Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 12

Zusätze Fol. 14. d.

27.
Den 14. November 1803 brach Feuer in der Scheune des Hohensteinschen Hofs aus, welche der Schullehrer Knöll zur Aufbewahrung seiner Getreidevorräte gemietet hatte. Die Scheuer brannte total ab. Am 13. Januar 1804 ging die Scheuer des Philipp Rück, dem Schulhaus gerade gegenüber, in Flammen auf. Am 13. Februar geriet die Scheuer des Schulhauses selbst in Brand und wurde bis auf die Fundamente in einen Aschenhaufen verwandelt. Am 29. März 1804 morgens ½ 8 Uhr endlich wurde auf dem Kirchenboden ein Brand entdeckt, der unter den Orgelblasbälgen angelegt war und bereits einige nahgelegene Balken und Bretter ergriffen hatte. Durch die in Menge herbeigeeilten Einwohner wurde der Brand noch rechtzeitig gelöscht. Man vermutete Brandstiftung und zwar einen gegen den Schullehrer Knöll gerichteten Racheakt. Der Täter wurde nicht entdeckt, dem Pfarrer aber vom Consistorium aufgegeben die Schlüssel zu Kirche, Turm und Kirchenboden selbst in Verwahrung zu nehmen.

28.
Der Ertrag der auf dem Pfarrgut stehenden Obstbäume war zur Zeit des Consistorialrat Karl ein so reichlicher, dass derselbe z.B. im Jahr 1876 161 Malter 22 Pfund Äpfel erntete und dafür 1 336 fl. 26 Kreuzer löste; 1871 waren es 96 Malter. Der Nachfolger
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Carls hielt es für seine Pflicht für entsprechende Nachpflanzungen zu sorgen, obgleich er von dem früheren Obstsegen des Pfarrguts nichts mehr zu genießen hatte. Er pflanzte von 1887 bis dahin (1892) 105 Bäume und zwar 41 Apfel, 15 Birnen, 9 Kirschen 28 Mirabellen und Reineclauden, 5 Aprikosen und 2 Pfirsich sowie viele Zwetschen- und Pflaumenbäume zum Ankaufspreis von 148 Mark (Setzkosten und Pfähle ungerechnet). Auch ließ er auf dem Kirschenstück am Bockenheimer Weg 7 noch wilde Kirschbäume veredeln und im Garten auf 7 wilde Pflaumenstämme Reineclauden pfropfen, was auch einen Kostenaufwand von Mark 18 verursachte.

29.
Im Jahr 1848 richteten ca. 30 Einwohner von Preungesheim an kurf. Regierung zu Hanau die Bitte um Wiedereinführung der alten Kathechismen (des lutherischen und des Heidelberger) in der Schule. Lehrer Braungart hat die Eingabe geschrieben, war auch vermutlich der intellektuelle Urheber. Die Eingabe setzte beide den Kreis und den Ortsschulinspektor, denen sie zum Gutachten zugesandt wurde, in Verlegenheit. Auf die Anfrage des Oberschulinspektors: quid faciamus nos, antwortete der Ortspfarrer bzw. er machte den Vorschlag, die Sache liegen zu lassen und dadurch tot zu schweigen. Welch ein Licht wirft dies auf die damaligen Hirten der Gemeinde. Wenige Jahre darauf (1853) wurden die beiden Kathechismen von der Regierung ex officio wieder
(Seite 107)

eingeführt.
30.
Der Errichtung der Kleinkinderschule setzte niemand größeren Widerstand entgegen als der (christlich gläubige) Lehrer Martin Kurz, von dem man gerade eine freudige Förderung und Unterstützung der Sache hätte erwarten sollen.

Er wollte nicht nur das Gemeindezimmer nicht hergeben, welches der Schwester zur Wohnung eingerichtet werden sollte, weil er es mit Zulassung der Gemeinde zu Aufbewahrung seiner Wintervorräte an Speck und Würsten benutzt hatte, sondern gestattete auch erst nach vielem Widerstreben den Weg durch den Schulgarten nach dem vom Bürgermeister ganz unentgeltlich überlassenen Spielplatz, trotzdem man versprach, längs des Weges einen Drahtzaun zu errichten, damit ihm an seinen Gartengewächsen kein Schaden entstünde. Ebenso wollte er die Errichtung eines großen Aborts für die Zöglinge der Kleinkinderschule nicht gestatten unter dem Vorwand, seine Dungstätte würde dadurch zu sehr verkleinert. Nichtsdestoweniger zeigte sich die Gemeinde sehr nobel gegen ihn, indem sie ihm zum Ersatz für etwa verlorenen Raum, auf den er doch keinen rechtlichen Anspruch hatte, ein viertes, schön tapeziertes Zimmer herstellen ließ.

Am 6. Mai 1892 wurde das Gesuch der katholischen Einwohner zu Eckenheim Franz Stein und Genossen um Erlaubnis für die Station der barmherzigen Schwestern zur Errichtung einer katholischen Kleinkinderschule sowie einer Handarbeits- und Haushaltungsschule für noch schulpflichtige Mädchen durch Verfügung der Minister der Unterrichts- und Angelegenheiten und des Innern M. d. g. A. G II 1695 ,
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M. d. I. II No. 4886 abgewiesen. Es wurde ihnen nur die Errichtung einer Suppenanstalt für die auswärtigen Schulkinder gestattet. Den Petenten wurde dieser Beschluss mitgeteilt am 20. Juni 1892 durch das königliche Landratsamt Frankfurt.
( Seite 107a)

(Zu 30.
Die ganze Form dieses Abschnittes lässt schon erraten, dass persönliche Voreingenommenheit des Chronisten gegen den Lehrer Kurz die Feder zum guten Teil geführt hat. Zur Steuer der Wahrheit müssen hier einige kritische Bemerkungen Platz finden.
1. Der Errichtung der Kleinkinderschule setzte Kurz durchaus keinen Widerstand entgegen. Dass er aber unberechtigte Ansprüche, die man an ihn stellte, zurückwies, war nicht bloß sein gutes Recht, sondern seine unbedingte Pflicht!
2. Gegen die Hergabe des schon von seinem Vorgänger innegehabten und benutzten Zimmers sträubte er sich aus dem Grunde, weil er es für seine aus 4 Kindern bestehende Familie nicht entbehren konnte. Bei drei Söhnen und einer heranwachsenden Tochter ist eine Wohnung von drei (3!) Zimmern einfach unwürdig! und ihm zuzumuten, dass er das vierte Zimmer aufgeben soll, ohne einen Ersatz dafür zu erhalten, dass mag der geneigte Leser beurteilen, wie er will. Erst in Folge eines starken Druckes von seiten des Landratsamtes zeigte sich dann die Gemeinde so „nobel“, ihm ein viertes Zimmer herzustellen.
3. Kurz sollte ein Stück seines an sich kleinen Hausgartens für den Durchgangsweg der Kinder nach ihrem Spielplatz kostenlos hergeben. Als Inhaber der Schulstelle war er dazu nicht berechtigt, abgesehen davon, dass er sich dadurch geschädigt und belästigt sehen musste. Aus freien Stücken bot er aber die Benutzung des vorhandenen Gartenweges an, unter der Bedingung, dass durch Anbringung eines Drahtzaunes, der Beschädigung der Beete und der Beerenstöcke vorgebeugt würde.
4. Der Hofraum, der auch zugleich Spielplatz der Schüler seiner Oberklasse war, war durch den 1883 erfolgten Anbau eines größeren Stallungsgebäudes bereits so sehr verkleinert, dass er als Spielplatz schon nicht mehr ausreichte und eine weitere Einschränkung nicht vertrug. Kurz konnte also den weiteren Anbau einer Abortanlage umso weniger zugeben, als bereits zwei Aborte für die Kleinkinderschule vorhanden waren.
Einen starken Schutz und Beistand fand Kurz an dem königlichen Landratsamt.

28.10.1901 Herchenröder, Pfarrer von Eckenheim)
(Seite 109 + 110)

unbeschrieben
(Seite 111)

Fortsetzung der Chronik vom Jahre 1892 an

Am 19. Juni 1892 fand eine Generalvisitation der Pfarrei durch den hochwürdigen Generalsuperintendenten Herrn Dr. theol. Fuchs von Kassel statt.

Die hiervon beizeiten benachrichtigten Gemeindeglieder zu Preungesheim und Eckenheim hatten dem hoch geehrten Oberhirten einen festlichen Empfang bereitet. Fast alle von Evangelischen bewohnten Häuser hatten geflaggt. Die Portale der beiden Kirchen, sowie das Innere war festlich geschmückt, bezüglich mit Grün und Blumen dekoriert.

Der erste zahlreich besuchte Gottesdienst fand in der Hauptkirche zu Preungesheim, morgens zur gewöhnlichen Zeit um ½ 10 Uhr statt. Den Altardienst hielt der Pfarrgehülfe Rollmann, die Predigt der Ortspfarrer über Apostelgeschichte 2, 37 – 42. Nach der Liturgie und vor dem Hauptlied sang der Gesangverein des Herrn Lehrer Rohn (Die vier Gesangvereine hatten um die Ehre singen zu dürfen, gelost) die Motette: Preis und Anbetung sei unserem Gott. Die Gemeinde sang als Hauptlied No. 164: Wach auf du Geist der ersten Zeugen. Nach der Predigt aus
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No. 125: Komm o komm du Geist des Lebens, Verse 1 und 2. Hierauf folgte die Ansprache des Herren Generalsuperintendenten an die Gemeinde über Tit. 2, 11 – 14. Herr Generalsuperintendent nahm in derselben Gelegenheit, indem er an die Erinnerung anknüpfte aus seiner Zeit, wo er als Oberschulinspektor die hiesigen Schulen visitiert habe, dass die Schulprüfung zahlreich von Müttern besucht worden seien, an die Eltern und Erwachsenen die Ermahnung zu richten, dass sie doch auch der Kathechisation beiwohnen bzw. den sommerlichen Nachmittagsgottesdienst besuchen möchten, wie es früher auch hier gewesen und an anderen Orten noch Sitte sei. Nachmittags 2 Uhr fand die Prüfung der kathechisationspflichtigen Jugend von Preungesheim und Eckenheim in der Pfarrkirche statt, welcher auch viele Erwachsene beiwohnten. Die jungen Leute antworteten sehr munter und sprach sich der Herr Generalsuperintendent hernach lobend über die Religionskenntnisse unserer Jugend aus. Nirgend anders wo, sei ihm so gut geantwortet worden.
Nach 3 Uhr versammelten sich allmählich die Pfarrer der Classe im Pfarrhaus und fuhren um 4 ¼ in zwei von Eckenheimer Gemeindegliedern freundlichst gesandten Chaisen nach Eckenheim, welches ebenfalls zum Empfang des geliebten Oberhirten in Festschmuck prangte. Hier wurde zuerst die Kleinkinderschule besichtigt welche den Geistlichen insgesamt, besonders
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aber dem Herrn Generalsuperintendenten sehr wohl gefiel. Schwester Marie Spieß ließ mehrere Sprüchlein im Chor sagen und einige Liedchen teils geistlichen teils weltlichen Inhalts singen. Beim Beginn des Geläutes um 5 Uhr setzte sich der Zug der Geistlichen, gefolgt von den Kirchenältesten, die geistlichen im Ornat, nach der Kirche in Bewegung. Diese war ebenfalls bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach dem Eingangslied: Komm heiliger Geist, verlas Metropolitan Strobel am Altar den 118. Psalm und hielt ein freies Gebet. Dann sang der ältere Gesangverein den 23. Psalm „Der Herr ist mein Hirte“. Nach dem Hauptlied No. 233 „Ich weiß an wen ich glaube“ von Arndt folgte die Predigt über Hebr. 2, 1-4, welche dem Pfarrer von Berkersheim, Herrn Eugen Börsch, übertragen war. Nach derselben hielt Herr Generalsuperintendent vom Altar aus eine zweite Ansprache über Eph. 2, 19 – 22 und erteilte den Segen.

Die Generalvisitation hat einen sehr guten Eindruck gemacht und wird hoffentlich einen Segen zurück lassen.
Am 20. d.M. waren die sämtlichen Geistlichen der Classe in dem Hause des Metropolitans versammelt, wo der kirchliche und sittliche Zustand der einzelnen Gemeinden besprochen wurde.
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Am 14. August 9. Sonntag p. tr. feierte die Kleinkinderschule zu Eckenheim ihr erstes Jahresfest. Der Gottesdienst begann um 3 Uhr und war nicht bloß von den
evangelischen Einwohnern, sondern auch von den Nachbarorten zahlreich besucht. Pfarrer Naumann von Frankfurt hielt die Festpredigt über Römer 8, 14 – 17 der Ortspfarrer erstattete den Jahresbericht. Beide Gesangvereine verschönerten die Feier durch Gesang. Nach kurzer Pause fand noch eine Versammlung im Hof des neuen Schulhauses statt, in welcher außer Herrn Naumann noch mehrere andere Herrn Pfarrer sprachen. Sämtliche Ansprachen hatten den Segen der Kleinkinderschule für das christliche Leben der Gemeinde zum Gegenstand. Pfarrer Naumann zeigte, wie sich so leicht an die Kleinkinderschulen noch andere Vereine, in Sonderheit die eines evangelischen Männervereins mit Familienabenden anschließen lassen, Vereine welche zur Förderung evangelischen Lebens und evangelischen Bewusstseins so nötig und so förderlich seien. Um 7 Uhr wurde die Feier durch ein Gebet des Herrn Metropolitan Strobel und durch den Gesang des Liedes: „Ach bleib mit deiner Gnade“, geschlossen. Die Feier hat allgemein gefallen und wird hoffentlich auch Segen bringen.
Der Sommer 1892 war sehr heiß. Die heißesten Tage waren der 17., 18. und 19. Juli, wo die Hitze auf 33 Grad Reaumur im Schatten, 29 – 43 Grad in der Sonne, stieg sowie der 23. und 24. August. Es regnete, 2 kurze Gewitter am 29.
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Juni und 19. Juli ausgenommen, den ganzen Sommer nicht. Dennoch gab es bei uns wenigstens eine vorzügliche Ernte. Winter- und Sommerfrucht, Äpfel und Kartoffeln alles war wohl geraten, nur das Futter mangelte. In Eckenheim raffte die Diphtherie 8 Kinder im Alter von 2- 6 Jahren weg, weshalb die Kleinkinderschule auf 8 Wochen geschlossen wurde. Unter den Schulkindern trat sie viel milder auf. In Hamburg wütete die Cholera. Sie raffte seit 20. August wo die ersten Erkrankungen stattfanden bei 10 000 Menschen weg. Daher große Cholerafurcht durch ganz Deutschland. Bis zum Erlöschen der Choleraepidemie in Hamburg betrug die Zahl der daran Erkrankten 17 500, die der daran gestorbenen 7 589.
Am 18. September (dem 14. Sonntag n. trinitatis) feierten der Kirchenälteste Johann Adam Pfeiffer zu Eckenheim und dessen Ehefrau Margarethe geb. Porth in seltener Frische und Gesundheit ihre goldene Hochzeit. In dem zur Feier derselben stattgehabten Gottesdienst wurde dem Jubelpaar die ihnen von S. Majestät dem Kaiser huldvoll verliehene silberne Ehejubiläumsmedaille überreicht.
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