Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 13

1893

Am 16. Juli wurde das neue Altartuch eingeweiht, welches auf Anregung des Pfarrers von seiner durch die Frauen der Gemeinde unter sich angestellten Collekte angeschafft worden ist. Es trägt an der Vorderseite ein in gold gesticktes gothisches Kreuz mit der Umschrift „Friede sei mit Euch“ und kostet Alles in Allem 160 Mark. Aus dem noch brauchbaren Stück des alten Altartuchs wurde eine Kanzelbekleidung hergestellt. Die Kanzelpultdecke hat eine Schwiegertochter Frau Eugenie Junghans zu Frankfurt am Main in Gold und gelber Seide gestickt und der Kirche zum Geschenk gemacht. Noch muss dankend erwähnt werden, dass Herr Tapezierer Kerber zu Frankfurt am Main die Tapezier- bzw. Dekorationsarbeit ganz unentgeltlich gemacht hat, aus Erkenntlichkeit für die Liebe und Freundschaft, die sein Sohn, unser 3. Lehrer Jakob Kerber, während seines Hierseins von den Einwohnern erfahren hat. Die mustergültige und stylvolle Goldstickerei des Altartuchs ist in der Werkstatt des Goldstickers Rupp zu Frankfurt ( Liebfrauenberg ) ausgeführt worden.

Am 19. Juli feierten wir ein Missionsfest unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde. Nachmittags waren auch viele Auswärtige da. Die Morgenpredigt hielt Pfarrer Dietz von Messel bei Darmstadt über die Losung der Brüdergemeinde 1. Kor. 4,2: Nun sucht man bei den Haushaltern nicht mehr, denn dass sie treu erfunden werden, indem er zur Treue im Glauben und in der Reichgottesarbeit aufforderte. Nachmittags 2 Uhr sprach in der Kirche Missionar Schulze aus China. Nach einer Pause fand noch von 4 Uhr an eine Versammlung unter freiem Himmel auf dem Kirchplatz statt in der mit abwechselndem Gesang Ansprachen von den Herren Pfarrern Naumann Frankfurt, Missionar Thurn Pfarrer Codes von Frankfurt und Pfarrer v. Stark von Bergen gehalten wurden. Die gesammelten Collekten betrugen insgesamt 120 Mark 77 Pfennig, wovon speziell 33 Mark 71 Pfennig für China bestimmt wurden. Möge das Fest, an dem aus besonders begabtem Mund so manches packende Wort geredet worden ist, nicht nur das Missionsinteresse in unserer Gemeinde von neuem angeregt, sondern auch für die Belebung unseres kirchlichen Lebens im allgemeinen etwas gewirkt haben. Dann soll mir und meiner lieben Frau die viele Mühe und Anstrengung, welche uns das Fest gebracht hat, nicht zu viel gewesen sein.
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Am 20. Juli (tags darauf) ereignete sich in unserem Ort ein sehr trauriger Unglücksfall. Ein junger, erst 6 Wochen, nach hier verheirateter junger Mann Philipp Carl Laupus von Gronau wollte mit einem Flobertgewehr eine Eidechse schießen. Das Gewehr versagte mehrmals. Er setzte es deshalb um es zu untersuchen. In diesem Augenblick entlud es sich, der ganze Schuss traf den jungen Mann durch die Nase in den Kopf. Der Verwundete wurde in die Rehnsche Klinik Frankfurt am Main gebracht, wo er tags darauf verstarb. Er war ein sehr braver junger Mann, dessen jäher Tod allgemeine Teilnahme erregte. Die Leichenbegleitung bei der Sonntagnachmittag 4 Uhr stattfindenden Beerdigung war deshalb eine sehr zahlreiche sowohl von hier, als von Gronau.

Kirchenreparatur in Eckenheim

Im Sommer 1893 wurde die Kirche zu Eckenheim, welche obgleich erst 30 Jahre alt, schon viele Schäden zeigte, gründlich restauriert. Es galt das ganze Schieferdach neu zu decken und das Innere nicht nur neu zu streichen, sondern auch die Decke überhaupt erst ordentlich zu tünchen, was beim Neubau nicht geschehen war. Zur Bestreitung der Unkosten wurde von der Gemeindevertretung bei der Spar- und Leihkasse ein Capital von 1 500 Mark aufgenommen das Consistorium versprach eine Collekte. Kurz nach Pfingsten wurden
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die Arbeiten in Angriff genommen. Die Wiedereinweihung der Kirche aber zog sich hin bis zum 5. November (dem Reformationsfest hier); Pfarrer Junghans hielt die Einweihungspredigt über Ps. 26, 6 – 8. Durch freiwillige Beiträge wurde die Kirche auch würdig ausgeschmückt und mit zwei Öfen versehen. Der Frauenverein stiftete eine goldgestickte Kanzelbekleidung von schwarzem Sammet im Wert von 100 Mark und veranstaltete eine weitere Sammlung von 226 Mark zur Anschaffung zweier Öfen; Bürgermeister Römer das runde Fenster über der Kanzel. Die Männer der Gemeinde ließen die Kanzelwand stylvoll ausmalen und mit zwei Spruchtafeln versehen. Die von Dachdecker Roth in Bockenheim ausgeführte Dachdeckerarbeit kostete 240, die Weißbinderarbeit, welche Weißbinder Geist von Ginnheim akkordiert hatte, 750 Mark. Die Kanzelwand malte der Dekorationsmaler Pistor von Frankfurt am Main. Durch die Reparatur dieses Jahres ist die Kirche eine der schönsten in weitem Umkreis geworden. Die Gemeinde ist stolz auf ihr schönes Gotteshaus und zeigt die Freude an demselben durch verdoppelten Kirchenbesuch. Dies zeigte sich am Schluss des Jahres durch den reichen Ertrag des Klingelbeutels. Diese betrug, trotzdem die Kirche 4 Monate geschlossen war, 338 Mark. Möge die Kirche auch ferner so gut besucht werden. Während der Reparatur wohnte die Gemeinde dem sonntäglichen Gottesdienst in Preungesheim bei.
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Frauenverein in Preungesheim

Am 10.Dezember 1893 wurde auch in Preungesheim ein Frauenverein gegründet. Derselbe kommt alle 4 Wochen im Schulsaal zu erbaulicher und belehrender Unterhaltung zusammen und hat die Gründung einer Kleinkinderschule, deren Notwendigkeit auch hierorts erkannt worden ist, zum Zwecke. Heute (16. Januar 1894) zählt derselbe bereits 85 kontribuierende Mitglieder. Die Versammlungen werden sehr zahlreich besucht und erhofft man von denselben einen Segen für das innere Leben der Gemeinde. Der Gesangverein Männerchor Sängerlust hat für die Kleinkinderschule ein Concert veranstaltet und den Reinertrag 35 Mark dem Vorstand übergeben, der denselben mit den Beiträgen der Frauen bei der hiesigen Sparkasse angelegt hat.

Das Jahr 1893 war sehr heiß. Es regnete den ganzen Sommer hindurch nicht. In folge dessen war der Ertrag der Wiesen ein sehr geringer und ist in vielen Gegenden große Futternot gewesen, welche viele Landleute nötigte einen Teil ihres Viehstandes für Spottpreise zu verkaufen. Bei uns wurde die Futternot weniger verspürt. Das Jahr war sonst ein gesegnetes. Korn und Weizen gab gut. Eine überreiche Kirschen- und eine mittlere Apfelernte brachte den Bauern Geld, obgleich der Preis der Äpfel ein mäßiger war. Das andere Obst – Birnen und Steinobst – hatte gar keinen Wert, weil dasselbe überall und zuviel gewachsen war.
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Kleinkinderschule zu Preungesheim

Am 1. April 1894 (dom. Quasimodogeniti) wurde die Kleinkinderschule zu Preungesheim durch eine kirchliche Feier eröffnet, in welcher der Gemeinde die Pflegerin Katharina Bähr von Leimen bei Heidelberg vorgestellt wurde. Auch diese ist in dem Mutterhaus zu Nonnenweiher ausgebildet. Am 2. d.M. sind die Kinder aufgenommen worden und betrug die Zahl der angemeldeten 69. Als Schullokal wurde ein Zimmer im Haus des Ortsbürgers Jakob Engelhard gemietet, welches für 80 Kinder Platz hat. In demselben Haus hat die Schwester ihre Wohnung. Das Gärtchen hinter dem Haus ist zum Spielplatz eingerichtet worden. Möge der Herr seinen Segen auf der neu gegründeten Anstalt ruhen lassen und ihr die Teilnahme der Gemeinde, besonders aber des Frauenvereins, dem wir seine Gründung vorzugsweise verdanken, erhalten.
Der Gesangverein Germania stiftete für die Kleinkinderschule 30 Mark, der Eröffnungsgottesdienst brachte eine Collecte von 52 Mark 58 Pfennig, die Aufnahmegelder betrugen 26 Mark 60. Zur Beschaffung des Schulinventars sowie der Wohnungseinrichtung für die Schwester wurden 20 Mark aus der Spar- und Leihkasse entliehen. Zu Vorstandsmitgliedern erbat sich der Pfarrer
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die Herren Bürgermeister Caspary, Lehrer Reich, Kirchenältester Georg Caspary und Louis Schack sen. Um die Einrichtung der Kleinkinderschule hat sich der Vorstand des Frauenvereins großes Verdienst erworben. Derselbe bestand dieser Zeit aus nachfolgenden Personen: Frau Pfarrer Junghans, Frau Lehrer Reich, Frau Susanne Caspary, Frau Gastwirt Reiz, Frau Lehrer Mohn, Frau Henriette Braumann, Frau Held und Frau Zimmer. Noch sei erwähnt, dass Frau Lüdecke die frühere Besitzerin des Nonnenhofes und deren Tochter, Frau ?Bortmann? Lüdecke, auf dem Röderhof aus Anhänglichkeit an die alte Heimat der Kleinkinderschule ein Geschenk von 100 Mark in Gold gemacht haben. Hierdurch ward es möglich sämtliche bauliche Einrichtungen zu bestreiten, sowie das Inventar des Schulzimmers zu bezahlen. Den edlen Geberinnen sei auch hier der Dank der Gemeinde ausgesprochen.

Im Jahr 1894 hat die katholische Gemeinde zu Eckenheim aus milden Beiträgen, die ihr aus den entferntesten Gegenden zugegangen sind, dass prachtvolle im gotischen Styl ausgeführte Pfarrhaus gebaut. Es wurde dem katholischen Zimmermeister Ochs für 21 000 Mark verakkordiert, wird aber wohl bis zu seiner Vollendung noch mehr kosten. Auch bei diesem Pfarrhausbau zeigt die katholische Kirche, dass ihr innewohnende Streben, der Welt durch äußere Pracht und Herrlichkeit zu imponieren. Die mit einem Baldachin überdachte Console an der südlichen Ecke
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des Hauses ist wohl dazu bestimmt die Statue der Mutter Gottes aufzunehmen, welche die römische Kirche, seitdem das Dogma von der unbefleckten Empfängnis zur Kirchenlehre erhoben ist, an die Stelle des Heilands gesetzt hat, der umgebenden gut reformierten Gemeinde Eckenheim zum Scandal und Ärgernis.

Am 19. August feierte die Kleinkinderschule zu Eckenheim ihr zweites bzw. drittes Jahresfest durch einen Gottesdienst in der Kirche. Das zweite fiel aus wegen der Reparatur der Kirche. Die Festpredigt über Luc. 2, 66: „was meinst du ? was wird aus dem Kindlein werden ?“ hielt Herr Pfarrer Enders von Bonames. Die Collecte betrug 35 Mark

1895

Am 9. März feierte der Kirchenälteste Johannes Müller zu Eckenheim mit seiner Ehefrau A. Margarethe geb. Filsinger die goldene Hochzeit. Der Pfarrer überreichte dem Jubelpaar die ihm von Sr. Majestät dem Kaiser verliehene Jubiläumsmedaille mit einer entsprechenden Ansprache und zwar, wegen schwerer Erkrankung einer Tochter, im Hause in Gegenwart der Presbyteriale und der Familenglieder.

Am 17. September tat der Bischof von Limburg den 1. Spatenstich zur Erbauung einer katholischen Kirche in Eckenheim
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Am 3. November 1895 wurde der Pfarrer Herchenröder der Gemeinde Eckenheim durch den Herrn Superintendenten Pfeiffer vorgestellt. Es assistierten bei dieser Handlung der Metropolitan Strobel und bisherige Pfarrer Junghans. Der letzte Vicar, Pfarrer Seyb (S. 27) kam nach ??Elm ?

Im Jahr 1895 war der Pfarrer genötigt das Dörrsche Kapital von 17 791 Mark 43 gerichtlich einzuklagen, da Dörr zwei Jahre lang mit den Zinsen in Rückstand geblieben und absolut nichts von ihm zu bekommen war. Bei der Zwangsversteigerung wurde der Pfarrei das verpfändete aber durch ausgraben fast wertlos gewordene Grundstück für 9 050 Mark zugeschlagen. Die Pfarrei verlor hierdurch 8 741 Mark Capital, der Pfarrer 1 600 Mark Zinsen. Da das Grundstück nur sehr unvorteilhaft hätte verpachtet werden können, so wurde dasselbe an Georg Braumann 8. für 9 650 Mark wieder verkauft, wodurch wenigstens die Prozesskosten gedeckt wurden.

Gleichzeitig erkaufte derselbe von der Pfarrei einen Morgen (20 a) Ackerland in der Bornheimer Gemarkung für 2 200 Mark.

Am 3. Mai 1896 feierte die Kleinkinderschule zu Preungesheim unter zahlreichem Besuch von Eckenheim, Seckbach und Bergen ihr zweites Jahresfest. Festprediger war Pfarrer Fritsch von Fechenheim. In der Nachversammlung, welche im Pfarrhof gehalten wurde, sprachen
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der Herr Metropolitan Strobel von Bockenheim Pfarrer Starck von Bergen, Enders von Bonames und Knöll von Seckbach. Es war ein schönes gesegnetes Fest.

An demselben Tag wurde in Eckenheim der Grundstein zur katholischen Kirche gelegt mit Umzug, Festessen, Concert und Biercommers, kurz mit all den Dingen, womit die katholische Kirche dem Sinne schmeichelt und der Welt imponiert.

Am Tag darauf wurde die Statue der Gottesmutter am Pfarrhaus angebracht.
Am 10. Mai als am 25-jährigen Jahrestag des Friedensschlusses wurde in Frankfurt in Gegenwart Sr. Majestät des Kaisers und seiner Gemahlin das Denkmal des Kaisers Wilhelm I. enthüllt.

In der hiesigen Kirche wurde auf Anordnung des Consistoriums zu Kassel für den Frieden gedankt und um seine Erhaltung deshalb gebetet:

Erhalt uns Frieden gnädiglich
Herrgott zu diesen Zeiten!
Es ist ja doch kein Anderer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du unser Gott allein.
1897

Am 21. und 22. März 1897 fand die hundertjährige Geburtstagsfeier des Kaiser Wilhelm I. statt. Am 21. (Sonntag oculi) die kirchliche Feier. Schule und Kriegerverein (noch 20 Veteranen) zogen beim Geläut in die Kirche und nahmen ihre bestimmten Plätze ein. Nach der gehaltenen Liturgie, in
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welcher der 92. Psalm als Lektion eingefügt war, sang der Gesangverein ein Vaterlandslied (Composition von Mehul). Auf den Gemeindegesang: „Sei Lob und Ehr“, folgte die Predigt über Spr. Sal. 10,7, in welcher der Prediger Kaiser Wilhelm als christlichen Charakter schilderte auf Grund der drei Kaiserworte: „Welche Wendung durch Gottes Fügung; dem Volk muss die Religion erhalten werden und ich habe nicht Zeit müde zu sein“. Der Predigt folgte der zweistimmige Gesang der Schulkinder: „Wir treten mit Beten vor Gott, den Gerechten“. Sonntagabends wurde der morgende Festtag mit allen Glocken von 6 – 7 Uhr eingeläutet. Am 22. fand eine allgemeine Schulfeier statt, wobei eine Lebensbeschreibung des Kaisers: Kaiser Wilhelm von Freifrau von Lililienkron, zur Verteilung kam. Der 23. war den Kindern zu einem Ausflug frei gegeben.
Am 30. April 1897 war ein heftiges Gewitter mit Hagelschlag, welcher an der Baumblüte, der Frucht und dem Klee Schaden anrichtete.
Am 23. Mai (dom. rogate) feierte die Kleinkinderschule ihr 3. Jahresfest. Festprediger war Herr Pfarrer Börsch von Eschersheim, Predigtext: Ps. 127, 3.

Am 19. Juni 1898 feierte sie ihr viertes Jahresfest. Predigt des Herrn Pfarrer Knöll von Seckbach über Matth. 18, 1-5.
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Am 4. August brannte die mit Heu und Frucht gefüllte Scheune des Wilhelm Boss, Vilbeler Straße No. 4, ab. Das Feuer brach um 3.00 Uhr mittags aus, während Boss-Sohn damit beschäftigt war einen Wagen voll Korn abzuladen. Bei heftigem Wind und trockener Witterung waren die Nachbargebäude in Gefahr, zumal die Leute im Felde waren und erst durch die Sturmglocke nach Hause gerufen worden, aber der Herr ließ es der eifrigen Arbeit der Spritzenmannschaft unter Anführung des Schmiedes und Kirchenältesten Caspary gelingen, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und die anstoßenden Gebäude zu retten.

Die Entstehungsursache des Feuers blieb unbekannt. Der vor der Scheuer stehende Kornwagen brannte bis auf das Eisenwerk zusammen.

Am 28. und 29. August fand die Generalvisitation der Klasse Bockenheim zu Bockenheim durch Generalsuperintendent Pfeifer statt.
1899

Am 28. Mai Jahresfest (das 5.) der Kleinkinderschule. Festpredigt des Herrn Pfarrer Strobel von Bornheim über 1. Sam. 3. In einer Nachversammlung Ansprachen von Pfarrer Umbach von Eckenheim und Enders von Bonames. Collekte 24 Mark 29 Pfennig.
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