Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 4

Bekanntlich erließ Graf Philipp Ludwig 1607
das berühmt Schuledikt, wodurch die hohe Landesschule zu Hanau fundiert und jeder Kirche aufgegeben wurde einen jährlichen Beitrag von zwei Gulden zu derselben zu leisten. Wir finden deshalb von 1607 in jeder Kirchenrechnung 2 fl vor die Schul in Hanau, nach dem Krieg nur ein fl. Verrechnet, jedenfalls wegen Mittellosigkeit der Kirchenkasse, denn während 1603 die jährlichen Einnahmen von Geld, Wachs, Öl und Korn 65 fl. 21 Schilling 3 Pfennig, 1604 51 fl. 6 Schilling 3 Pfennig betrug, so belief sich dieselbe 1645 nur auf 10 fl. 21. Schilling , 1646 13 fl. 17 Schilling, so groß war die Verarmung welche der 30 jährige Krieg zur Folge gehabt hatte.

Für die Preise der Lebensmittel, bezüglich dem Wert des Geldes im Anfang des 17. Jahrhunderts ist es bezeichnend, dass 1603 das Achtel Pfarrkorn zu 1 fl. 10 Schilling verkauft wurde.

1605 müssen fremde Truppen durchgezogen sein, denn der Pfarrer empfing eine Vergütung aus der Kirchenkasse für die Beköstigung eines italienischen Graf, der im Pfarrhaus im Quartier lag.

1603 war ein Brand in Preungesheim, denn es wären 3 fl. Den verbrannten in Breunigsheim aufgeführt.

Phillipp Ludwig führte den Gebrauch der Lobmesserchen Psalmen in den Hanauer Kirchen ein. 1608 wird ein Exemplar derselben auf Kosten der Kirche angeschafft. Ebenso 1606 ein Exemplar des in der Zeit von Paulus Crocius herausgegeben und bei Wilhelm Antonius in Hanau gedruckten GROSS MARTYR BUCHES. Es kostet 9 fl. 16 ß wurden verausgabt als das GROSSMARTYRBUCH geholet ward.

Von lokalen Notizen enthalten die oben gedachten
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Kirchenrechnungen noch folgendes:
1604 wurde die Glocke vom Turm gefahren und gen Hanau gebracht, vermutlich um ungegossen zu werden.

1605 wurde eine große Reparatur am Turm vorgenommen. Es wurden 21 fl. 6 Pfennig für Bauholz ausgegeben. Dasselbe kostete aus dem Wasser zu schleifen 12 Schilling, 4 Schilling 1 Pfennig Zoll, 10 Schilling dasselbe von Hanau nach Fechenheim zu führen, wo es von den Ortseinwohnern abgeholt wurde. Für Dielen wurden 9 fl. 4 Schilling 5 Pfennig verausgabt. Der Zimmermann bekam 23 fl. 4 Schilling den Turm zu machen, der Schieferdecker 8 fl. 8 Schilling denselben wieder zu decken, wozu noch ein Karren von Schiefer im Preis von 2 fl. 2 Schilling nötig waren. Dabei vergaßen sich Baumeister und Schultheiß nicht. Sie verzehrten 12 Schilling 4 Pfennig als sie nach dem Holz in Hanau waren und 13 Schilling 8 Pfennig als das Holz gekauft wurde 2 fl. 14 Schilling 2 Pfennig wurden für 7/4 Wein verausgabt als das Holz und die Dielen in Fechenheim geholt wurden.

1606 wurde ein alter Kelch für 16 fl. 12 Schilling zu Gunsten der Kirche verkauft. 2 fl. 13 Schilling kostete derselbe wieder zu machen.
1608 wurde der Glockenstuhl repariert.
1609 wurde ein neues Schulhaus gebaut aber erst 1612 vollendet.
1614 wurde die Kirche mit 1500 Backsteinen neu gepflastert.
1639 wurden, wie erst in der Rechnung von 1649 bemerkt ist, 6 fl. Bei der Einführung des Pfarrer Hirstius verzehrt.
1650 ging an Pachtkorn nichts ein, 1652 1/8 vor dem Krieg 12 ½ achtel.
1653 wurde die alte Glocke verkauft und eine neue angeschafft. Dazu gab man von der zweiten Glocke, welche geschmolzen war, das Erz im Gewicht von 39 Pfund. Dafür wurden gelöhnt 1 fl. 15 Schilling. Die neue in Frankfurt gegossene
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Glocke kostete 45 fl. Und wog 134 Pfund. Die Kirche legte 5 fl. drauf und wurde 1fl. 15 Schilling zum Weinkauf gegeben.

Die Kirchenrechnung aus den Jahren des Kriegs sind leider nicht mehr vorhanden.
Erst drei Jahre nach dem Friedensschluss bekam die Gemeinde wieder einen Pfarrer in der Person des Philipp Wilhelm Wildius von Hanau, vor welchen weiter unten.

Die Einwohner hatten sich aus der Zerstreuung wieder gesammelt. Preungesheim hatte wieder 27 Eckenheim 15, Berkersheim 17 Nachbarn deren Namen Wildius aufgezeichnet hat.
Preungesheim
Heinrich Braumann, Johann Wendel Heumann, die alte Karben, Johan Clöß, Merten-Sterlepper, Johannes Emmerich, Peter Kerber, Cloß Kerin, Peter Wenzel, Hans-Heinrich Gruno , Friedrich Caspary, Johann Heyl, Henrich Heyl, Philipp Schmit, Peter Heyl, Johannes Weiß, Peter Schmit, Hans Heyl, Johann Becker, Heinrich Hamburger, Bernhard Schwab, Niclas Schmit, Henrich Schmit, Johann Heise, Jakob Heise, Henrich Mardorf.
Kirchenälteste waren: Herr Konrad Caspary derzeit Centgräf.
Johann Klös, Senior.
Peter Schmit.
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Eckenheim: Konrad May, Hans Jörg Schwab, Johann Gruß der Alte, Caspar Werner, Peter Werner, Adam Heyl, Johann Heyl, Hans Jörg Clöß, Hans Heß, Nikolaus Clöß, Johann Schwab, Gottfried Heyl, Johann Scholl, Johann Hens, der Jung, Philipus Sterlepper.
Kirchenälteste: Herr Hans Wilhelmy, Centgraf , Hans Jörg Schwab, Senior. Gottfried Heupel, Senior.
Berkersheim: Johann Volzinger, Johannes Werner, Philipp Gruner, Bernhard Hamburger, Johann Heyl, Heinrich Werner, Johann Elias Wagner, Konrad Falk, Hermann Schnabel, Hans Fischer, Johann Franz, Wenzel Lamp, Nikolaus Reiz, Johann Pulver, Hans Heinrich Beck.
Kirchenälteste: Herr Johann Heinrich Heyl, Johann Reiz, Senior, Philipp Grunert, Senior.
Die Namen sind noch größtenteils vorhanden.

Unter Pfarrer Lucius erschien eine neue Kirchenreparatur notwendig. Lucius ging nach Hanau um die gnädige Herrschaft um eine Beisteuer zu bitten. 1681 wurde im Presbyterium wegen Wiederaufbau der im 30-jährigen abgebrannten Kirche zu Eckenheim geredet. Am 1. Oktober 1682 wurde dieselbe eingeweiht.
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Nach Errichtung einer lutherischen Pfarrei in Berkersheim weigerte der Junker Schelm der Schule zu Berkersheim – den Wein- und der Pfarrei den Kornzehnten. Obgleich er von der gräflichen Regierung durch Mandat vom 12. Februar 1689 zur Entrichtung desselben verurteilt wurde, so weigerte er sich doch, denselben herauszugeben, weshalb der Keller Jakobi zu Bergen auf Anrufen des Pfarrers und Schulmeisters den Zehnten auf Schelms Äckern durch einige Mann vom Ausschuss (der gräflichen Miliz) aufbinden, 4 Fuder Korn nach Preungesheim in die Pfarrscheune fahren, daselbst ausdreschen und bis zur ausgemachten Sache nach Bergen ließ (1691).

Zu Broskers Zeit wurde eine größere Glocke angeschafft. Das Kirchenbuch berichtet: Den 29. August 1705 ist unser bayerische (??) Klocke sowie vor unserer kleinen Klocke 99 Pfund wiegend umgetauscht auf unseren Turm nebst dem neuen Klockenstuhl gebracht worden. Sie wiegt 3 Zentner 6 Pfund, der Zentner a 47 fl.

1716 wurde an der Kirche gebaut, unter anderem die zwei jetzt wieder zugemauerten Thüren an der Westseite mit der Zahl 1716 gebrochen, 1727 der Turm wieder repariert und auch in der Kirche verschiedene Veränderungen vorgenommen.

In demselben Jahr ließ der Deutsche Orden auf Nachsuchen des Pfarrers die ganz zerfallene Hofmauer wieder aufrichten, im folgenden Jahr aber die Studierstube und die Bibliothek herstellen.

1741 wurden unter Pfarrer Creß die zwei ovalen Fenster in der Kirche gebrochen, sowie das große Fenster nach dem Pfarrhaus zu, wodurch die Kirche viel Licht gewann.
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Bei der 1742 durch Inspektor Grimm gehaltenen Kirchenvisitation war die Zahl der Ortsbürger
Zu Preungesheim 40
Zu Eckenheim 33
Zu Berkersheim 18
Die Zahl der Schulkinder betrug zu Preungesheim und Eckenheim 28, zu Berkersheim 18.

1743 wurde für die Kirche zu Preungesheim eine neue Orgel gekauft für 420 Gulden, welche durch freiwillige Beiträge aufgebracht wurden, 1743 das neue Choralbuch von Müller angeschafft. Dem Lehrer wurden (1741) 5 Morgen Kirchengut im Eckenheimer Feld überlassen gegen die Verpflichtung die Orgel zu spielen.

In demselben Jahr (1743) wo ein großer Comet am Himmel stand, den Creß als einen Vorboten großer Strafgerichte ansah, wurde die Kirche durch den Weißbinder Georg Stegmeier von Neu-Hanau für den Preis von ca. 38 Gulden neu angestrichen.
1747 ließ Creß den Abendsmahlsbrodteller in Frankfurt machen. Er war vergoldet, wog 20 ¾ Loth und kostete 27 fl. 20 Albus. Dagegen wurde der Alte 7 ¾ Loth schwer für 7 fl. 22 Albus in Kauf gegeben. Meister Sebastian Geibel zu Frankfurt am Main verfertigte ihn.

1756 wurden zwei neue Hahnen auf die Kirche gesetzt. In den einen Knopf, nach dem Pfarrhaus zu legte Creß die Nachweisung wann dies geschehen. Die betreffende Schrift lautete: Diese beiden Hahnen sind auf dieses Kirchendach von dem Hof-Schieferdeckermeister Gilet von Hanau aufgesetzet worden zu der Zeit, da Johannes Christianus Creß von Marpurg aus Hessen ev. ref.
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Prediger zu Breunigsheim, Eckenheim und Berkersheim, Philipp Jakob Schwab und Hennrich Emmerich Kirchenältesten und Andreas Braumann Kirchenbaumeister waren. Gott erhalt dieses sein Haus zu seiner Ehre, bewahre es vor allem Unglück und lasse uns unter der Blutfahne Jesu kämpfen den guten Kampf des Glaubens. Aufgezeichnet in perpetuam memoriam anno Christi 1756 den 14. Oktober.
Joh.Christ. Creß
Marie Luise Creß
Eine geborene Kuenstterin,
Dessen Ehefrau
Creß hat über die politischen Ereignisse seiner Zeit, in so fern, sie auch Preungesheim und das Hessenland berühren, in dem Presbyterialprotokoll zahlreiche und umfangreiche Aufzeichnungen gemacht, welche hier ihre Stelle finden sollen.

Der bayrische Erbfolgekrieg brachte den Gemeinden viel Schaden und Unmuße. Creß schreibt darüber 1742:

Die französische Armee, ohngefähr 35 000 Mann stark unter dem Marschall Maillebois durchs römische Reich ihren Marsch entweder nach Böhmen oder Bayern, das man noch z.Zt. nicht gewiss sagen kann, nahme, so hat uns leider auch all hier das Unglück betroffen, dass solche an Breunigsheim in 4 Kolonnen an dem 24., 26., 28. und 29. August erwähnten Jahres vorbeiging, mithin wurde nicht nur das sogenannte Schmidsfeld, das eben Sommerfrüchte hatte, total
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ruiniert, sondern auch alles Obst grasgrün von den Bäumen gerissen, und was nicht an Obst und Früchten genossen werden können, sogar von Menschen und Vieh mit Füssen getreten, ungeordnet man Korn, Weizen, Hafer, Heu , Stroh und Holz nach dem Lager bei Enkheim auf der sogenannten Leuchte liefern müssen, wobei aber ich, Pfarrer, weilen die Pfarräcker mehrenteils am Weg liegen den grössesten Schaden und sonderlich auf den 12 Morgen am oberen Pfarrhoftor erlitten habe. Gott wende ferner alles Unglück und Schaden von uns der ganzen wertesten Christenheit in Gnaden ab.

Ferner 1743:

den 5. Mai sind die englisch – hannöverschen und österreichischen Truppen in der Gegend bei Frankfurt herum in die Kantonierungsquartiere zu stehen gekommen, und ist wegen der Menge fast kein Mensch mit Einquartierung verschont geblieben. In hiesiges Pfarrhaus hat sich de-facto einlogiert der englische Obrister Withmor und der Grenadierskapitän Herres ; Der General Legoner hat zu Bornheim gelegen und der Generallisimus über alle diese Truppen nachmals Mylord Stairs zu Höchst 14 Tage lang habe erwähnte Offiziers in meinem Haus gehabt, welche mir übrigens alle nur erdenkliche Höflichkeit erwiesen haben. Hierauf haben Sie angefangen zu kampieren zwischen Frankfurt und Mainz. Die Engländer waren stark 26 000 die Hannöverschen 16 000 und die Österreicher 40 000, mithin diese conförderierte Armee 82 000. Gott stehe ihnen und uns gegen die Franzosen bei !
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