Fuss Artillerie; 3. 4. 14. im 80; 6.12.16. im 32.; 8.9.12.13. im 83.; 4.10. im 81.; 2.17. beim Train des 11. Corps.)
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Zusätze

1. 1766 bat der Pfarrer um Ersatz von 10 Gulden, welche er während der Schlacht bei Bergen für eine Sauvegarde bezahlt hatte. Sie wurde aus der Kirchenkasse bewilligt.

2. 1768 baute der Deutsche Orden seine Zehntscheuer, (die westliche) im Pfarrgarten mit anfänglichem Protest der Pfarrei und des Consistoriums. 1771 gestattete es das Letztere, die Bitte um Entschädigung scheint vergeblich gewesen zu sein.

3. 1781 zeigten sich an dem 1742 neu erbauten Pfarrhaus schon viele Baugebrechen.

4. 1790 war der Schullehrer Knöll provisorischer Kirchbaumeister und hinterließ einen Regreß von 44 fl. Er zahlte ihn bis 1822 bis auf 33 fl. ab. Der Rest musste wegen seiner Armut und der Unbeitreiblichkeit der Rückstände niedergeschlagen werden.

5. 1795 war das Schulhaus von Eckenheim von der starken Einquartierung sehr ruiniert worden. Die Kirche war sehr schadhaft. Eckenheim bekam deshalb eine halbe Kollekte. Die Kosten für Reparatur der Kirche betrugen 108 fl. 36 Kr.

6. 1796 Anschaffung einer größer Glocke in Preungesheim.

7. 1799 sprang beim Zweitleuten die 1738 angeschaffte Eckenheimer Glocke. Sie wurde von Glockengiesser Bach in Windecken für 78 fl umgegossen. Die Kosten wurden teils durch freiwillige Beiträge, teils durch eine vom Konsistorium verwilligte Collekte aufgebracht.

8. 1807/08 musste die Pfarrei 26 fl 17 Albus, 1810/11 85 fl 7 Albus Kriegssteuer und Fouragegeld be-
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zahlen. Die Kirchenkasse musste zudem Zwangsanlehen von 1807 (24/5) 200 fl zu den von 1808 100 fl.

9. 1810 auf Ostern wurde das Altartuch aus der Eckenheimer Kirche gestohlen.

10. 1811 (5/12) wurden dem Pfarrer 38 junge Apfelbäume im Wert von 12 fl 40 kr (das Stück 20 kr) gestohlen und auf Befehl des Amtes zu Bergen von der Gemeinde ersetzt.

11. 1811 bekam Eckenheim eine Collekte von 113 fl.

12. 1819 Kirchenreparatur zu Preungesheim Anstrich 60 fl. Schreinerarbeit 59 fl. dabei ein neuer Altartisch

13. 1826 erhielt Preungesheim eine halbe Kirchenkollekte zur Ausbesserung des Kirchen- und Turmdachs.

14. 1834 bat das Presbyterium um eine Collekte zur Reparatur der ganz baufälligen Kirche zu Eckenheim.

15. 1835 wurden in Preungesheim Orgel und Kanzel angestrichen, desgleichen die Kirche geweißt alles für 57 fl. die Reparatur des Dachs kostete 29 fl.

16. 1841 fand eine Orgelreparatur statt.

17. Die aus den Jahren 1812 und 1813 restierenden Kriegs- und Grundsteuern wurden erst 1840 niedergeschlagen.

18. 1857 wurde für die Kirche zu Preungesheim eine neue Orgel angeschafft.

19. Im Jahr 1884 bestellte das bischöfliche Ordinariat zu Fulda zur Pastoration der Katholiken in Eckenheim und Umgegend einen Missionspriester in der Person des Kaplan Knips von Fulda. Derselbe erteilte nach R.B. vom 3. August 1884 von da an den katholischen Kindern von Eckenheim und Preungesheim den Religionsunterricht, wozu die Gemeinde Eckenheim den Schulsaal hergeben musste. Beide Gemeinden zahlen dafür an C. Knips je 50 Mark. (Lehrer Krug werden sie an seinem Gehalt gekürzt, bekommt sie aber aus der
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Staatskasse wieder). Den Gottesdienst hielt die kleine katholische Gemeinde in einem bei dem zur Pfarrwohnung angekauften Haus gelegenen ehemaligen Fabrikraum.

Mai 1885 errichtete das Domkapitel eine katholische Privatschule, welcher aus
Eckenheim 56, aus Preungesheim 15 Kinder zugewiesen wurden. Der Unterricht wurde bis zur Vollendung des neuen Schulhauses, welches auch eine Kapelle enthält, in dem Saal der Kronenbergerschen Wirtschaft erteilt. Diese Kapelle wurde am 1886 unter großen Feierlichkeiten eingeweiht. Kaplan Knips erlaubte sich in der Folge allerlei Übergriffe in Bezug auf die Kinder aus gemischten Ehen. Gelegentlich eines Spezialfalles der durch drei Instanzen verfolgt werden musste, wurde von dem königlichen Kammergericht zu Berlin und am 24. April 1889 entschieden, dass die Kinder nach § 4 des noch geltenden kurhessischen Religionsgesetzes vom 13. April 1853 der Religion des Vaters zu folgen haben falls derselbe nicht mit dem 7. Lebensjahre eine andere Bestimmung trifft und das (er selbst nicht nur, sondern auch seine Witwe) hieran gebunden ist.

20. Am 10. Juli 1890 kam der Orden der Barmherzigen Schwestern von der Regel des St. Vincenz von ?Pauen? auf Veranlassung des Dekans Helferich zu Bockenheim und des Kaplan Knips bei seiner Excellenz dem Kultusminister um die Erlaubnis zur Gründung einer Niederlassung behufs Krankenpflege, und Errichtung einer Kleinkinder-, Haushaltungs- und Handarbeitsschule sowie Suppenküche für die Armen ein. Nach eingeholtem Gutachten seitens des königlichen Landrats und diesseitigen Pfarramts (diskret) gestattete der Minister die Niederlassung und am 9. Januar 1891 jedoch nur zur Krankenpflege. Im Sommer 1891 trafen zwei Schwestern aus dem
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Mutterhaus zu Fulda in Eckenheim ein. Eine Wohnung für dieselben ( in der Bornheimer Straße nahe der Kapelle) war bereits vorher mit den der Propaganda reichlich zu Gebot stehenden Mitteln angekauft und eingerichtet worden.

Unterm 6. September 1891 erneuerte das Fuldaer Ordenshaus bei seiner Excellenz dem Kultusminister die Bitte um Erlaubnis zur Errichtung einer Kleinkinder- nebst Handarbeitsschule für konfirmierte Mädchen, welche dem Ortsschulinspektor zum Bericht zuging.

21. Gelegentlich der 400 jährigen Geburtstagsfeier Dr. Martin Luthers wurde durch freiwillige Beiträge für die Kirche zu Preungesheim ein neues Taufgeschirr, für die zu Eckenheim ein neues Altartuch durch freiwillige Beiträge angeschafft. Der Einsammlung unterzogen sich die beiden Lehrer Reich und Kurz. 1891 wurde auch für die Kirche zu Eckenheim ein neues Taufgeschirr angekauft. Dasselbe kostete 117 Mark.

22. 1888 wurde in der Eckenheimer Kirche eine neue Kanzel errichtet;

23. 1889 in beiden Kirchen das neue Gesangbuch eingeführt.

24. Von Ostern 1891 an übernahm die politische Gemeinde Preungesheim auch das Kirchengeläut.

25. Im Frühjahr 1892 pflanzte die Gemeinde anstatt der dürr geworden Kugelakazien auf dem Kirchplatz drei Rosskastanien und ließ die Kirchhofmauer ausbessern.

26. 1890 Im November sprang die kleine Glocke zu Eckenheim (1799 gegossen) beim Nachtläuten. Anstatt ihrer wurde von dem Glockengiesser Ulrich in Apolda eine Große geliefert, welche in der Charwoche 1891 aufgezogen und auf Ostern zum 1. Mal geläutet wurde. Dieselbe wiegt 530 kg = 1060 Pfund. Die Kosten wurden durch freiwillige Beiträge aufgebracht.
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