Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 19

Vormittagsgottesdienstes gelegt worden waren, in dieser abgekürzten Form (ohne Gesänge) beibehalten. Ebenso wurden die im Winter alle 14 Tage stattfindenden zweiten Predigtgottesdienste unverändert beibehalten. Am Sonntagnachmittag finden zumal die größeren Trauungen statt.

d.
Kindergottesdienst

Der im Jahre 1904 auf Sonntag, nachmittags zwei Uhr, gelegte Kindergottesdienst wurde auf begründete Bitten vieler Eltern auch noch auf den Vormittag und zwar unmittelbar anschließend an die Christenlehre und den Beginn des Hauptgottesdienstes darum ¼ Stunde früher gelegt. Dies hat den Vorzug, dass die Eltern wegen eines Sonntagnachmittagspazierganges ihre Kinder nicht am Besuch des Kindergottesdienstes zu verhindern brauchen; auch den Vorzug, dass der Kindergottesdienst nicht – wie vorher oft vorkam – durch früh kommende Teilnehmer an Trauungen, die um 3.00 Uhr herkömmlich stattfinden, gestört wird.

Da bis zur Eingemeindung eine auch für den Organistendienst im Kindergottesdienst amtlich verpflichtete Persönlichkeit nicht bestellt war, versahen über 4 Jahre lang meine Frau, später meine Tochter diesen Dienst und auf ihren Wunsch – statt irgendeines mit störender Unregelmäßigkeit arbeitenden Jungen aus dem Kindergottesdienst – mein damals noch den Kindergottesdienst besuchender Sohn Friedrich-Carl die Bälge, als freiwillige Helfer. Ich freue mich, dass auch die Erinnerung an gemeinsame kirchliche Arbeit – und zwar nicht nur an diese einzelne – uns verbindet.

Gruppenhelfer und -helferinnen zu finden war lange ein vergebliches Bemühen, schon für meinen Herrn Vorgänger, ebenso für mich. Es war, wie ein Bann. Jeder und Jede darum gebetene sagten, sie könnten es nicht und es habe ja auch bisher niemand getan. Nur die Kleinkinder-Schul-Schwester hatte die Kleinsten als Sondergruppe.

Umso dankbarer war ich, als nach dem langen vergeblichen Bemühen in den Konfirmierten L. Scheller, S. Launhardt und in der Schülerin Reitz sich die drei ersten Helferinnen aus der Gemeinde fanden, die den Helferkreis eröffneten, dem ich von Herzen viele und treue weitere Mitglieder wünsche. Mit herzlicher Freude und dankbar denke ich an die Arbeit an den Kindern zurück.

An schönen Sommertagen wurden nach Gelegenheit gemeinsame Spaziergänge arrangiert.
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Als Stoff wurden im Kindergottesdienst systematisch die biblischen Geschichten des Alten und Neuen Testamentes besprochen und dabei die schönen biblischen Wandbilder erklärt, die nach und nach angeschafft, dann gleichmäßig auf Pappe aufgezogen und in einem soliden, für den praktischen Gebrauch eigens gebauten hochkant stehenden Kasten verwahrt, ein wertvolles Inventarstück für den Kindergottesdienst bilden. Ein zusammenfassender Spruch oder Liedervers wurde am Schluss geübt und dadurch als biblischer Memorierstoff angeeignet. So hoffen wir den Religionsunterricht der Schule, der in der Theobald-Ziegler-Schule anerkennenswert gut, in manchen anderen, von Preungesheimer Kindern besuchten Schulen der Innenstadt aber allzu „modern“ war (man sagte mir, dass es Lehrer und Lehrerinnen gäbe, die im Religionsunterricht statt biblischer Geschichten Märchen von Selma Lagerlöf behandelten; gewiss sind die auch „schön“, aber doch alles zu seiner Zeit!), ausreichend ergänzt, bzw. ersetzt zu haben. Freilich nur für diejenigen Kinder, für deren regelmäßiges Kommen auch die Eltern mit sorgten. Um dies zu fördern habe ich u.a. grundsätzlich den Kindergottesdienst nicht ausfallen lassen, so dass Kinder und Eltern stets dessen gewiss waren, dass die Kinder nicht umsonst kamen; der Kindergottesdienst wurde auch darin dem Hauptgottesdienst völlig gleich gehalten. Aber deren Zahl war erfreulich groß. Seine Kinder wünscht sich ja jeder fromm und gut! (s. auch S. 226a 2 und Seite 215)

e.
Beichte und Heiliges Abendmahl

Sie finden, wie im Hanauer Lande meistens, vier Mal im Jahre statt: Am 1. Christtag, zu Ostern, am 1. Pfingstfeiertag, am Sonntag vor oder nach Michaelis. Die Abendmahlsfeier an Ostern ist wegen der großen Zahl der Teilnehmer nicht für alle am gleichen Tage möglich. Ich fand als Folge hiervon schon die Einrichtung vor, dass für die Konfirmanden und ihre Angehörigen eine besondere Abendmahlsfeier stattfand. Diese Einrichtung wurde beibehalten bis zur Einführung der bereits erwähnten (S. 227, unter 4) Feier des heiligen Abendmahles am Gründonnerstagabend, außer der die Feier am 1. Osterfeiertag-Morgen und die Feier für die Konfirmanden und ihre Angehörigen am Sonntag nach der Konfirmation stattfinden.

Die Reihenfolge, in der die Teilnehmer zum Altare kommen, ist diese: Ältere Männer, Männer mittleren Alters, junge Männer und Burschen. Dann die weiblichen Teilnehmer in gleicher Reihenfolge. Diese altbewährte Reihenfolge ordnet die Abendmahlsgemeinde als ein Ganzes, als eine Einheit und zwar nach natürlichen, unveränderlichen, nicht von den zufälligen und wandelbaren Beziehungen der einzelnen Teilnehmer untereinander abhängigen Gegebenheiten. Wir haben deswegen auf ihre Beibehaltung gehalten gegenüber Wünschen, welche gelegentlich von zugezogenen Gemeindegliedern geäußert wurden, in deren Heimatgemeinde der Gemeindegedanke bereits so entschwunden ist, dass buntgemischte Gruppen (Familien, Freundschaften) in willkürlicher Reihenfolge an den Altar herantreten, wie es ja in der Innenstadt nicht selten, aber für uns keineswegs vorbildlich ist. Ein
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Gemeindeglied, dass den Wunsch äußerte, mit Gemahl und Kindern sich an beliebiger Stelle ohne Rücksicht auf unser Herkommen einordnen zu dürfen, fragte ich: „Und wo wollen Sie sich einordnen, wenn ihr Gemahl einmal nicht mehr am Leben und ihre Kinder auswärts sind?“ Es erkannte und empfand die zartfühlende christliche Liebe, die in unserer äußeren Ordnung beim heiligen Abendmahle liegt, von Manchem nicht erkannt. Ich habe deswegen oft hierauf hingewiesen, wie auf den Sinn anderen kirchlichen Herkommens der Gemeinde, das umso mehr der Betonung bedarf, als die in die Gemeinde zuziehenden Gemeindeglieder es oft nicht kennen, noch weniger es in seinem Wesen verstehen. Das gilt auch vom Termin der Beichte.

Unsere hessischen Kirchenordnungen wollten eine ernstliche, auch aktive Vorbereitung der Teilnehmer zum Heiligen Abendmahle sichern. Deswegen sollte die Beichte am Freitag vor dem Abendmahlssonntag stattfinden. Es blieb dann noch Zeit zu Bereinigungen; nicht nur Gott, sondern auch den Menschen gegenüber (z.B. – wie in guten christlichen Familien üblich – zum Feindgewordenen – im Sinne von Matthäus 5, 22 bis 24 – hinzugehen und zu sagen: „Ich will zum Heiligen Abendmahl gehen. Lass uns einander wieder gut sein!“ – Jedem Jahrgang meiner Konfirmanden habe ich ans Herz gelegt, danach zu handeln, auch unabhängig von dem Zeitpunkt der Beichte).

Wahrscheinlich haben Gemeindeglieder, die am Freitag verhindert waren, um Beichte direkt vor dem Abendmahlsgottesdienst gebeten; und diese Letztere wurde nach und nach von allen Gemeindegliedern gewählt, so dass die Freitagsbeichte wegfiel.

Diese Einrichtung, die ich vorfand, hatte den Nachteil, dass während der Beichte fortwährend noch Leute in den gottesdienstlichen Raum kamen, zum Teil erst am Ende der Handlung, auch Abendmahlsteilnehmer unter diesen. Es bestand in Folge dessen keine Gewissheit mehr, dass alle Abendmahlsgäste auch wirklich an der Beichte teilgenommen hatten. Wir verlegten deshalb die Beichte vor die Feier
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des Heiligen Abendmahles selbst, und nach Beginn der Beichte wurde kein Zutritt mehr gewährt. So ist erreicht, dass niemand am Heiligen Abendmahl teilnehmen kann, der nicht zuvor an der Beichte mit Absolution und Retention teilnahm.

Einführung der Einzelkelche

Der Diakonieverein übermittelte dem Kirchenvorstand als Wunsch von Gemeindegliedern die Anregung der Benutzung von Einzelkelchen beim Heiligen Abendmahl. Da der Diakonieverein durch die umsichtige Verwaltungsführung über einen ausreichenden Bestand verfügte, schlug ich vor, dass er die Anschaffung übernähme und der Kirchenkasse den Betrag vorlegte. Nachdem dies beschlossen war, entlieh ich zu jeder der folgenden Abendmahlfeiern von einer anderen Gemeinde, die schon Einzelkelche besaß, deren Kelche. Auf diese Weise habe ich die verschiedensten Ausführungen prüfen und ihre Vor- und Nachteile in der Praxis ausprobieren können. Keine befriedigte vollständig. Ich entwarf deshalb selbst den dann ausgeführten Kelch. Bei ihm sind vermieden die Nachteile, die ich teils an den Abbildungen von Einzelkelchen in kunstgewerblichen Zeitschriften und Katalogen, teils an den benutzen Kelchen gefunden hatte, insbesondere:

a. dass die Form allzu sehr ähnelte einem Eierbecher oder einem Likörglase, einer Champagnerschale, dem handfesten Weinglase dörflicher Gasthäuser;
b. dass der Trinkrand zu eng war, was den Benutzer zwingt, den Becher zu hoch zu heben, was zumal am Altar nicht schön aussieht; dass der Stiel zu kurz ist, um von darreichenden Pfarrer und dem den Kelch entgegennehmenden Abendmahlteilnehmer gleichzeitig sicher gefasst werden zu können.
c. Dass bei rundem Fuße die kleinen Kelche sowohl beim Abstellen, als auch beim aneinanderschieben auf dem Tablett zu leicht in rotierende Bewegung kommen und deswegen oder schon wegen der Tatsache, dass ein runder Fuß bei Kipp- Bewegung nicht auf einer Linie, sondern nur auf einem einzigen Punkte ruht und in Folge dessen schwerer zur Ruhe kommt, in Gefahr sind umzufallen.
d. Ein völliges Fehlen der Charakterisierung des Kelches als eines kirchlichen Gerätes mit reicher kunstgeschichtlicher Tradition; unechtes Material, wozu zwar z.B. Zinn nicht gehört, da es aber den Zerfall durch die ebenso
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bekannte, wie in ihren Ursachen noch nicht sicher erkannte Zinnpest ausgesetzt sind.
Seine beabsichtigten Vorteile bestehen darin, dass

a) er ein Abendmahlskelch ist, dessen Form an die kirchliche Kunsttradition anknüpft und jeden Anklang an wesensfremde Form vermeidet;
b) der Knauf in der Mitte des Fußes (Stieles) bewirkt die sichere Handhabung. Der Pfarrer fasst ihn über den Knauf und reicht den Kelch von seinem erhöhten Standort (Altarstufe) dem Abendmahlsgaste dar, dessen Hand – von unten kommend – den Stielteil unter dem Knaufe frei findet und dort anfasst. Klemmt er bei unbedachtem Zufassen des Pfarrers Finger etwa anfänglich fest, so gleiten bei dessen Fingerbewegung seine eigenen über den glatten Knauf an die Stelle herunter, wo er sicher fassen kann. Will jemand am Kelchrand anfassen (was kein festes Halten ermöglicht und überdies unschön aussieht), so korrigiert der Pfarrer dies leicht, indem er den Kelch nicht hingibt, sondern durch unauffälliges geringes Höherheben desselben, den Abendmahlsgast veranlasst, den Kelch unter den Knauf zu fassen.
c) Bei Ausbauchungen der Cappa bleibt in ihr noch Wein selbst dann, wenn der Kelch bereits bis zu waagrechter Lage seiner Achse hochgehoben ist. Dies kann den Benutzer veranlassen, den Kelch noch höher zu heben, was unschön aussähe. Bei dem Profil der Cappa unserer Kelche fließt deren Inhalt aus, längst ehe er noch bis zu waagrechter Linie erhoben ist. Auch derjenige Abendmahlsgast, der den Inhalt seines Kelches ganz zu trinken beabsichtigt, hat daher keine Veranlassung, ihn bis oder gar über die Waagrechte zu heben.
Geschähe es trotzdem, so wäre Hinweis auf die richtige Benutzungsweise – am Besten vor Beginn der nächsten Abendmahlsfeier – nötig.
Der Kelchrand ist genügend weit zu bequemer Benutzung und vermeidet gleichzeitig die wesensfremden Anklänge, die sich sowohl bei zu engem, als auch zu weitem Trinkrand ergeben.
d) zur Vermeidung des auf voriger Seite unter c) genannten Nachteiles wurde dem Kelchfuß eine sechseckige Form gegeben, die ihn stabil macht und – wie die Biene lehrt – dabei die vollständigste Ausnutzung der zum Abstellen zur
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Verfügung stehenden Fläche ermöglicht. Auch wurde der Kelch mit Absicht so konstruiert, dass bei senkrechtem Achsenstand, also nach Aufstellen des Kelches bei der Draufsicht der Kreis des Capparandes innerhalb des Sechsecks der Grundfläche des Fußes liegt. Auch wenn die Kelche auf dem Tablett unter vollständiger Ausnutzung der Fläche engstens aneinander gestellt sind, können die Capparänder sich doch nicht berühren, nicht umwerfen, nicht einbeulen. Steht nach längerem Gebrauch trotzdem einer über, so wird die Notwendigkeit einer fachmännischen Reparatur zu prüfen sein. < s. Zeichnung auf Seite 237> Nebenstehend: die Konstruktion des Einzelkelches ein wenig verkleinert a) – b – c – d – e – f : Die Ränder der Grundfläche des Fußes. Der Kreis: Oberer Rand der Cappa.

a) die Einzelkelche sind aus Silber, dass Innere der Cappa, wie bei den beiden bisher in Gebrauch befindlichen Großen (so genannten „gemeinsamen“) Kelchen nach altem kirchlichen Brauche, der dadurch den Inhalt des Kelches betont, vergoldet. Sie sind ausgeführt von der Bijouterie-Firma Hosse, Hanau, Friedrichstraße.
b) Da bei der Spendung jeweils 12 Kommunikanten erst das Brot, dann der Kelch gereicht wird, wurden dreimal zwölf Einzelkelche, sowie zwei Exemplare als Ersatz – für künftig etwa ausfallende bis zur Reparatur – angeschafft. Während ein Dutzend gerade in Gebrauch ist, werden die beiden anderen gespült, bzw. neu gefüllt und zum Altar getragen. Die Praxis hat erwiesen, dass auf diese Weise die Austeilung ohne jeden störenden Aufenthalt ausgeführt werden kann.
Damit jedem berechtigten Wunsche entsprochen werde, wurde zu Beginn der 1. Abendmahlsfeier, bei der außer den bisherigen beiden großen Kelchen Einzelkelche vorhanden waren, bekannt gegeben: Wer für sich den Wein in der bisherigen Weise dargeboten wünscht, wolle auf der einen (südlichen) Seite des Mittelganges der Kirche zum Altar kommen. Wer Einzelkelch wünscht, wolle auf der anderen Seite sich einreihen. Aus beiden Reihen können dann abwechselnd je zwölf Abendmahlsteilnehmer zum Altare herantreten. Als Resultat ergab sich, dass alle den Einzelkelch wünschten. Bei der nächsten großen Abendmahlsfeier wurde diese Bekanntgabe wiederholt. Das Resultat war ebendasselbe. Seitdem werden nur die Einzelkelche gereicht.
Um aber die beiden alten Abendmahlskelche, die über 100 Jahre der Gemeinde gedient haben und von denen der eine die Erinnerung an die kirchliche Vereinigung (Union) im Jahre 1818 wach hält (und übrigens ein ständiger Werber dafür ist, in den unierten Gemeinden alljährlich eine Unionsfeier nicht nur mit Rückblick, sondern auch mit Aufblick und „Blick voraus“ zu gestalten, mit dem Ziel der Überbrückung der in Groß-Frankfurt noch immer bestehenden inner-evangelischen konfessionellen Gegensätze! -), nicht völlig beiseite zu stellen, wird mindestens einer bei der
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Feier des Heiligen Abendmahles stets mit auf den Altar gestellt. Der Pfarrer benutzt ihn, wenn er – zu Beginn der Feier – selbst das Heilige Abendmahl nimmt. Das hat den praktischen Vorteil, dass bei der ersten Teilnehmergruppe nicht der Kelch für den Zwölften fehlt. Der Nachdenkliche wird sich noch darüber freuen, dass dadurch die Erinnerung an die ecclesia triumphans und die „Verbundenheit im Glauben“ der ecclesia militans mit ihr einen Ausdruck findet.

Der Kirchenvorstand beschloss nach Ansparung der betreffenden Beträge außer der Rückerstattung des Anschaffungsbetrages an den Diakonieverein auch die Beschaffung eines gediegenen tragbaren hölzernen, mit Samt gefütterten Etuis, in dem sämtliche Einzelkelche, der alte silberne Abendmahls-Brotteller, sowie die drei Tablette und einiges Zubehör untergebracht werden können; sowie einer festen Segeltuchhülle zur Schonung beim Transportieren.

Mögen auch diese neuen Abendmahlsgeräte der Kirchengemeinde Preungesheim lange zum Segen dienen! –

Auch die Konfirmandenprüfung findet erfreulicher Weise in der Gemeinde so großes Interesse, dass ihre besondere Ausgestaltung als Hauptgottesdienst und ihre Verlegung auf den Vormittag des Sonntags vor der Konfirmation durchgeführt werden konnte, was in der Gemeinde allgemeine Zustimmung gefunden hat. S. auch Seite 250

Die kirchlichen Vereine

Des Frauen- und Diakonievereins so genannte „Kaffee- Abende“ sind Höhepunkte, ja Glanzstücke von Gemeindeabenden. Es werden ihrer zwei gehalten, einer im November, einer im März. Sie finden im größten Saale von Preungesheim statt, und dieser ist dann stets gefüllt. Ich zählte einmal die Zahl der Tische und die Plätze an einem. Das ergab um 400 Personen, meist Mitglieder (Frauen). Außerdem eine Anzahl mitwirkender Herren, sowie speziell seitens des Diakonie-Vereins-Vorstandes eingeladener Ehrengäste, unter denen sich stets auch Mitglieder des Kirchenvorstandes befinden. Verlauf gewöhnlich, wie folgt:

1. Begrüßungsgedicht, von einem Mädchen gesprochen (öfter von meiner, auch an heitere Vereinsereignisse dabei anknüpfenden Frau verfasst. Sie gehört ständig dem Vorstand an, dessen Vorsitzender der Pfarrer und dessen Mitvorsitzende zwei Mitglieder des Vorstands sind.)
2. Ansprache des Pfarrers (10 Minuten)
3. Gemeinsamer Gesang
4. Aufführung (etwa: Reigen)
5. Gesangsvortrag des gemischten Chors,
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1. Aufführung ( kleines Theaterstück)
2. Kaffeepause
3. Gesangsvortrag
4. Aufführungen
5. Schlussansprache des Pfarrers, der als Vorsitzender des Diakonievereins allen Mitwirkenden den Dank ausspricht.
11. Gemeinsamer Gesang (oft gewünscht: Die Sach‘ ist Dein Herr Jesu Christ). Am 17.11.34 veranstaltete der Verein einen Filmabend an dem durch Filmvorführung und gleichzeitigen erläuternden Vortrag eines Herren aus den Kaiserswerther Anstalten die Arbeiten dieser Anstalten gezeigt wurden.

In der Kaffeepause werden auch die Lose zur Tombola verkauft, zu der die meisten Mitglieder kleine Gewinne stiften. Die Vorbereitung und Durchführung der Abende besorgen die Frauen des Vorstandes. Da sie dabei keine Mühe scheuen, ist ihre und der Mitwirkenden Leistung aller Anerkennung und allen Dankes wert.

Im Winter hält der Frauen- und Diakonieverein seine regelmäßigen so genannten Strickabende, an denen gute Lektüre dargeboten wird. Sie schließen mit Schriftbetrachtung, Gebet und gemeinsamem Gesang und werden vom Pfarrer geleitet.

Im Sommer, in dem die Landarbeit keine Zeit zu wöchentlichen Versammlungen lässt, macht der Verein einen gemeinsamen Ausflug.

Der Verein unterhält die beiden in der Gemeinde sehr geschätzten Einrichtungen der Diakonissenstation und der Kleinkinderschule. In beiden Einrichtungen, für die früher Kräfte auch aus anderen Organisationen der Inneren Mission berufen wurden, wirken schon seit Jahren dem Frankfurter Mutterhaus angehörige Krankenschwestern, bzw. mit ihm in Verbindung stehende Kleinkinderschul-Lehrerinnen.

Die Beziehung zum Frankfurter Diakonissenhaus hat sich als günstig für beide Seiten erwiesen und als segensreich sowohl für die Kranken, wie auch für die Kleinkinder der Gemeinde. Zwar hat das Mutterhaus je nach der an es herantretenden Notwendigkeit mit den Kräften gewechselt, aber den Verein nie im Stiche gelassen, sondern entsprechende Kräfte entsandt. Alle haben sich die Anerkennung seitens des Vereines und den Dank der Gemeinde erworben.

Die Diakonissenstation, anfänglich nur mit einer Schwester besetzt, konnte in Folge der günstigen Entwicklung des Vereines und der umsichtigen Verwaltung bald, vom 1.11.1925 an, noch eine zweite Schwester, zeitweilig auch eine besondere (dritte) Schwester für den Südbezirk der Gemeinde erhalten (vergl. Seite 171 oben). Diese beachtliche Leistungsfähigkeit des Vereins ( 3 Krankenschwestern und eine Kleinkinderlehrerin!“) war nachmals nicht mehr möglich, als er seinen Mitgliedsbeitrag herabsetzte; Die Südstation entfiel wieder.

Die Kleinkinderschule erfreute sich eines so zahlreichen Besuches, dass der Vorstand zeitweilig Mühe hatte, (s. Seite 171 oben) ihre Besucherzahl mit der zulässigen Höchstzahl für die vorhandenen Räume und für eine Lehrerin in Einklang zu bringen. Das Diakonissenhaus half sehr dankenswerter Weise aus, in dem es der Lehrerin ständig
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eine lernende Hilfskraft aus seinem Kleinkinderlehrerinnen-Seminar zur Verfügung stellte; die Stadt, in dem sie den Anbau erstellte (für Garderobe und Klosetts).

Die Frauen des Vorstandes sammeln vor Weihnachten in der Gemeinde Gaben zu einer Christfeier der Kleinkinderschule, die am 4. Advent nachmittags in der Kirche stattfindet (s. Seite 226, 1) und sich immer zahlreichen Besuches seitens der Gemeindeglieder erfreut. Mütterabende mit Ansprache des Pfarrers, Mitteilungen oder kleineren Vorträgen seitens der Kinderlehrerin und gemeinsamen Gesängen finden 1-2-mal im Halbjahr (im Winter auch öfter, so z.B. eine Adventsfeier) statt. Im Sommer wurden mit den Kindern auch 1-2 kleine Ausflüge gemacht. Eine Feier, die wegen des in ihr liegenden Kontrastes immer etwas Ergreifendes hat, ist die Entlassungsfeier für die –Abiturienten der Kleinkinderschule. Nach Deklamationen und Gesängen der Kinder und Ansprache des Pfarrers an die Kinder und ihre Angehörigen werden den „Abiturienten“ kleine Erinnerungsgeschenke überreicht. – Wie sie nach Beendigung der Feier ihre Geschenke herumzeigen, den beredt bewundernden Angehörigen und den stumm staunenden „jüngeren“ Kameraden, mit dem vollen Bewusstsein und der Miene von Jubilaren – sie, die Ahnungslosen die doch in einigen Wochen mit dem Schulranzen erst den Anfang der Sorgen des Lebens auf den Rücken nehmen werden – hat mich stets innerlich bewegt.

Die Verwaltung führt der Pfarrer, in dankenswerter Weise tatkräftig unterstützt durch die Frauen des Vorstandes, insbesondere die beiden Mitvorsitzenden, und in der alle Sorgfalt erfordernden finanziellen Verwaltung durch die anerkennenswert gewissenhafte Arbeit des die vielen kleinen monatlichen Mitgliederbeiträge einsammelnden Vorstandmitgliedes.

Es geht ein spürbarer Segen von der Arbeit und den Einrichtungen des Frauen- und Diakonievereins aus, den kein Gemeindemitglied verkennt.
Evangelischer Volksverein

Der evangelische Volksverein, der vereinsmäßigen Erfassung insbesondere der Männer der Gemeinde dienend, widmete sich einer geistigen und einer praktischen Aufgabe. Die erstere bestand in der Vertretung von solchen Interessen der Gemeinde, deren Vertretung außerhalb der Befugnisse der offiziellen kirchlichen
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Organe liegt, bzw. lag, und in der regelmäßigen Veranstaltung von Vorträgen, zu denen im Gottesdienste alle Gemeindeglieder eingeladen wurden. Im Anschluss an die Vorträge, welche über religiöse, kirchliche und andere Gegenstände aus den verschiedensten Wissensgebieten handelten, fand jedes Mal Aussprache statt. Bei der Auswahl der Redner wurde dankbar Gebrauch gemacht auch von der – jährlich durch Rundschreiben seitens des evangelischen Volksdienstes bekannt gegebenen – Liste, in der die Groß-Frankfurter Pfarrer und eine Anzahl von Groß-Frankfurter Gemeindeglieder die Themen bekannt gaben, über die sie in Gemeindeversammlungen zu sprechen bereit waren. Die innoffizielle Vertretung evangelischer Gemeindeinteressen wurde mehrfach durch Zustandebringen von Kandidatenlisten für kirchliche und insbesondere auch für die Elternbeiratswahlen der Schule bewirkt.

Als praktische Aufgabe pflegte der Verein die Unterstützung seiner Mitglieder bei Sterbefällen. Doch musste diese Sterbekasse in Folge neuer gesetzlicher Bestimmungen aufgelöst und die Einzahlungen zurückgereicht werden. Seinem inzwischen verstorbenen Kassenverwalter schuldet der Verein für dessen gute Verwaltung aufrichtigen Dank.

Ob und eventuell in welcher neuen Gestalt diese und die gleich zu nennenden Jugendorganisationen der Gemeinde in den neuen Verhältnissen des dritten Reiches weiter bestehen werden, kann erst die Zeit ergeben.
Wartburgverein

Der Wartburgverein für die konfirmierte männliche Jugend, 1927 als Zweig des Groß-Frankfurter Wartburgvereins vom Ortspfarrer begründet und dem Gesamtverein angeschlossen, entwickelte sich zunächst gut, wurde aber dann in die Krisen des Gesamtvereins mit hinein gezogen. Er wurde später in das Evangelische Jugendwerk der Frankfurter Landeskirche übergeleitet. Nachdem alle Versuche, etwa gemeinsam mit Eckenheim einen geeigneten besonderen Raum – der Wartburgverein hatte den für ihn nicht geeigneten Kleinkinderschulsaal mitbenutzen müssen – für die männliche Jugend zu schaffen (an die Erstellung eines ausreichenden Raumes nebst Zubehör auf einem Grundstück in der Ronneburgstraße wurde u.a. ins Auge gefasst), sich aus finanziellen Gründen als undurchführbar herausgestellt hatten, wurde die männliche Jugend beider Gemeinden gemeinsam in dem wesentlich größeren Saale der Gemeinde Eckenheim in zwei nach dem Alter getrennten Gruppen unter wesentlicher
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Mithilfe von älteren Mitgliedern des Jugendwerkes betreut in wöchentlichen Zusammenkünften.

Die konfirmierte weibliche Jugend wurde in dem Mädchenbund gesammelt, dessen wöchentliche Versammlungen im Kinderschulsaal ein Gemeindmitglied (Frl. Boss) leitete, das sich durch diese Betätigung den bleibenden Dank nicht nur der Mitglieder, sondern auch der Gemeinde erworben hat.

Den noch schulpflichtigen Mädchen widmete sich in ebenso dankenswerter Weise ein älteres Mitglied aus dem Frankfurter weiblichen Jugendwerk, Frau Fischer. An einem Abend der Woche versammelten sich unter ihrer Leitung, ebenfalls im Saale der Kleinkinderschule, die Jungmädchen zu Spiel, Gesang, Vorlesung und allerlei Handfertigkeitsübungen.

Für jede dieser einzelnen Jugendvereinigungen fanden – außer Feiern in ihrem Kreise – zu geeigneten Anlässen auch kirchliche Feiern unter Beteiligung der Gemeinde und Leitung durch den Pfarrer statt.
Gemischter Chor

Die Arbeit des gemischten Chors, in dem ja nicht nur einzelne, sondern bei jeder Zusammenkunft alle in Geduld und mit Ausdauer tätig sind, und seine Darbietungen bei vielen gottesdienstlichen Anlässen verdienen und erfreuen sich der dankbaren Anerkennung der Kirchengemeinde. An hohen Festtagen, bei der Konfirmation und vielen anderen Gottesdiensten, bei Feiern der kirchlichen Vereine, bei Trauungen, bei freudigen und ernsten Anlässen hat er die Gemeinde mit seinen Gesangsvorträgen erfreut, erhoben.

Der Kirchenvorstand hat ihm darum alle nur mögliche Förderung gern zu Teil werden lassen. Er hat das Glück gehabt, dass sowohl seine Vereinsleiter, wie seine Dirigenten mit Erfolg alle bestrebt waren, die musikalischen Leistungen des Chors auf die Höhe zu bringen und auf ihr zu halten, so dass der Chor aus einem Gesangswettstreit einer Gruppe von Frankfurter Kirchenchören mit der anerkannten Bestleistung hervor gehen konnte.

Möge weiterhin auf seiner Arbeit Segen ruhen zur Freude und Erbauung seiner Mitglieder und der Kirchengemeinde!
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Freundeskreise evangelischer Anstalten, bzw. Bestrebungen

Freundeskreise (ohne vereinsmäßigen Zusammenschluss) in der Kirchengemeinde fördern durch besondere Gaben, bzw. durch Halten der betreffenden Blätter u.a. folgende Anstalten der Inneren Mission, der Äußeren Mission und evangelischer Bünde.

1.
Für das Diakonissen-Mütterhaus sammeln in jedem Herbst Mitglieder des Diakonievereins in einem großen Freundeskreis Erntegaben mit ansehnlichen Ergebnissen.
2.
Für die Anstalten Bethel bei Bielefeld gibt ein Freundeskreis regelmäßige Gaben und empfängt die von den Anstalten herausgegebenen Mitteilungsheftchen.
3.
Ein Freundeskreis der Basler Mission gibt regelmäßig zur Halb-Batzen-Kollekte und liest die Missionsnachrichten (Veranstaltungen s. u. a. S. 231 unter 1927 und S. 227, 6).
4.
Dem Gustav-Adolf-Verein werden von vielen Gemeindegliedern in jedem Jahre Gaben zugewandt und das Pfarramt lässt die Mitteilungen des Hauptvereins verteilen.
5.
Der Evangelische Bund hat in der Gemeinde eine Anzahl zahlender und die Vereinsschriften beziehender Mitglieder.

Zu 3.- 5. fanden auch Vorträge im Evangelischen Volksverein und in geeigneten Fällen Nebengottesdienste statt. Insbesondere wurde auch im Kindergottesdienst und schon in der Kleinkinderschule der Missionsgedanke stets gepflegt und ebenso in Ersteren die Bestrebungen des Gustav-Adolf-Vereins.

6.- 7. Auch der Verein für Trinkerfürsorge und Evangelische Bahnhofsmission, sowie einige ähnliche Vereinigungen mit barmherzigen Zielen haben ständige Freunde in der Gemeinde.
Christliche Lektüre

Das schon in meiner Kindheit (1880er Jahre) in den Hanauischen Gemeinden gerne gelesene Stuttgarter Sonntagsblatt (wohl eins der ältesten im Hanauer Lande gelesenen), wird noch heute von einer Anzahl von Gemeindegliedern gehalten. Daneben hat das Kasseler Sonntagsblatt einen noch größeren Leserkreis. Besonders seit der kirchlichen Eingemeindung nach Frankfurt hat der Frankfurter Sonntagsgruß einen immer größeren Leserkreis gefunden. Doch sind eine größere Anzahl ansässiger Familien dem Kasseler Sonntagsblatt mit seiner Kurhessisch-Hanauischen Bodenständigkeit treu geblieben, was charakteristisch und wegen der darin liegenden Treue zum Bewährten beachtenswert ist. Außer diesen Sonntagsblättern wurden
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eine ganze Anzahl von evangelischen Zeitschriften, meist Frauen-Zeitschriften, von kleineren Leserkreisen in der Gemeinde gehalten. Nicht zu vergessen die Jugendblätter und die mehreren Jugendzeitschriften, welche die Mitglieder von ihren Bünden erhalten. Dass wohl alle Preungesheimer Gastwirte ihr Sonntagsblatt in der Gaststube zum Lesen auflegen, erwartet der einheimische Besucher schon gar nicht anders.

Dem Bedürfnis nach guter Unterhaltungslektüre dient die kleine Volksbibliothek der Kirchengemeinde deren Erweiterung und Erneuerung von Zeit zu Zeit wünschenswert ist. Sie wird vornehmlich von Frauen der Gemeinde benutzt bei ihrem jetzigen Bestand.
Einzel-Seelsorge

Bei Ausübung der Seelsorge macht sich die Zusammensetzung der Gemeinde aus einem einheimischen Teil mit gemeinsamen Überlieferungen, Gewohnheiten, Anschauungen, persönlichen und sachlichen Interessen und dem an Zahl von jetzt nicht geringeren und in ständigem Wachstum begriffenen Teile der zugezogenen und nur in einem Bruchteil hier in Preungesheim fest ansässig gewordenen Gemeindegliedern geltend. Dem Einheimischen sind Religion, Kirche und alle ihre Einrichtungen etwas Selbstverständlich-Notwendiges. Bei seelsorgerlichem Gespräch hat – außer von politischen Motiven her – kaum jemand von ihnen sich mir als Gegner der Religion bzw. Kirche bezeichnet. Und ich habe gerade in der Einzel-Seelsorge an den Gegnern aus Politik mehrfach erkennen können, dass eine Stellungnahme gegen Religion und Kirche bei einem Einheimischen nicht eigene innerste Herzensmeinung, d. h. andere Glaubensüberzeugung, auch nicht den Ausdruck eigener Wunschbilder, sondern aufgenötigte und schließlich zur Gewohnheit gewordene äußere Lebenshaltung war mit einem im tiefsten Inneren dennoch lebendigen Heimweh nach der Heimat der Seele. Daran habe ich angeknüpft, schonend und zart und – nicht vergebens.

Auch dass allsonntäglich Gottesdienst ist, dass dieser bei jedem geeigneten Anlass besonders verschönt werde, auch dass er zahlreich und zwar in der Kirche der eigenen Gemeinde besucht werde, entspricht durchaus den Gedanken des Einheimischen. Er erkennt auch die christliche Pflicht der Sonntagsheiligung und der Teilnahme an der gemeinsamen Gottesverehrung im Grundsatz nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst
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durchaus an. Aber zur Erfüllung der erkannten Pflicht gilt, wie in allen Gemeinden Groß-Frankfurts als Maßstab im Durchschnitt nicht eine feststehende Kirchgangssitte wie z.B. in Fulda, Marburg, auch schichtenweise in Kassel, nicht in Hanau, sondern das jeweilige Belieben des Einzelnen.

Wieder eine Kirchgangssitte zu schaffen war daher nebst der Befriedigung der religiösen Bedürfnisse des einzelnen Gemeindegliedes und seiner Familie eines der stetigen Ziele der Einzelseelsorge und ich war dankbar, dabei auf das gute Vorbild hinweisen zu können, das zumal ehrwürdige ältere aber auch jüngere Gemeindeglieder durch ihre Treue im Kirchenbesuch der Gemeinde gegeben haben und geben.

Im neuen Teile von Preungesheim (als den man den Ortsteil südlich der Strafanstalt, auch bezeichnet als Villenkolonie, volkstümlich „die Villa“, nebst dem großen Block jenseits des Marbachweges betrachtet) begegnet das Bestreben, die einzelnen Familien innerlich mit Kirche und Kirchengemeinde Preungesheim zu verbinden, noch in den Fällen, in denen allgemeinere Gründe, nicht geäußert werden, einem – nur aus der vormaligen kirchlichen Gliederung Frankfurts in Personal- , nicht Parochial-Gemeinden verständlichen – speziellen Grunde. Er drückt sich aus in der auf die Einladung, sich am kirchlichen Leben der Gemeinde Preungesheim zu beteiligen (auch dem kirchlichen Vereinsleben, z. B. Diakonie), hunderte Male erhaltenen Antwort „wir gehören zur Kathrinen- (Peters-) Kirche); wir haben mit der Preungesheimer Kirche nichts zu tun.“ Auch als der Diakonieverein auf Anregung des Pfarrers die Südstation eingerichtet hatte und die Schwester in ihrer Tracht täglich im Straßenbild bemerkbar war und an die Kirchengemeinde Preungesheim und ihre Gemeindeeinrichtungen erinnerte, besagte das den Bewohnern des Blocks nichts. Wenn ich bei Besuchen auf diese, speziell für das Südviertel getroffene, Einrichtung hinwies, zeigten die Erwiderungen, dass man sie als eine „Einrichtung der Synode“ betrachtete und sich nur zögernd vom Richtigen überzeugte. Dabei war erkennbar, dass dem Wunsche, sich als zur Katharinen- oder Peters- (seltener Pauls- oder Weissfrauen-) Kirche gehörig zu betrachten, keineswegs immer oder nur der – im Südviertel öfter begegnende – Gedanke zu Grunde lag, zu einer der „bekanntesten“, bzw. größten Kirchen Alt-Frankfurts gehören zu wollen. Sondern es war außer der Erinnerung an Gottesdienste, Taufen, Konfirmationen, Trauungen in der eigenen oder befreundeten Familien, meist auch an eine Prediger-Persönlichkeit, spürbar, das Bekanntsein mit dem (Äußeren und Inneren) betr. Gotteshause und das Interesse für irgendwie Bedeutsames an ihm (Inneneinrichtung, Kunstgegenstände, Geschichtliches, „Publikum“), was ihnen eine Alt-Frankfurter Kirche wertvoll machte, während sie gegenüber der Ortskirche – „Dorfkirche“ sagten sie meist – eine kaum zu überwindende Gleichgültigkeit und kühle Ablehnung zeigten.

Die Seelsorge speziell im so genannten „Roten Block“, dem Häuserblock südlich
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des Marbachwegs und westlich der Homburger Landstraße, wurde durch das Fluktuieren der Bewohner dieses Blocks, von denen jede Verteuerung – der Miete zumal, aber auch sonstiger, vorher vielleicht nicht richtig errechneter notwendiger Ausgaben, – jedes Mal eine größere Zahl aus den Neubauten der Vororte wieder in die oberen Stockwerke von Innenstadt-Häusern zurückführte, erschwert. Für ein Jahr, in dem diese Freizügigkeit besonders bemerkbar geworden war, ergab die Jahreszusammenstellung, dass rund 1/3 aller dortigen Wohnungen ihre Bewohner gewechselt hatten.

Um den Dienst an den Gemeindegliedern von Preungesheim-Süd möglichst wirksam zu gestalten, strebte der Pfarrer noch folgende Einrichtungen an:

1.
Beschaffung eines Raumes, geeignet sowohl für gottesdienstliche, wie sonstige Versammlungen von Gemeindegliedern, möglichst nahe „bei den Drei Steinen“ (Straßenbahn-Haltestelle: Taunusblick), also auf der Höhe, aber auch noch für Preungesheim-Nord unschwer erreichbar gelegen. Oder nächst der Kreuzung Homburger Landstraße – Marbachweg, gut sichtbar gelegen.
In einem solchen Raume würden die Gemeindeglieder aus Süd leichter zu sammeln sein, während zumal die älteren unter ihnen der weite Weg vom Marbachweg bis in die Kirche bzw. bis in den Saal der Kleinkinderschule vom Kommen abhält, wie sie bei Besuchen und Einladungen oft geäußert haben. Die Ausführung war bisher noch nicht möglich, wegen der Kosten.
2.
Stationierung einer Gemeinde-Krankenpflegeschwester in Süd zur Betreuung der Kranken und Alten in Süd und zur Herstellung einer raschen und ständigen Verbindung von ihnen zum Pfarrer. Sie wurde am 1. April 1930 errichtet (s. S. 171), war eine spürbare Verbindung mit Süd, musste nachmals wegen Beschränkung der Mittel in Folge einer Herabsetzung des Vereinsbeitrags zeitweilig wieder unbesetzt bleiben (s. S. 239); aber es ist im Interesse von Süd sehr zu wünschen und auch zu hoffen, dass die Wiederbesetzung dieser Südstation bald wieder ermöglicht werde.
3.
Die Herausgabe eines zwar kleinen – am besten in Buch-Octav, das sich am besten zum Sammeln und Aufheben eignet – , aber regelmäßig (etwa monatlich) erscheinenden Gemeindeblattes, das jedes Mal allen evangelischen Familien der Gemeinde (in beiden Bezirken, Nord und Süd) durch Helfer
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zugestellt im Umfang von je 8 Druckseiten würde gegen geringen Bezugspreis. Mit einem solchen könnte der Pfarrer alle Gemeindeglieder ständig und in ihrer freien Zeit erreichen, durch „steten Tropfen den Stein höhlen“, was durch Besuche allein in einer größeren Gemeinde und zumal in deren weniger sesshaften Gruppe nicht erreichbar ist. –

Eine Vorarbeit hierzu sowohl, wie für Aufsätze und Ansprachen bei besonderen Gemeindeanlässen (vergl. die sechstletzte der beschriebenen Seiten dieses Buches, S. 171 und S. 230) war die Sammlung von Nachrichten zur Ortsgeschichte, durch deren Bekanntgabe der Pfarrer bestrebt war, den ansässigen Teil der Gemeinde in der Liebe zum heimatlichen Gotteshause zu bestärken („Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses“!), den der örtlichen kirchlichen Tradition noch fremd gegenüber stehenden Teil der Gemeinde mit der St. Galluskirche bekannt, sie ihm (neben „seiner“ St .Peters- oder Katharinenkirche) vertraut und lieb zu machen, auf dass jedes Gemeindeglied unsere Kirche als das, „das meines Vaters ist“ erkenne und empfinde. Die Seelen zum Heiland und durch ihn zum Vater zu führen – auf jedem Wege und in jeder erdenklichen Weise -, dass ist ja unser innigster Wunsch und unsere erste Sorge.

Kranken-Seelsorge

Die Krankenseelsorge ist in unserer Gemeinde ein von unseren verehrten Herrn Vorgängern mit besonderer Treue gepflegtes Erbe. Die meisten Familien erschließen sich ihr, kein Kranker hat sie abgelehnt, nicht einer, bei der hier schon immer geübten mitfühlenden und mittragenden Einstellung. Aber während man so manchen Bekannten, auch die Schwester und evt. den Arzt von einem Krankheitsfall in der Familie wissen lässt, wird es fast immer dem Zufall überlassen, dass der Pfarrer davon Kenntnis erhält. In der einstigen Landgemeinde, in der sich noch alle kannten, war das der Fall und wird von daher noch heute als selbstverständlich angenommen, ist es aber selbst innerhalb der ansässigen (Alt-)Gemeinde schon etwa seit der politischen Eingemeindung nicht mehr. Es wurden deshalb nicht nur die Gemeindeschwester sondern auch die – mehrere hundert – Mitglieder des Frauen- und Diakonievereins gebeten, jeden ihnen bekannt werdenden Krankheitsfall den Pfarrer wissen zu lassen.
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Auch wurden die Krankenhäuser gebeten, dem Pfarramt Kenntnis von der Einlieferung von Kranken aus Preungesheim zu geben, was zwar nicht alle zusagten. Das Diakonissenhaus aber meldete regelmäßig und nach Verlauf von nur wenigen Tagen. Auf diese Weise wurde erreicht, dass der Pfarrer wohl von nahezu allen ernstlicheren Erkrankungsfällen Kenntnis erhielt. Die Kranken wurden nicht nur in ihrer Wohnung, sondern auch in den verschiedenen Krankenhäusern besucht (Diakonissenhaus, Städtisches Krankenhaus, Bürgerhospital, Rot-Kreuz-Krankenhaus, Privatklinik in Sachsenhausen, u.a.), soweit Letzteres zeitlich nur irgendwie möglich war.

Auch Taufen wurden dort vollzogen, wenn der Ortspfarrer darum gebeten wurde oder sonst wie rechtzeitige Kenntnis erhielt. Hier sei vermerkt, dass der evangelischen Kirchengemeinde Preungesheim und ihrem Pfarrer in dieser Hinsicht eine besondere Aufgabe stellt: Das katholische Marienkrankenhaus in der nächsten Nähe des Bürgerhospitals. Dies wurde zwar von eigentlich Kranken unserer Kirchengemeinde nur selten, umso mehr von Wöchnerinnen zur Niederkunft aufgesucht. Der Grund hierzu war zwar auch seine besonders bequeme Erreichbarkeit von hier aus, aber auch die Gewährung finanziellen Vorteils im Vergleich zu den anderen Krankenhäusern, auch dem Diakonissenhaus, dem ich dies angelegentlich auch vortrug, ohne die gleiche finanzielle Erleichterung für die Niederkommenden erwirken zu können. Ohne die Einzelheiten ergründen zu können, hatte ich den Eindruck, dass die Pflegesätze für Wöchnerinnen im Marienkrankenhause besonders günstig seien. Die Wöchnerinnen, die sich dort in Pflege begeben hatten, wiesen mich auf diese Pflegesätze anerkennend hin, was mich zu dem Vorstelligwerden im Diakonissenhause veranlasste. Auch die gute Wochenpflege empfanden sie dankbar und stellten bisweilen Vergleiche an. Es schien mir, dass es nicht leicht sein könne für andere
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Anstalten, gleich Gutes für gleiche Pflegesätze zu bieten.

Betreuung von Mischehen
Da dem Pfarrer schon im Anfang seiner hiesigen Amtstätigkeit aufgefallen war, dass insbesondere unter den zugezogenen Gemeindegliedern des Südviertels sich eine größere Zahl von Mischehen befanden, hatte er schon damals ein Verzeichnis derselben sich zusammen gestellt zum Besuchen und viele von ihnen kennengelernt, auch die Frage der Konfession der Kinder dabei mit den Eltern geregelt, wo sie noch offen stand. Eine Einrichtung aber, die systematisch der Gefahr vorbeugt, dass Kinder, für welche vom katholischen Elternteil evangelische Erziehung zugesagt ist, aus Unkenntnis dieser getroffenen Bestimmung katholisch getauft werden könnten, bleibt eine Aufgabe und zwar eine gemeinsame der vier dem Marienkrankenhause nächst gelegenen Gemeinden (St. Peter, Eckenheim, Preungesheim, Berkersheim), wenn nicht eine solche des gesamten Stadtsynodalbezirks überhaupt, da die zu ihrer Lösung notwendige Verbilligung der Wöchnerinnen-Pflegesätze im Diakonissenhause nicht von Seiten einer Einzelgemeinde geregelt werden kann.

Convertiten-Belehrung
Der Pfarrer war zwar, wie auch aus vorstehendem ersichtlich, bestrebt, die konfessionell-evangelischen Interessen zu wahren, aber Convertiten zu machen lag ihm nicht an, da er ehrliche Achtung hegt gegenüber Jedem, der sich redlich bemüht, ein gottesfürchtiger Mensch, ein Gotteskind zu sein, welcher Konfession er auch sei; und insbesondere auch gegenüber Jedem der seiner Kirche die Treue hält. Aber gerade das Erstere, das auch in weiteren Kreisen der Einwohnerschaft bekannt war, mag Katholiken, die mit ihrer Kirche zerfallen waren, dass Vertrauen gegeben haben, sich zum Eintritt in die Evangelische Kirche zu melden. Die Motive wurden schonend, aber eingehend geprüft. In den meisten Fällen erwiesen sie sich als stichhaltig. In einer über mehrere Wochen sich erstreckenden Belehrung wurde zuerst das Gemeinsame, Verbindende zur klarer Erkenntnis gebracht – was von den Belehrten laut ihrer Äußerungen besonders dankbar empfunden wurde – und dann über
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das Verschiedene, Trennende verpflichtender Aufschluss gegeben. Mit der Aufnahmehandlung in der Kirche unter Mitwirkung von zwei Kirchenältesten fand der Eintritt nach der in der Agende vorgeschriebenen Form statt. Die Zahl dieser Übertritte war ziemlich hoch. Bisweilen nahmen mehrer Convertiten gleichzeitig an der Unterweisung teil.

Konfirmandenunterricht

In der Landeskirche Frankfurt bestand in der Praxis keine bindende Norm für den Lehrstoff und die Gestaltung des Konfirmandenunterrichts. Von der dadurch der Auswahl des Pfarrers zugestandenen großen Freiheit haben gelegentlich auch Pfarrer der Vorortgemeinden Gebrauch gemacht und z. B. die Bergpredigt dem Aufbau des gesamten Konfirmandenunterrichts zu Grunde gelegt.

In der Kirchengemeinde Preungesheim wird seit seiner Einführung durch die Kirchenbehörde der Landeskirche Hessen-Kassel der für die Gemeinden der Hanauer Union herausgegebene Katechismus als Lehrbuch gebraucht. Trotz aller jetzt vorhandenen Schwierigkeiten (s.u.) wurde mit allem Nachdruck angestrebt, dass die Konfirmanden auch ein ausreichendes religiöses Wissen als geistigen Eigenbesitz mit ins Leben nahmen (Die Hauptstücke aus Luthers kleinem Katechismus und einige Fragen aus dem Heidelberger Katechismus, Schriftstellen und Kirchenlied) neben der Orientierung über die Betätigung kirchlichen Lebens in der Gemeinde und in der Landeskirche. Die Konfirmandenprüfung wurde zu einer gottesdienstlichen Hauptfeier ausgestaltet und der katechetische Stoff dabei immer wieder unter anderen, neuen Gesichtspunkten zusammengefasst. Es ist als ein Zeichen des Interesses an der religiösen Unterweisung der Jugend der Erwähnung wert, dass eine Anzahl älterer Gemeindeglieder (Männer und Frauen) in jedem Jahre der Prüfung der Konfirmanden beiwohnten. Sie äußerten das, hatten ihre Freude an den Kenntnissen der Kinder und sagten, dass sie sich immer besonders freuten, wenn etwas vorkäme, was auch sie einst gelernt hatten. Im Hinblick auf diese Anteilnahme der älteren Generation an der Jugendunterweisung wurde Bedacht darauf genommen, dass die Tradition der Gemeinde auch in der Prüfung zur Geltung kam.

Im Unterricht selbst musste in zunehmendem Maße darauf Rücksicht genommen werden, dass die Konfirmanden die verschiedensten Schulen besuchten und dass in diesen die verschiedensten Unterrichtsziele und erst recht Unterrichtsresultate bestanden. Als am besten vorgeschult erwiesen sich die Schüler unserer Theobald-Ziegler-Schule für Preungesheim und Eckenheim. Wenn aber festgestellt war, was alle „konnten“, auswendig
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wussten, dann war das Resultat dasselbe, wie in einer Innenstadtgemeinde: der Unterricht durfte als gemeinsame religiöse Kenntnisse aller Kinder nur ganz wenig voraussetzen. Darauf galt’s aufzubauen bis zum oben genannten Ziele.

Kirchen-Verfassungen

Dass eine Evangelische Landeskirche sich und dadurch auch ihren einzelnen Kirchengemeinden eine neue kirchliche Verfassung gab, hat sich im Lauf der geschichtlichen Entwicklung der Landeskirchen in einem Jahrhundert kaum einmal ereignet. Und es hat dann jedes Mal größerer Zeiträume bedurft, bis die gegenüber den bisherigen, gewohnten Auffassungen und Gepflogenheiten abweichenden Gedanken und Bestimmungen einer neuen Kirchenverfassung in die Gedanken- und Gefühlswelt der Mitglieder dieser Landeskirchen aufgenommen wurden, was etwas viel Umfassenderes und Tieferes ist, als die nur erkenntnismäßige Notizname von neuen Gesetzen. Meist lebten in der Gedankenwelt die früheren Auffassungen, das Herkommen noch Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte lang als lebendige Kraft weiter, während von dem Neuem gar manches als der eigenen Gefühlswelt fremd innerer Ablehnung begegnete. Jede neue Kirchenverfassung aber macht ein Umbauen, ein Umdenken, ein Umgewöhnen notwendig. Sie bewirkt, zumal für die nächsten Jahre bis alles wieder neu geordnet ist, dass immer wieder neue Fragen zu lösen, außergewöhnliche Aufgaben zu erfüllen sind.

Aus dem gesagten ist zu ermessen, vor wie viele außergewöhnliche Aufgaben die Kirchengemeinde Preungesheim gestellt war, da sie als Mitglied des vormaligen Kirchenkreises Bockenheim in einem einzigen Jahrzehnt drei neue Kirchenverfassungen einführen musste.

Diese waren:

I. Hessen-Kasseler von 1924

Verfassung der Evangelischen Landeskirche Hessen-Kassel. Sie trat am 1.6.1924 in Kraft. Sie war notwendig geworden durch die Staatliche Neuordnung nach dem Weltkrieg und den dadurch bewirkten Wegfall des Landesherrlichen Kirchenregimentes, an dessen Stelle nun die Kirchenleitung selbst trat. Eine Zusammenfassung der bisher bestehenden einzelnen drei Kirchengemeinschaften zu einer Landeskirche und die Schaffung einer persönlichen Spitze der Landeskirchlichen Organisation, sowie eine praktischere Einteilung der einzelne Sprengel waren einige der Fortschritte, die sie brachte.
Da sie, ebenso wie die folgenden, auch neue Bestimmungen über die Bildung der Synoden und über die Wahlen zu den Kirchenvorständen brachten, mussten jedes Mal auch wieder Wahlen nach den neuen Bestimmungen stattfinden.
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Kirchliche Eingemeindung:

Seit längeren Jahren zumal von Bockenheim aus angestrebt, fand sie am 1.4.1929 ihre Verwirklichung nach langen Verhandlungen der Kirchenbehörden, zu denen auch die Kirchenvorstände und die Synoden Stellung nahmen. Die Verhandlungen gestalteten sich darum schwierig, weil die Vororte und Frankfurt die naturgegebene Verbindung anstrebten, während Kirchenbehörde und Kirchenparlament Kassel sie nicht begrüßten.

Die Verhandlung fanden ihren Abschluss in einer gemeinsamen Feier der kirchlichen Vertreter der Vorortgemeinden, Kassels und Frankfurts in der Markuskirche in Bockenheim.
Infolge der Eingemeindung gelangte zur Einführung auch in Preungesheim:

I. Frankfurter Kirchenverfassung von 1929.
Die Frankfurter Kirchenverfassung, die am 29.6.1929 eine durch die Eingemeindung veranlasste neue Fassung erhielt. Abermals wurden alle kirchlichen Körperschaften neu gebildet.

II. Nassau-Hessische Kirchenverfassung

Die neue Gedankenwelt der national-sozialistischen Bewegung durchdrang das Geistesleben so stark, dass schon bald nach der Machtergreifung das Bestreben sich zeigte, auch in der Organisation der Landeskirchen den neuen Idealen Geltung zu verschaffen. Da zu diesen Idealen auch die Überwindung der Kleinstaaterei gehört und die Organisation der Evangelischen Kirche noch als eine Nachwirkung der vormaligen staatlichen Zersplitterung empfunden wurde, so setzte das Neugestaltungsbestreben insbesondere auch an diesem Punkte an. Die Verfassunggebende Kirchenversammlung von 1933, die nach einem Eröffnungsgottesdienst in der Alten Nicolaikirche im Sitzungssaale des Rathauses tagte, vollzog den Zusammenschluss der Frankfurter Kirche mit der Nassauischen und der Hessen-Darmstädtischen Kirche zur Nassau-Hessischen Kirche, der die Kirchengemeinde Preungesheim nunmehr angehört.

Neben dem Zusammenschluss der bisherigen drei Landeskirchen, welcher eine der auch für Fernerstehende eindrucksvollsten Maßnahmen der neuen Verfassung war, führte diese noch eine größere Zahl neuer Gedanken in das kirchliche Verfassungswesen ein, mit denen sich zu befassen, dann wieder eine Aufgabe der Gemeinden war.
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