Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 2

Beschreibung der einzelnen Ortschaften. Geschichtliche Nachrichten über dieselben. Seelen und Häuserzahl. Größe der Gemarkung – kirchliche Gebäude. Pfarrhaus.

Preungesheim, der Pfarrort, hat gegenwärtig (nach der Volkszählung von 1890) mit der Strafanstalt 1730 Einwohner, ohne dieselben 1328. Die evangelische Gemeinde zählt 1230 Glieder. Katholiken wohnen in Preungesheim 158. Häuser sind es 175, darunter 2 Schulhäuser. Die Gemarkung misst 368 ha 5 a 92 qm.

Eckenheim hat 1655 Einwohner und zwar 1129 Evangelische und 524 Katholiken, sowie 2 Dissidenten (Baptisten). 186 Häuser, darunter 2 evangelische Schulhäuser. Die katholische Schule, welche auch die katholischen Kinder von Preungesheim und Umgegend besuchen, befindet sich in der 1888 erbauten Kapelle. Die Gemarkung misst 380 Hektaren.

Die Bevölkerung betrug 1835 in Preungesheim 483 in Eckenheim 381 Seelen. Sie ist mithin binnen in noch nicht 60 Jahren um das drei- bzw. vierfache gewachsen. Ursache ist das Freizügigkeitsgesetz und die Nähe der Großstadt, nicht zum Nutzen des kirchlichen und sittlichen Lebens.
Die Kirchen hier und in Eckenheim sind in guten baulichen Zustand. Die Kirche zu Preungesheim wurde im Jahr 1887 neu hergestellt und erhielt einen neuen geschmackvollen Anstrich. 1888 wurde sie zwecks Abhaltung von Abendgottesdiensten mit zwei Kronen und sieben Wandlampen mit Reflektoren versehen, welche durch freiwillige Beiträge angeschafft wurden. (desgl. 1908 – 1910)
Die Kirche zu Eckenheim wurde im Jahr 1862 erbaut, nachdem die Alte auf dem alten Friedhof stehende bereits 1841 wegen Baufälligkeit abgebrochen worden war. Durch Ministerialbeschluss vom 31.7.1861 wurde der Pfarrer in Preungesheim angewiesen an allen Sonn-, Festtagen (encl. Abendmahls-, Konfirmat.- tagen) einen Morgengottesdienst in Eckenheim halte und die seit 1835 ausgefallenen Nachmittagsgottesdienste in Preungesheim wieder abhalte. Daher ist der Nichtbesuch der Nachmittagsgottesdienste durch Erwachsene erklärlich. Die neu angestellten Pfarrer Karl
(Seite 13)

und Junghans mussten sich bei ihrer Anstellung verpflichten von der Pfarrerbesoldung jährlich 600,00 Mark zur Löschung der Kirchbauschuld an die Gemeinde abzugeben. Dies hört mit dem 1. Juli 1894 auf.

Das Pfarrhaus nahe der Kirche gelegen, 1741 erbaut, ist ebenfalls in gutem baulichem Zustand. 1863 wurde es auf Kosten des Staats mit einem Aufwand von 1000 rg (Rhein. Gulden)?? total umgebaut, in den Jahren 1887 bis 1892 gründlich renoviert.
Was nun die Geschichte der beiden zur Pfarrei gehörenden Orte anbetrifft, so kommt Preungesheim zuerst im Jahre 772, Eckenheim ca. 850 vor.

Im Jahre 772 schenkte ein gewisser Huswert dem Kloster Lorsch – 764 zwischen Bensheim und Worms gegründet – seinen Besitz im Niddagau zu Bruningesheim sowie acht Leibeigene. Ihm folgte im Jahre 773 ein gewisser Ruthard, sowie 831 der Einwohner Hartdger, welcher dem Kloster eine Hufe = 30 Morgen Land in Bruningen (s.h. der Ort in der betreffenden Urkunde vom 1. Oktober 831) vermachte.

In der Folgezeit war es das Kloster des heiligen Bonifatius zu Fulda, welches von den frommen Seelen mit Schenkung zum Heil ihrer Seelen bedacht wurde.
Denn wer hätte denn wohl kräftigere Fürbitte einlegen können bei dem großen Gott für die armen Seelen als der große Blutzeuge Bonifatius. Um das Jahr 850 finden sich in den Güterverzeichnissen des Klosters Fulda noch folgende Wohltäter aus Preungesheim und Eckenheim verzeichnet:
Freigins in Bruningesheim schenkt dem Hl. Bonifatius 30 Morgen Land und Wiesen, welche 6 Karren Heu ertrugen, Anthalt in Eckenheim.
(Seite 14)

eine Hufe und sieben Morgen.

Almunt in Preungesheim zehn Morgen und fünf Wiesen, welche zwei freie Männer Reginbracht und Hruodgracht im Besitz hatten.

Auch andere Klöster wurden in der Folge bedacht: 1132 schenkte eine Frankfurter Bürgerin Frietherun genannt dem Kloster Helmarshausen ihre Besitzungen in Aeckenheim bei Frankfurt bestehend aus einem Weinberg von zwei Morgen und einer Hube Landes, von der aus dieser Weinberg bebaut werden sollte und zwei Dienstleute, sowie alle ihre Fruchtgefälle außer Eckenheim für 20 Talente, welche für die Söhne ihrer Brüder aufwendete als diese mit König Lothar in die Lombardei ziehen wollten. Ferner schenkte Irmond um 1200 dem Kloster Altenmünster zu Mainz eine Hube Landes zu Bruningesheim, welche drei Solidos einbrachte.

Außerdem besaßen Güter in der Gemarkung Eckenheim, Preungesheim und Berkersheim:
1. Das Kloster Haina. 1267, 25. Mai übergeben Winther von Reiffenberg und seine Frau dem Kloster Haina all ihre Güter zu Preungesheim und Eschersheim und am 8. August d.J. bezeugt Heinrich, Dechant zu Frankfurt, dass das Kloster Haina der Kirche zu Hain ( Dreieichenhain) seine Goldgülte auf einem Hof zu Preungesheim gegen einen anderen Zins daselbst überlassen habe.

2. Das Marie Gnadenstift ( St. Marie ad gradus) zu Mainz. Dieses und die deutschen Herren vertauschten am 1. Juni 1280 ihre Güter zu Berkersheim und Lich.

3. Das Kloster Arnsburg. Hildemar von Eckenheim bezeugt am 1. Juni 1292 vor dem Rat zu Frankfurt, dass er nachfolgende in Eckenheim liegende
(Seite 15)

Güter besitze, wovon ein Mansus von seinem Schwiegervater Petrus und dessen Frau an das Kloster verkauft worden war. Er bekennt, dass er dem Kloster jährlich 7 Malter Korn und ein Malter Weizen per Mansus zu zahlen habe. Ferner bekennt er in der Gemarkung Eckenheim vom Kloster zu besitzen: Einen Garten und eine Wiese, genannt die Rodwiese, wovon er jährlich vier Solidos, zwei Kapaunen und einen Hof, wovon er einen Frankfurter Solidus und ein Huhn auf Martini geben müsse, bei seinem Tod aber das ?? Beshaupt?? bzw. zwei Mark Kölnischen Denaren. Er selbst besitze nur einen wüsten Acker genannt zu den Langen Hecken. 1293, 5. Oktober bescheinigt der Rath von Frankfurt dass ihr Bürger Heinrich Rinwade von Eckenheim mehrere Güter des Klosters zu Eckenheim gepachtet habe und am 2. April 1296 schlichtet der Schultheiß Wolrad von Frankfurt einen Streit zwischen dem oben genannten Hilmar von Eckenheim und dem Kloster Arnsburg über Güter und Zinsen daselbst.

4. Die Antoniter zu Grünberg bzw. zu Rossdorf, 1324, den 22. August erkaufte der Präzeptor des Antoniterhauses zu Rossdorf Bertrand de Jurn von dem Präzeptor Peter und den Brüdern zu Grünberg gewisse Güter zu Preungesheim.

5. Das Nonnenkloster “ Zum Rosenberg“ in Frankfurt besaß bis in das vorige Jahrhundert einen Hof hierselbst “ Der Nonnenhof“ genannt, woher die ganz unbegründete Sage, dass früher im Ort ein Nonnenkloster gewesen sei.

Jedoch die reichsten Schenkungen fielen dem im Jahre 1221 zu Sachsenhausen errichteten Kommende des Deutschen Ordens zu, welcher, nachdem das heilige Land an die Türken verloren gegangen war unter ihrem Großmeister Herrmann von Salza nach Deutschland
(Seite 16)

übersiedelte.

Eine der ersten und Hauptwohltäterinnen des Ordens war eine Frankfurter Bürgerin Elisabeth de Bruningesheim auch Elisabeth von Hagen nach ihrem 2. Mann Konrad von Hagen genannt. Zum Heil ihrer Seele und zum Heil der Seelen ihrer zwei verstorbenen Ehegatten und aller ihrer Verwandten vermachte sie den Brüdern des Deutschen Hauses außer ihrem bedeutenden Grundbesitz zu Frankfurt und Bergen in Bruningsheim vier Huben (120 Morgen) Landes nebst einem Hof und vier Morgen Weinberg (vielleicht der heute noch so genannte zum Pfarrgut gehörige Weingarten, der auch fünf Morgen hält). Sie behielt sich für Lebzeit die Einkünfte ihrer Güter vor, wofür sie jährlich 10 Schillinge Zins an die Brüder zahlen wollte. Nach ihrem Tode sollten die Brüder dafür ein ewiges Licht und einen zweiten Priester (in dem Ordenshaus nämlich) unterhalten. 1226 – 1229 verzichtete Konrad von Steina, Adelheid seine Frau und seine Kinder, vermutlich Verwandte der Elisabeth auf die Ansprüche, die sie auf die dem Orden vermachten Güter zu Preungesheim hatten.

1273 erkaufte der Orden von Winther von Preungesheim 15 Morgen Land, die dieser von Kaiser und Reich zu Lehen trug. 1275 ertauschte er zwei Teile des Zehnten zu Preungesheim von Werner von Falkenstein, wofür dieser (20. Februar) dem Lehnsherrn König Rudolf 6 Huben zu Nieder-Erlenbach zu Lehen auftrug. In demselben Jahr erkauften die Brüder 34 Morgen Land von den Kindern Bertholds von Preungesheim. 1282 endlich gaben Friedrich Eschbach und Gisil, seine Hausfrau dem Orden 17 Mark, wofür der Commenthur beim Haus des Ordens in Preungesheim ( dem Pfarrhaus )
(Seite17)

einen Garten kaufte. Friedrich erhielt hierfür zeitlebens aus diesem Garten die Früchte eines Apfel- und eines Birnbaums sowie 17 Schillinge Kölnisch.

1284 schenkte Heinrich Holzburg Güter in Preungesheim, die vier Schilling und 6/8 Korn eintrugen, Elisabeth, die Ehefrau des Colbo von Mainz schenkte den Brüdern das ??“Vrich“??.

1304 schenkte Frau Gertrud von Weinheim den Ritterbrüdern ein Haus und einen Garten zu Preungesheim, dazu vier Morgen Wingert, einen halben Morgen Ackerland und an Gefällen zwölf Malter Korn ein Pfund Holler und vier Unzen Holler Geldzins sowie vier Kapaunen.

In Eckenheim kaufte der Orden 1287 11 Hufen Landes (330 Morgen) von Werner von Falkenstein für 117 Mark Pfennige.

In Berkersheim besaß derselbe einen Hof mit 6 Huben und 11 Joch Acker und Wiesen, 1280 von dem Liebfrauenstift in Mainz ertauscht, nebst einigen Grundstücken, welche von Vollmar von Roden erkauft waren. 16 Joch Ackerland hatte der Bäcker Kullmann von Bergen geschenkt um sich dadurch ein Jahresgedächtnis zu sichern.

Im Jahre 1680 besaß der Orden in Preungesheim 12 ganze Huben und Höfe mit 365 Morgen, gegen die Hälfte des Ertrags verpachtet, in Eckenheim 16 ¾ Hufen mit 502 ½ Morgen, welche an neun Beständer verliehen waren, in Berkersheim endlich 5 Huben gleich 150 Morgen Landes.

Wir sehen also welch bedeutenden Grundbesitz der Orden nach und nach in der Pfarrei Preungesheim mit Berkersheim erworben hatte. Er betrug beinahe die Hälfte der Gemarkung.
(Seite 18)

Die Güter des Ordens wurden später unterschieden:
1. In Güter welcher der Pfarrer bebaute (ca. 30 Morgen)
2. welche der Kirche gehörten,
3. welche verpachtet waren,
4. welche dem Orden zehnteten,
5. welche zu den Hofgütern Eckenheim und Preungesheim gehörten und zehntfrei waren.

Außer den Gütern erwarb der Orden in Folge den ganzen Frucht- und Weinzehnten zu Preungesheim – den kleinen hatte der Pfarrer zu Eckenheim den dritten Teil, wovon er später den Wein- und kleinen Zehnten ebenfalls an den Pfarrer überließ.

Die Zehnten wurden, wenn gesammelt, in die Zehntscheuer gefahren und hier von den Beständern, die ihn gepachtet hatten, ausgedroschen. 1482 betrug der Pacht von Preungesheim 70 Achtel Korn, 20 Achtel Weizen und 14 Achtel Haber, welche die Beständer nach Frankfurt liefern mussten; der zu Eckenheim 19 Achtel Korn, 6 Achtel Weizen und 25 Achtel Haber, der zu Berkersheim 30 Achtel Korn 10 Achtel Weizen und 39 Achtel Haber. Den Zehnten zu Berkersheim hatte der Orden im Jahr 1369 samt einem Teil des Zehnten zu Preungesheim von den Brüdern Heinrich und Merkel von Bonames für ein 51 gute, kleine Gulden gekauft.

Im Jahr 1525 wurde für den Zehnten zu Preungesheim sehr wenig geboten, „da viel Aufruhr unter den Bauern war und niemand draufschlagen (bieten) wollte.“

Die Pächter des Hofguts zu Eckenheim hatte
(Seite 19)