Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 11

Am 12. Mai 1883 wurde Wilhelm Beyer, Sohn des Missionars Beyer und geboren auf der Insel Borneo zum 3. (bzw. 2. Lehrer) in Eckenheim, ernannt. Der Staat übernahm den Gehalt mit 900 Mark wegen sonstiger schwerer Belastung der Gemeinde. Beyer stand vorher als Lehrer in Ringen in der Grafschaft Schaumburg.

1886 endlich wurde eine dritte Lehrerstelle gegründet, welche dem Lehrer Ernst Adolf Heinrich Peter bisher Lehrer zu Mosborn bei Bieber übertragen wurde. Er ist gebürtig von Ehlen in Niederhessen. Sein Gehalt bezieht er von der Gemeinde.

Nach Errichtung einer katholischen Missionspfarrei in Eckenheim und Erbauung eines katholischen Schul- und Bethauses wurde am 1. Juni 1885 in letzterem eine katholische Privatschule errichtet, welcher alle katholischen Kinder von Eckenheim, Preungesheim und Umgegend überwiesen wurden. Hierdurch wurden die Schulklassen wesentlich entlastet.

Am 1. Oktober 1887 wurde auf Anregung des königlichen Polizeipräsidiums eine Fortbildungsschule für die konfirmierte Jugend eröffnet, die leider nicht als Wohltat betrachtet wurde. Die beiden Lehrer Beyer und Peter wurden mit dem Unterricht betraut.

Am 24. Juli 1891 gelang es dem Pfarrer eine Kleinkinderschule in dem von der Gemeinde bereitwillig hergegebenen und auf Gemeindekosten zum Lehrzimmer eingerichteten Turnsaal, zu eröffnen.

Die Lehrerin heißt Marie Spieß von Dudelsheim bei Worms und ist in der Anstalt für Kinderpflegerinnen zu Nonnenweiher in Baden gebildet. Die Gemeinde ist für diese Einrichtung sehr dankbar, was sich besonders bei der ersten Weihnachtsfeier, die wegen der Kälte in dem Saal des Gastwirts Carl Müller, gehalten wurde, in besonders erfreulicher Weise, zeigte.
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Die Schule zu Berkersheim

Der erste Lehrer zu Berkersheim war Georg Using 1694. 1733 im Juni wurde Jakob Breitenstein zum Lehrer in Berkersheim bestellt. Derselbe ging 1746 nach Mittelbuchen und wurde statt seiner der Studiosus Simon Heuser von Hanau zum Schulmeister ernannt und am 27. November der Gemeinde vorgestellt. 1742 wurde ein neues Schulhaus gebaut. Das alte war 1695 ? 98 gebaut worden. 1693 und 94 war im Presbyterium schon über den Bau beraten worden. Am 7. Mai 1695 wurden die reformierten Einwohner ermahnt, das Material anzuschaffen. Am 8. Juni wurden die Ziegeln bestellt, aber erst 1698 wurde es vollendet. Der Zimmermann bekam eine Entschädigung von 2 fl. der wegen der vielen falschen Heller, womit er ausbezahlt worden war. 1699 wurde der Gemeindebäcker zum Glöckner bestellt, vielleicht das dieser die Schule mit versah. 1695 wurde das Kirchengut, d.h. ein Teil desselben dem Falk genommen und zur Schule gegeben. Wegen des Grund und Bodens musste man sich mit den Predigermönchen (Dominikanern) in Frankfurt auseinandersetzten. 1728 bekam der Lehrer wegen der Freischule (weil das Schulgeld aufgehoben ward) 6 Gulden von Hanau und 2 Gulden aus der Preungesheimer Almosenbüchse.

Nachdem sich in Berkersheim unter dem Schutz des Junkers Schelm von Bergen eine lutherische Gemeinde gebildet hatte, entstanden viele Streitigkeiten über Teile des Schulguts, welche der lutherische Centgraf der reformierten Schulstelle entziehen und
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dem lutherischen Schullehrer zuwenden wollte. Simon Heuser (oder Heins) starb am 26. November 1782, nachdem er das Schulamt in Berkersheim 36 Jahre bekleidet hatte. Ihm folgte

Johannes Hufnagel von Hintersteinau. Er wurde am 16. März 1783 dem Presbyterium vorgestellt und an seine Amtspflichten erinnert, bewährte sich aber nicht. Er ergab sich dem Trunk und lebte mit seiner Frau in stetem Zank und Streit. Nicht allein, dass er dieselbe stets misshandelte, sondern er äußerte in nüchternem Zustande gegen des David Hamburgers Ehefrau, er würde nicht ruhen bis er seine Frau ermordet habe, er wolle ihr mit der Holzaxt den Kopf abhauen. Diesen Vorsatz habe er auch, so berichtet das Presbyterialprotokoll, nachdem er sich tüchtig betrunken, auszuführen gesucht. Die Schulmeisterin habe, als er hingegangen sei, die Holzaxt zu holen, in der Angst die Stubentür verriegelt und um Hülfe gerufen. Die Nachbarn hätten die Frau durch das Fenster gerettet eben als Hufnagel die Tür mit der Holzaxt eingeschlagen habe. Der ganze Ort fürchtete sich vor dem Lehrer, die Schulkinder zitterten vor ihm. Hufnagel wurde 1802 abgesetzt und auf Fürsprache der Gemeinde der Schulgehülfe

Wilhelm Knöll von Preungesheim mit der Schulstelle betraut unter der Bedingung, dass er der Ehefrau des Hufnagel und ihren 5 unmündigen Kindern 50 fl. von der jährlichen Schulbesoldung abgebe, solang es dem Consistorium gefiele.

Die Besoldung bestand aus folgenden Stücken:
1. Aus dem Preungesheimer Kirchbau 6 fl,
2. Aus dem Berkersheimer Kirchbau 4 fl. 23 Albus,
3. An Gärten, Äckern und Wiesen, 13 Morgen, ¾ 38 Ruthen = 6 Fuder
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4. An Zehnten von 45 Morgen Hofgut 3 Fuder,
5. An Glockensichlingen ½ Fuder,
6. An Festlaiben etwa 50 Laibe,
7. An Holzgeld etc. 15 fl.
8. An Zehntwärterlohn 4 Malter Frucht.

Die lutherische Schule wurde 1731 eingerichtet. Das Schulhaus stand auf einem Platz, welchen der Junker Schelm von Bergen, dazu hergab. Nahe dabei wurde 1766 die lutherische Kirche gebaut. Nach Einführung der Union wurden die beiden Lehrerstellen vereinigt, das lutherische bei der Kirche gelegene Schulhaus verkauft, das reformierte aber, als das Bessere, beibehalten, da es 1812 abgebrannt und neu aufgebaut worden war.
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Grabschrift rechts des westlichen Eingangs zur Kirche

1. Des Pfarrer Scheerer S. p. 17.
2. Der Ehefrau des Pfarrer Lucius.

Hier liegt mit ihrem Soehnlein begraben, die edle und tugendsame Frau Elisabetha Margaretha des ehrwuerdigen und wohlgelahrten Herrn Johannis Henrici Lucii wohlverordneten Pfarrers in Breuningsheim eheliche Hausfrau ihres Alters
22 Jahr

anno 1676.
Der Gerechte wird weggerafft vor dem Unglück und die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern.

Die Kirche scheint in frühester Zeit (vor dem 30-jährigen Krieg) ein Seitenschiff gehabt zu haben. Hierauf deuten die an der Südseite in der Mauer noch sichtbaren Bogen, welche zugemauert worden sind, und innerhalb deren sich die jetzigen Fenster befinden. Der Turm hatte einen rundbogigen Eingang an der Westseite.

Beim Amtsantritt des Pfarrer Junghans war die Kirche neu in Oel gelegt. Dies war sehr nötig da bei seinem ersten Besuch nach Carls Tod bot dieselbe den Anblick einer schrecklichen Verwahrlosung, so dass die ihn begleitende Ehefrau darüber in Tränen ausbrach.
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Personalbeschreibung der Pfarrer

(Fortsetzung von p. 18) Friedrich Wilhelm Junghans

Er wurde geboren zu Grebenstein im Kreis Hofgeismar, wo sein Vater Justizbeamter war, am 21. Mai 1830. Achtjährig folgte er seinem Vater, welcher als kurhessischer Obergerichtsrat nach Hanau versetzt wurde und besuchte das dortige Gymnasium, an dem er 1848 das Maturitätsexamen bestand.

Von 1848 ? 1851 studierte er in Marburg Theologie. Nach bestandenem Fakultätsexamen wirkte Junghans eine Zeitlang in Fulda als Lehrer der evangelischen Töchter daselbst. Im Frühjahr 1852 wurde er zum examen pro ministerio einberufen. Nachdem er dieses bestanden, wurde er am Sonntag Judica vom Superintendenten Eberhard zugleich mit dem jetzigen Herrn Generalsuperintendenten Fuchs in der Hanauer Marienkirche ordiniert und als Gehülfe dem Pfarrer Rauch zu Langenselbold beigegeben. Hier blieb Junghans bis zum Herbst 1853, wo er durch den Fürsten von Isenburg- Birstein auf die Pfarrei Kirchbracht im Vogelsberg präsentiert wurde. Am 1. Oktober 1853 zog er dort auf. Hier wirkte der Schreiber dieses bis zum Jahr 1862, wo er auf sein Nachsuchen nach Hüttengesäß versetzt wurde. In Hüttengesäß verwaltete er das Pfarramt 12 Jahre, ward
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aber 1874 im Frühjahr auf die dritte Pfarrstelle an der Johanneskirche zu Hanau befördert. Nach 13 jährigem Aufenthalt in Hanau meldete er sich auf die durch den Tod des Consistorialrath Carl erledigte Pfarrstelle zu Preungesheim und wurde durch rescript vom 29 Juni 1887 zum Pfarrer für hier und Eckenheim ernannt.

Am 10. September zog Pfarrer Junghans hier auf und wurde der Gemeinde am 18. d.M. durch Herrn Superintendenten Wendel in Hanau unter Assistenz des Metropolitans Strobel von Bockenheim im sonntäglichen Gottesdienst vorgestellt. Gott segne sein Wirken, damit es geschehe zu Seiner Ehr und zur Auferbauung seines heiligen Reiches. Das walte Gott. Amen.

Die Namen der ihm beigegebenen Gehülfen sind folgende:
1. Gleim von Kassel vom 1. März 1887 bis 1. Dez. d.J. kam von hier als 2. Pfarrer nach Treisa bei Ziegenhain.
2. Otto Schloßer von Reichenbach im Odenwald vom 15. März 1888 bis 15. Oktober d.J. Schloßer kam als 3. Pfarrer in die Tann.
3. Otto Zehner von Hanau vom 15. März 1889 bis 1. Oktober d.J. ging ab um seiner Militärpflicht zu genügen.
4. August Herchenröder von Langendiebach vom 1. Juli 1890 bis zum 1. August 1891. Kam als Hülfspfarrer nach Fulda.
5. Rudolf Rollmann von Fulda vom 1. November 1891 an. Derselbe nahm wegen angegriffener Gesundheit am 1. April auf 8 Wochen Urlaub und wurde während dieser Zeit durch den Pfarramtskandidaten Justus Mainz von Rothenburg vertreten. Rollmann wurde am 15. November
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zum Gehülfen des 88-jährigen Pfarrers Bode zu Wachenbuchen ernannt und verließ Preungesheim nachdem er die letzten 4 Wochen wieder auf Urlaub in Wiesbaden zugebracht hatte, am 30. November. An seine Stelle trat

6. Julius Hofmann aus Gertenbach, wo sein Vater Karl Hofmann Pfarrer gewesen war. Er trat ein am 13. Dezember und predigte zum 1. mal in Eckenheim am 4. Adventssonntag, den 18. Dezember 1892.

Derselbe wurde am 15. April 1893 wieder abberufen und kam als Hülfspfarrer nach Niederaula. Für ihn trat ein

7. Der cand. theol. Wilhelm Weber von Fulda (cons. Schreiben vom 23. März 1893 C. No. 3923) Derselbe ging am 26. März 1894 wieder ab, um in Straßburg seiner Militärpflicht zu genügen.

8. Friedrich Wilhelm Ernst von Kintzell , Sohn des Majors a.D. von Kintzell zu Cassel, trat ein am 1. April 1894. Derselbe wurde nach 6 Monaten als Ausbildungskandidat nach Hanau versetzt und Pfarrer Lamm an der Johanneskirche beigegeben. Ihm folgte am 1. November 1894

9. der Kandidat des Predigtamtes Wilhelm Roinfeld von Eichen, Sohn des Pfarrers Ernst Roinfeld daselbst. (Consistorialschreiben vom 15. September 1894 C 7508) Kandidat Roinfeld wurde nach bestandenem Pfarrexamen am Sonntag Judica (31. März) in Cassel ordiniert, aber schon am 1. Mai 1895 wieder abgerufen und als Hülfspfarrer auf die neu errichtete Pfarrei Schlierbach bei Wächtersbach versetzt.

Da die Gemeinde Eckenheim mittlerweile um Anstellung eines eigenen Pfarrers bezüglich um Errichtung einer selbständigen Pfarrei Eckenheim eingekommen war, auch der Ortspfarrer einer
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Entlastung durch einen ordinierten Gehülfen dringend wünschte, so wurde durch Consistorialbeschluss vom 8. April 1895 C No. 3440 der bisher in Altenhasslau fungierende pastor extr. Hermann Seyb von Bergen Sohn des dortigen Lehrers Seyb, zum Gehülfen der Pfarrei Preungesheim mit dem Wohnsitz in Eckenheim bestellt.

Am 23. April 1895 erschien als Commissar des königlichen Consistoriums Herr Consistorialrat Stölting in Begleitung des kommissarischen Landrats von Frankfurt ? Land ? Herrn Regierungsassessor Clairon D`Hanssonville, um die nötigen Verhandlungen über die Abtrennung der Pfarrei Eckenheim mit dem Pfarrer und den beiden (großen) Presbyterien einzuleiten. Dieselben verliefen für alle Teile in befriedigender Weise.

Am 4. Mai zog Pfarrer Seyb in Eckenheim auf und hielt tags darauf am Sonntag Jubilate seine 1. Predigt in Eckenheim.

Durch Beschluss des königlichen Ministerium für Cultur-, Schul- und Medizinalangelegenheit vom 25. Juli 1895 G I No. 11308 ist die Gemeinde Eckenheim und zwar vom 1. August an zur selbständigen Pfarrei erhoben worden und soll bis zum 1. Oktober daseitig besetzt werden. Dies wurde dem Presbyterium am 11. August bekannt gemacht und demselben zugleich aufgegeben bis zum 1. Oktober ein Pfarrhaus bereit zu stellen.
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