Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 20

Nachtrag zu den Eintragungen des Pfarrers Junghans (bis 1901, bis S. 136) von Seite 383 des Chronikbandes I :

 

Das Wappen
der adligen Familie der von Kühhorn
im Chor der Kirche zu Preungesheim.

s. Abb. auf Seite 383

Im Chor der Kirche zu Preungesheim befindet sich
(Seite 384)

eingemauert das vorstehende Wappen. Es ist den von Pfarrer Creß anno 1749 angestellten Nachforschungen zu folgen (S. acta. J. 5 der Repositur) das Wappen der Frankfurter Patrizierfamilie von Kühhorn , welche den Bertrams alias Kühhornshof besaß und in der Kirche zu Preungesheim ihr Erbbegräbnis besaß. Creß ließ durch zwei vertraute Männer feststellen, dass sich das selbe Wappen: ?Heerhorn?und 3 Sterne“ links vom Eingang in den Kühhornshof in der Mauer befinde, wo auch drei Spießlöcher, dahinter „Katzenköpfe“ (kleine Mörser) in die Mauer eingelassen seien. Der emeritierte in Offenbach wohnende Pfarrer Bröske berichtet, dass er bei der 1716 vorgenommenen Erneuerung der Kirche das alte Chor, in welchem der Stein gestanden habe, abbrechen, den Stein aber unversehrt wieder habe einmauern lassen. Die Veranlassung zu der Recherche des Pfarrer Creß war die, dass die damalige Besitzerin des Hofs, die Familie Bertram, die actus ministeriales heimlich durch Frankfurter Geistliche ??? zerrichten?? ließ, während der Pfarrer zu Preungesheim sich um ???daß willen ?? für zuständig hielt, weil der Hof auf Hanauer (Hessen-Nassauischen) Territorium liege. 1754 rescubiert dass Consistorium, dass die Sache bei dem Reichskammergericht anhängig gemacht, aber noch nicht entschieden sei. Der Hof gehört gegenwärtig der Familie von Rothschild.
(Seite 378)

Nachtrag zu den Eintragungen des Pfarrers Schaefer (bis 1936,Seite 256,)

Richtfest des Turmaufbaues am 13. Januar 1935

Am vorigen Dienstag, 8.Januar 1935, sagte mir der die Arbeiten am Eisernen Gerüst des Turmhelmes leitende Vorarbeiter, dass die Zusammensetzung dieser die künftige Turmhelmverschalung tragenden Eisenschienen am Samstag, 12.1.1935, beendet werden würde. Ich teilte dies den beiden Mitgliedern des Engeren Ausschusses mündlich mit und schlug vor, am 13. Januar ein Richtfest zu feiern und zu diesem die ganze Gemeinde durch gedruckte, in allen Häusern zu verteilende Einladung einzuladen und nach dem Gottesdienst eine Kapsel mit Urkunde und einigen gedruckten Beilagen vor versammelter Gemeinde in das Mauerwerk des Turmes einzulegen. Beide Herren (Kühn und Koch) stimmten zu, ich gab die Einladung in Druck, erhielt sie am Freitag und ließ sie austragen.

Die Beteiligung der Gemeindeglieder insbesondere auch der Männer, an der ganzen Feier war sehr zahlreich. Vor dem Gottesdienst war den Teilnehmern in der Zeit von ½ 9 bis 10 Uhr im Saale der am Nordosteck des Kirchplatzes liegenden Kleinkinderschule Gelegenheit gegeben, ihre Namen in bereitgelegte Listen einzutragen. Eine größere Anzahl von Teilnehmer, insbesondere Erwachsene, trugen sich ein.

Der Gottesdienst begann nach dem üblichen Geläute, (je 10 Minuten lang um ¾ 9, ¼ 10 und ¾ 10.00) mit dem Gesang der ersten Verse des Liedes „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehre“ (Nummer 254 des nach der kirchlichen Eingemeindung – Fußnote 1 – des damals zur Landeskirche Hessen-Kassel gehörenden Kirchenkreises Bockenheim mit Fechenheim in die damalige Landeskirche Frankfurt am Main auch in unserer Gemeinde eingeführten – Fußnote 2 – neuerschienenen Frankfurter Evangelischen Gesangbuchs -) Die Liturgie wurde nach unserer „Agende für die evangelisch-unierte Kirchengemeinschaft“ (gedruckt Cassel, 1896, Hof- und Waisenhaus-Buchdruckerei) gehalten. Altarverlesung war das Evangelium des Tages (1. Sonntag nach Epiphanias)
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Lucas 2,41 – 52 (Der 12-jährige Jesus im Tempel); verlesen (da wir ein schönes Stehpult rechts vor dem Altar zum Auflegen beim Altardienst zu benutzenden großen Bibel leider noch nicht besitzen) aus dem „Perikopenbuch der Deutsch-Evangelischen Kirchen-Konferenz“ (gedruckt – 2. Auflage – Sondershausen bei Fr. August Eupel, 1909). Der Predigt lag zugrunde der Text Luc. 13, 4-5: „Oder meinet ihr, dass die 18, auf welche der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, seien schuldig gewesen vor allen Menschen, die zu Jerusalem wohnen? – Ich sage: Nein; sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen.“

Die Predigt führte aus, dass der Herr liebloses urteilen auch uns verbietet und uns auffordert, uns zu bessern, was geschieht, wenn wir dem Wirken des Geistes Gottes unser Herz erschließen und unter seiner Leitung ehrlich und tapfer auch selbst an uns arbeiten.

Ich flocht ein, dass dem Kirchenvorstand der Entschluss zum Abbruch des früheren Turmhelmes nicht leicht geworden sei, weil er gewusst habe, wie sehr die Gemeindeglieder das gewohnte Bild des Turmes entbehren würden und dass wohl eine Reihe von Jahren darüber hingehen werde bis – bei den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen – der Turmhelm wieder werde aufgebaut werden können. Er sei sich aber dessen bewusst geblieben, dass – wenn auch bei den von einem Turm Erschlagenen keine besondere Schuld gesucht werden darf -, diejenigen schwere Schuld treffen würde, welche durch Unterlassung der nötigen Vorsorge für ein derartiges Vorkommnis die Verantwortung trügen. Darum habe der Kirchenvorstand gehandelt, wie geschehen -. Und darum freue er sich mit der ganzen Gemeinde, dass es möglich geworden sei, soviel früher, als erwartet, den Turm mit Gottes Hilfe wieder aufzubauen. – Ich wies dann darauf hin, dass der Herr an ein bei einem Turme eingetretenes Ereignis erinnernd seine Hörer zu gottesfürchtigem Handeln aufgerufen habe. Ich wolle darum an die Geschicke unseres Turmes anknüpfend, an Gottes Walten in unserer Gemeinde erinnern und daran, wie er mit demselbem auch uns zur Buße rufe.

1) Um 800: der Platz, auf dem der Turm und Kirche steht, hat – wie wir anzunehmen Anlass haben – Fußnote 3 – vorher eine hölzerne Kirche getragen, die wahrscheinlich schon zu Karls des Großen Zeiten stand, vielleicht zur Zeit des Bonifatius – Fußnote 4 – errichtet wurde – – eine Erinnerung an die Zeit, da unsere Vorfahren das Christentum annahmen – – eine eindringliche Mahnung an uns, diesen christlichen Glauben zu bewahren und zu verteidigen, ihn zu bekennen von Herzen und mit der Tat!

2) Um 1200 ward der Turm (in halber Höhe des jetzigen) als Turm einer romanischen Kirchenburg erbaut. Es galt noch das Faustrecht. Das Rittertum, damals in seiner höchsten Blüte (Nibelungen-, Minne-Lied), baute sich Burgen. Der Ackerbürger fand Schutz in seinem Gotteshause – – eine Mahnung zum Dank gegenüber Gott für die Ordnung, Recht und Schutz, deren wir uns jetzt wieder erfreuen dürfen – – und eine Ermunterung, zu gedenken, wer unsere Burg ist. – – Luther sang es uns!

3) Um 1500 bis 1550: Erhöhung des Turmes nach Bau eines gotisch gedachten An- bzw. Neubaues, nördlich des Turmes. Jahrhundert der Reformation – auf dem Wege nach Worms fuhr Luther auf der Friedberger Landstraße an unserer Gemarkung vorüber? Diene uns diese Erinnerung als eine Mahnung zur Treue im evangelischen Glauben.

4) Um 1700: Jetziger Kirchenraum erstellt – – , von dem nun für uns gelten muss: „Herr ich hab lieb die Stätte deines Hauses“ – und Erfüllung des 3. (4.) Gebotes!

5) Gegenwart: Unser bauen – umsonst, „wo der Herr nicht das Haus bauet“. Ihn
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wollen wir bitten um seinen Segen – für unser Bauen, für unsere Kirche, für unsere Gemeinden, für unsere Herzen – uns zu bessern“.

Danach wurde von dem Liede „Wie groß ist des Allmächtigen Güte“, von dem vor der Predigt die Verse 1-4 gesungen waren, der letzte Vers gesungen. Ich sprach – wie immer – am Altare das allgemeine Kirchengebet und bat danach Gott um seinen Segen für unser bauen, unsere Kirche, Gemeinde, Volk und Vaterland.

Dann verlas ich die von mir geschriebene Urkunde. Sie lautet:

Im Namen der Heiligen Dreieinigkeit. Amen!

Unser Kirchturm ist in seinem ältesten Teile etwa 700 Jahre alt. Vielleicht wurde er unter dem 1. seinem Namen nach bekannten Pfarrer von Preungesheim, Dominus Luphridus, welcher um das Jahr 1210 hier wirkte, erbaut. Der Turm war zuerst nur halb so hoch, wie jetzt. Dies zeigen die noch heute vorhandenen ganzseitigen Mauervorsprünge an seinen Innenflächen. Auf diesen Mauervorsprüngen hat das Gebälk des ältesten Turmhelms geruht. Etwas oberhalb dieser Mauervorsprünge hört das älteste Mauerwerk ringsum in gleicher Höhe auf. Das darüber liegende Mauerwerk zeigt eine andere Art der Ausführung. Zu der jetzigen Höhe wurde der Turm wahrscheinlich im 16. Jahrhundert empor geführt, als man die ursprüngliche, westlich vom Turm gelegene, niedrige romanische Kirche abbrach und nördlich vom Turm einen wesentlichen höheren Kirchenraum anbaute. Dieser wurde im Jahre 1716 zu dem heutigen Kirchengebäude erweitert – laut der inschriftlichen Jahreszahlen am Fuß der Kanzel und außen über den linken Türbogen in der Westwand der Kirche.

Das schon mehrfach ausgebesserte Gebälk des Turmhelms war durch die Einflüsse der Witterung im Lauf der Zeit derart schadhaft geworden, das ernste Einsturzgefahr bestand und die Baupolizei unumwunden erklärte, dass sie die Kirche selbst schließen müsse, wenn ihre Gefährdung durch den Turmhelm nicht behoben werde. Vor drei Jahren, im Herbst des Jahres 1931, wurde deshalb der Turmhelm auf Anordnung und auf Kosten der Stadtsynode der lutherischen und unierten Kirchengemeinden von Frankfurt am Main abgebrochen. Hierbei waren die Werkleute genötigt, den Turnhelm von innen her abzutragen, weil bei einem Beginn der Abbrucharbeit an der Verschalung das Zusammenstürzen des Balkenwerkes zu befürchten war.

Da die Stadtsynode in Folge der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht in der Lage war, den Turmhelm alsbald wieder aufbauen zu lassen, wurde
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der Turm einstweilen mit einem niedrigen Dache versehen, aus dessen Spitze ein hölzernes Kreuz emporragte.

Im Frühjahr vorigen Jahres gelang es der Aufmerksamkeit und dem raschen Handeln der örtlichen Kirchenverwaltung, das Baugeld zu erwirken. Aus einem vom Staate für Darlehen zu öffentlichen Arbeiten bereit gestellten Betrage wurde der für unseren Turm nötige Baubetrag der Stadtsynode als Darlehen zur Verfügung gestellt. Dies staatliche Darlehen wird von der Stadtsynode verzinst und amortisiert.

Am 29. Oktober 1934 konnte mit dem Aufschlagen des Baugerüstes begonnen werden. Die Arbeiten schritten in Folge der anhaltenden günstigen Witterung gut fort. Zu Festigung des Mauerwerks wurden zwei mit dem Mauerwerk verankerte Betondecken in dem Turmschaft und eine Betondecke als oberer Abschluss auf demselben angebracht. In dieser mit dem Turmschaft fest verbundenen obersten Betonplatte von stellenweise 45 cm Dicke und etwa 300 Zentner Gewicht ist das starke eiserne Gerüst des neuen Turmhelms verankert. Das Gewicht dieses eisernen Gerüstes beträgt etwa 120 Zentner.

Das Fundament des Turmes ist 2,20 m tief. Die Höhe des Turmschaftes beträgt 16 m, die Höhe des Eisengerüstes 15 m; die Höhe des bisherigen, seit dem Abbruch des alten Turmhelms im Kirchenraum aufgestellt gewesenen, wieder zur Verwendung kommenden Turmkreuzes mit dem Turmknauf am unteren und dem Wetterhahn am oberen Ende beträgt etwa 2,5 m. Das Äußere des Turmhelmes wird genau in der alten Weise wieder hergestellt mit dem einzigen Unterschied, dass noch eine zweites Zifferblatt und zwar auf der Südseite angebracht wird.

Der barmherzige Gott hat gnädig über unserer Gemeinde und unserem Gotteshause gewaltet. ER hat gnädig alle beschützt die daran arbeiten. In seinen allmächtigen Schutz und seiner Gnade befehlen wir auch fernerhin unsere ganze Gemeinde, jede Familie in ihr und jeden Einzelnen! Er baue sein Reich in unserer Gemeinde, in unserem Volk und Vaterlande und überall, wo die Herzen sich zu ihm bekehren! ER schenke unseren Deutschen Brüdern an der Saar am heutigen Tage die Heimkehr zum Deutschen Volke und Vaterlande.

Frankfurt a.M. Preungesheim, Weinstraße 37, den 13. Januar 1935

Dienstsiegel der evangelischen Kirche zu Preungesheim

Licentiat der Theologie, Friedrich Wilhelm Schaefer, Pfarrer zu Preungesheim, Vorsitzender des Kirchenvorstands.“

Nachdem diese Urkunde verlesen worden war wurde sie in die Kapsel – Fußnote 7 – gelegt
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und diese Herrn Spenglermeister Heil übergeben, der sie während des letzten Teiles des Gottesdienstes zulötete. Nach Gesang, Segenserteilung und Ausgangslied begab sich die Gemeinde zum Kirchturm.

In der südlichen Wand derselben etwas östlich von den beiden Fensterbögen in Manneshöhe befand sich vom ursprünglichen Baugerüst her noch ein armdicker Schacht im Mauerwerk. In diesem wurde die kupferne Kapsel unter dem Geläut der Glocken eingelegt, und der Schacht dann sogleich zugemauert. Mit dem Gesang eines Danklied-Verses endete die schöne Feier. – Die Glocken hingen bei dieser Feier noch auf dem Notgerüst in der Südwestecke des Platzes südlich der Kirche.
Fußnote 1

Diese Eingemeindung fand am 1.4.1929 statt.

Fußnote 2

Wir führten das Frankfurter Gesangbuch hier am 2. Christtag 1929 ein, nachdem ich schon die am Palmsonntag 1929 Konfirmierten veranlasste hatte, sich nicht mehr das bisherige, sondern das neue Gesangbuch zur Konfirmation schenken zu lassen. Auch die Gemeindeglieder hatte ich ermuntert, jeden Anlass zu einem Geschenk, insbesondere auch Weihnachten, zum Schenken eines neuen Gesangbuches wahrzunehmen. Als uns der Synodalvorstand auch ca. 60 Exemplare zum Auflegen in der Kirche zur Benutzung durch die Kirchenbesucher zur Verfügung gestellt hatte, war in der Gemeinde die genügende Anzahl neuer Gesangbücher vorhanden, so dass wir am Vormittag des 2. Christtages 1929
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zum ersten Male im Gottesdienst das Frankfurter Gesangbuch benutzen konnten. Bisher hatten wir, wie alle Kirchengemeinde der Landeskirche Hessen-Kassel das „Evangelische Kirchengesangbuch für den Konsistorialbezirk Cassel, gedruckt Cassel 1909, Hof-und Waisenhaus-Buchdruckerei.“ Dadurch, dass die Einführung hier genügend vorbereitet war, und insbesondere eine gleichzeitige Benutzung beider Gesangbücher vermieden wurde, (die in anderen Gemeinden zu sehr peinlichen Störungen beim Gesang geführt hatte), hatten wir die Freude, dass sich die Einführung in unseren Gottesdiensten vollkommen reibungslos und ungestört vollzogen hat.

Fußnote 3

Rödelheim, das im Jahre 1275 (als die Grafen von Falkenstein das Patronat über die dortige Kapelle vom Deutschen Orden gegen das Patronat über die Parochialkirche in Preungesheim eintauschten) noch nicht Parrochialkirche war, hatte schon
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im Jahr 780 eine Kapelle. Da die Parrochialkirchen die ältesten Gotteshäuser in ihrer weiteren Umgebung waren und Preungesheim 1275 ausdrücklich als Parrochialkirche bezeichnet wird, ist zu schließen, dass seine Kirche die Älteste der Umgegend, also wohl auch älter, als die bereits 780 vorhandene Kapelle in Rödelheim war.

Fußnote 4

Schon 772 vermacht ein christlicher Besitzer Preungesheimer Grundstücke dieselben dem Kloster Lorsch. Gleiches und Vermächtnisse an das Kloster Fulda wiederholen sich in den nächsten Jahrzehnten mehrfach, so dass auch hieraus geschlossen werden kann, dass schon zu jener Zeit die Bewohner von Preungesheim Christen waren und eine Kirche an dem uralten, durch ihren Ort ziehenden Wege, der „Weinstraße“, besaßen.

Fußnote 5

Zu ihr bemerke ich: Von Dominus Luphridus wird berichtet, dass er aedificia exstruxit. Es ist nicht mit Sicherheit erkennbar, ob es sich dabei um Gebäude in Padershausen (oder etwa hier), handelt. Jedenfalls war er ein baufreudiger Herr!
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Fußnote 6

Zu obigem bemerke ich noch, dass die vom Staate der Stadtsynode geliehene Bausumme rund 13 ½ Tausend Mark beträgt.

Fußnote 7

Diese Kapsel von cylindrischer Form mit eingelötetem Boden und aufgelötetem Deckel hat ca. 8 cm Durchmesser und etwa 24 cm Länge.
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Turmkreuz, Hahn und Knauf

wurden soeben am Dienstag, 19.2.1935, nachmittags zwischen 1.00 und 3.00 Uhr bei hellem Sonnenschein und mildem Wetter wieder auf den Turm angebracht.

Die in den Knauf vorher eingelegte Urkunde lautet:
Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen!
Der Turmhelm unserer St. Gallus-Kirche in Preungesheim war durch die Einflüsse der Witterung baufällig geworden. – Im September/Oktober 1931 wurde er deshalb abgetragen. Da die Stadtsynode, der die Baupflicht mit der kirchlichen Eingemeindung nach Frankfurt am Main obliegt, aus Mangel an hierzu verfügbaren Mitteln den Turmhelm nicht alsbald wieder aufbauen lassen konnte, wurde der Turmschaft einstweilig mit einem flachen Dache versehen, aus dessen Spitze ein Holzkreuz empor ragte. – Nach wiederholten vergeblichen Versuchen in den beiden nächsten Jahren, dass Baugeld im Wege einer Anleihe zu beschaffen, gelang es im Frühjahr vorigen Jahres, von der ÖFFA in Berlin (einer Stelle zur Förderung öffentlicher Arbeiten) die Zusage der Gewährung eines Darlehens für den Wiederaufbau des Turmhelmes zu erwirken. – Daraufhin wurden die Vorarbeiten für den Wiederaufbau, bei denen die statischen Berechnungen von besonderer Bedeutung waren, begonnen. – Am 29. Oktober 1934 konnte mit der Bauausführung durch Aufschlagen des Gerüstes begonnen werden. Die Arbeiten waren, durch anhaltende günstige Witterung gefördert, soweit fortgeschritten, dass vor Eintritt kalter Witterung die Maurerarbeiten ausgeführt waren. – Es wurden zur Festigung des Turmes im Turmschaft zwei Betonböden angebracht, die in der Turmmauer verankert sind. Eine dritte Betonplatte wurde auf den Turmschaft aufgelegt und mit seinem Mauwerk fest verbunden. In dieser starken obersten Betonplatte ist das eiserne Gerüst des Turmhelms verankert; dies Eisengerüst wiegt etwa 120 Zentner, ist also nicht unwesentlich leichter als das frühere umfängliche Holzwerk. – Am 13. Januar 1935, dem Tage der Saarabstimmung, konnte die Kirchengemeinde das Richtfest des Turmes feiern, bei dem – nach dem Vormittagsgottesdienst – eine auf die Geschichte des Turmes bezugnehmende Urkunde in das Mauerwerk des Turmes eingemauert worden ist. – Seitdem sind die Holzteile, welche die Verschalung tragen werden, aufgerichtet worden. – Morgen, Dienstag, 19.2.1935, soll das Turmkreuz wieder auf der Turmspitze angebracht werden.

In den Knauf unterhalb desselben wird schönem alten Herkommen gemäß gegenwärtiger Baubericht eingelegt werden. – In den nächsten Tagen sollen die vor längeren Jahren für Heizungskanäle ausgebrochenen Lücken im Fundament des Turmes wieder geschlossen, der Sakristeiraum erweitert und eine Ausgangsmöglichkeit durch denselben geschaffen werden. – Die ganze Bauarbeit wird geleitet von Herrn Synodalbaumeister Schöppe und Herrn Bauführer Erhard, die sich in dankenswertester Weise mit uns um die Erhaltung und Festigung des Bauwerks mühen und all „den vielen baulichen“ – Schwierigkeiten zu begegnen wissen. – Am Tage des Richtfestes krönte als Richtfestbaum unser Christbaum von den Christfeiern in der Kirche in seinem weihnachtlichen Schmucke die Spitze des Turmes und blieb dort oben mehrer Wochen stehen zur Freude Aller, die ihn sahen und im Morgensonnenschein klarer Wintertage beobachteten, wie sein weihnachtlicher Schmuck in den Strahlen der Sonne blinkte. Ein schönes, erfreuendes, unvergessliches Bild, das – von Liebhaberfotografen aufgenommen – auch in mehreren Frankfurter Zeitungen erschien. (Unter Benutzung eines dieser Bilder wurde von dem Steinbildhauer i.J. 1936 die Sculptur geschaffen, die sich an der Spitze der Erinnerungstafel befindet, welche in der südlichen Wand des heutigen Chors eingelassen wurde.) – Die am Richtfesttage in das Mauerwerk eingelegte Urkunde schloss mit dem Gebetswunsche: Gott schenke unseren Deutschen Brüdern und Schwestern an der Saar am heutigen Tage die Rückkehr zum Deutschen Volke und Vaterlande! Gott hat unser und aller Deutschen Gebet für die Saar erhört! Ihm sei Dank, und gepriesen sein heiliger Name! In seine Obhut befehlen wir das wieder aufgestellte Bauwerk! „Wo der Herr nicht das Haus bauet, da arbeiten umsonst die daran bauen; wo der Herr die Stadt nicht behütet, so wachet der Wächter umsonst;“

Darum befehlen wir dem Schutze und der Gnade des allmächtigen Gottes unser Gotteshaus, unsere Gemeinde, alle Familien und alle Einzelnen in ihr! Er schenke uns seinen göttlichen Segen und führe uns zu sich, durch den, der sprach: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.
„Amen“!

Gegeben, Frankfurt am Main- Preungesheim, den 18. Februar 1935.

Der Kirchenvorstand der Evangelischen St.- Gallus Kirchengemeinde zu Preungesheim:

(gez.) Lic. Schaefer, Pfarrer, Vorsitzender, Johann Kühn, Robert Koch, Karl Rühle, Willy Röhrscheidt, Friedr. Bernh. Boss, Wilhelm Lehr, Philipp Emmerich, Georg Zorbach, Heinrich Boss, August Schweitzer.
(noch Pfr. Schaefer)