Die Pfarrchronik

Pfarrchronik Teil 10

Die Reparatur des Stalles sollte bis zum Sommer verbleiben .1669 wurde ein neuer Lehrer angestellt Wilhelm Burschel und am 26. Juni in sein Amt eingeführt. Er hieß Wilhelm Burschel und war vorher Schullehrer in Alten-Kösslin (in Pommern ?) gewesen. Aber er bewährte sich nicht. Er hielt die Kirche nicht sauber, denn er wurde mehrere Male (3. Dezember 1667 und 7. Mai 1668) vor dem Presbyterium ermahnt, die Kirche besser zu reinigen. Ebenso wurde er ermahnt, sich eines sinngezogenen Lebenswandels zu befleißigen, mit der Drohung, er würde sonst dem Consistorium angezeigt werden. Kurz darauf wurde er, weil er den Almosensäckel bestohlen hatte, entlassen. Sein Nachfolger war Wilhelm Nagel (vom 1. November 1670 bis 6. November 1687). Noch vor seiner Bestellung beschloss das Presbyterium die Besoldung um etwas aufzubessern und auch einen Stall ans Schulhaus zu bauen, „damit sich der Schulmeister ein wenig Vieh halten könne“.

Nagels Nachfolger war Johann Friedrich Schumann vom 6. November 1687 bis Ostern 1691. 1688 wurde das Schulhaus repariert, wozu alle drei Gemeinden beitragen. In diesem Jahr weigerte der Junker Schelm von Bergen zu Berkersheim Pfarrer und Lehrer den Zehnten von seinen Äckern, welcher von dem Amt zu Bergen mit Gewalt beigetrieben wurde. Ferner finden wir im Presbyterialprotokoll den Eintrag: 1688 20. Mai wurde dem Schullehrer 3 Morgen (vom Kirchengut) im Hesslerfeld überlassen, wegen Futtermangel; ebenso 1689, ob aber diese Güterstücke dem Schullehrer blieben oder zurückgenommen wurden, geht aus den Akten nicht hervor, dagegen wurde 1691 der Oberwiesenweg zur Schule gegeben für das 8.00 Uhr (Abend)-Läuten. Schumann scheint ein treuer Lehrer gewesen zu sein. Ebenso sein Nachfolger
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Karl Valentin Klauer ,

welcher bis 1732 wirkte. Er war seines Handwerks ein Schneider und wurde 1698 im Presbyterium ermahnt während der Schule seine Schneiderei liegen zu lassen und bei den Kindern auf- und abzugehen; auch solle er das Läuten besser besorgen als bisher. Klauer starb am 4. April 1732, 66 Jahre alt. Sein Sohn

Johann-Phillipp Klauer,

welcher des Vaters Stelle bekam, war dagegen ein sehr übler Patron. Schon Pfarrer Bröske hatte viele Klagen über ihn. Pfarrer Cress sah sich genötigt im Presbyterium nachfolgendes gegen Ihn vorzubringen: „Er frage nicht nach den Betstunden, habe den Koth über Ostern in der Kirche liegen gelassen, reiße seiner Frau gegenüber in der Schule viel garstige Zoten und Flüche, gebe den Kindern allerlei Unnamen, befolge nicht die vom Presbyterium gemachte Ordnung, wodurch er verpflichtet sei, beim zweiten Geläut die Kinder in der Schule zu versammeln, das Predigtlied mit ihnen einzuüben, das Evangelium zu verlesen und sich samt den Kindern durch inbrünstiges Gebet auf den Gottesdienst vorzubereiten, er habe die Schule schon vor Ostern geschlossen und den ganzen Sommer keine Schule gehalten, mit einem Wort, er mache wahr, was seine boshafte Schwester gesagt habe: „Der Pfarrer möge machen, was er wolle, ihr Bruder täte doch, was ihm gefiele. Er ei überhaupt sehr „importun“ (unverschämt) gegen ihn den Pfarrer und seine Familie. Er habe als er, der Pfarrer, des Schullehrers Frau zur Taufe seines Kindes eingeladen, zu dieser gesagt, Er schlage ihr Arm und Bein entzwei, wenn sie hingingen, auch drei Batzen Taufgeld, von ihm genommen“. Die Kirchenältesten fügten hinzu, dass er beständig unter der Predigt mit den Schulmeistern von Eckenheim und Berkersheim, plaudere. Er wurde dem Consistorium zur Anzeige gebracht und von diesem mit Absetzung bedroht. Kurz darauf kamen neue Klagen über
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Schimpfreden, die er sich gegen die Gemeinde erlaubt, hatte. “ Er wolle sich den Kopf abhauen lassen, wenn sie in zehn Jahren die erkaufte Orgel bezahlen könnten, indem sie alle Lumpen seien“. Klauer wurde 1747 nach Echbach versetzt. An seine Stelle kam als Schullehrer von Preungesheim

Johann Adam Schäfer ( 1747 – 1774 )

von Dorheim. Er stand vorher in Obereschbach, weil er aber mit seinem Pfarrer in Unfrieden lebte, musste er auf Befehl des Consistorium mit Klauer tauschen.1741 hatte unter Pfarrer Cress eine neue Verbesserung der Lehrerbesoldung stattgefunden. Dem Lehrer wurden 5 Morgen Kirchengut im Eckenheimer Feld überlassen gegen die Verpflichtung, die Orgel zu spielen. Dagegen wurde den Kindern das Schulgeld erlassen, der Lehrer aber musste auf 2/achtel Korn, welche er aus der Kirche bekam, verzichten. 1754 waren 12/achtel drei Simmer zwei Gescheid Pacht Korn vom Kirchenboden abhanden gekommen. Der Lehrer, welcher den Schlüssel zum Boden hatte, sollte sie ersetzen, da man ihn in Verdacht hatte, das Korn selbst entwendet zu haben. Ob dies geschehen, ist nicht gesagt. 1774 wurde der Lehrer

Wilhelm Klauer

vom Presbyterium in sein Amt eingeführt und ihm dabei Nachfolgendes zur Pflicht gemacht:

1. Solle er nach dem Befehl des Consistoriums jeden Sonntag beim zweiten Geläut die Kinder in der Schule versammeln und auf die Katechisation vorbereiten.

2. Auf die entartete und mutwillige Jugend wohl Acht geben.

3. Die Sommerschule sogleich anfangen.

4. Niemand auf die Orgel lassen.

5. Sich zur Verbesserung seines Einkommens nach einer Zehntenstelle umsehen.

Klauer entsprach nicht den Erwartungen, die man auf ihn gesetzt hatte. Er legte sich auf die schlechte Seite und wurde ein Trinker. Schon auf der Kirchenvisitation von 1780 war er vom Inspektor Endemann
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zur Besserung ermahnt worden. Aber er trieb es noch schlimmer. Am 5. Juli 1783 hatte er im Wirtshaus den Kirchenältesten im Trunk beleidigt und war von diesem und seinem Sohn so geprügelt worden, dass er den Tag darauf keinen Gottesdienst halten konnte. Das Jahr darauf wurde er wegen seiner schlechten Aufführung seines Amtes entsetzt und der Schuladjunktus Müller von Eckenheim mit Versehung der Schulstelle beauftragt. Klauers Nachfolger war

Andreas Knöll

seitheriger Schullehrer von Eidengesäss. Er wurde am 28. November 1784 in sein Amt eingeführt und der Gemeinde vorgestellt. < Zusatz 27 Seite 28 > Bei der durch Einführung der Union befohlenen Vereinigung der lutherischen und der reformierten Schule wurden Knöll die Knaben, dem bisherigen lutherischen Schullehrer Justus Römer die Mädchenklasse übertragen. Die lutherische Schule war 1777 gegründet worden, zählte aber bei der geringen Anzahl der lutherischen Einwohner nur wenige Kinder. Der Gehalt des Lehrers war auch so gering, dass er nebenbei ein Handwerk treiben musste, um sich ernähren zu können. Römer war ein Schuhmacher. Knöll wirkte an der Preungesheimer Schule bis zum 31. Dezember 1827, wo er nach 52-jähriger Dienstzeit, weil fast erblindet, pensioniert wurde. In Preungesheim war er 43 Jahre Lehrer gewesen. Justus Römer starb am 27. Juni 1848 alt 80 Jahr 5 Monat und 1 Tag. Er war von Marburg, wo sein Vater Schuhmacher war. Bei der Pensionierung seines Kollegen Knöll bekam er das Schulgut, musste aber davon den Pensionär bis an seinen Tod 120 Gulden abgeben. Er selbst wurde 30.9.1836 pensioniert.

1838 wurde ein Lehramtskandidat

Karl Wiederhold 20.4.38 provisorisch 4.1.37

1840 Johannes Braungart

von Windecken zum Lehrer von Preungesheim ernannt. Braungart, gestorben
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als Rektor zu Bockenheim steht noch in gutem Andenken. Es war ein tüchtiger Lehrer von entschieden christlicher Gesinnung. < Zusatz 29 S. 28 b >. Weil er in seiner Dienstwohnung ?? Connvertitel ?? hielt, wurde ihm solches auf Anzeige des noch rationalistisch gerichteten Pfarrer Laupus verboten. Braungart hatte bei großer Kinderzahl und dürftigem Einkommen viel mit Not zu kämpfen. 1848 erschien eine Verordnung des Ministerium über Trennung des Küsterdienstes von der Schule. Der Küster wurde dadurch berechtigt, den mit dem Gottesdienst nicht unmittelbar zusammen hängenden Funktionen auf seine Kosten durch einen Anderen versehen zu lassen. (Läuten, Stellen der Uhr, Reinigen der Kirche, Instandhalten des Friedhofs etc) Es fanden in Folge davon lange Verhandlungen zwischen dem Presbyterium und Braungart statt, dieser wollte den Stellvertreter weder bezahlen noch die für den Küsterdienst bezogene Emolumente (2 Malter Korn etc.) abgeben. Nach längeren Verhandlungen willigte Braungart dennoch ein und wurde das Arrangement vom Consistorium bestätigt unter der Bedingung, dass Braungart auch auf den 1 fl. für Stellen der Uhr verzichtete. Es wurde ein Kirchenvogt für die niederen Geschäfte mit 18 Gulden Gehalt angestellt, sodass Braungart nur 7 Gulden zulegen musste.

Auf Braungart folgte

Johann Georg Aschenbrenner (6.2.1853 )

von Schmargenfels. 1853 erneuerte sich mit ihm dieselben Verhandlungen über das Geläut etc., in dem sich auch die Eltern der Schulkinder weigerten die Knaben für den Lehrer das Geläut besorgen zu lassen. Aschenbrenner sollte sich bereit erklären, monatlich 1 Gulden an den Kirchendiener abzugeben, wogegen ihm die Gemeinde die Schulscheuer überlassen wollte, aber auch er ging nicht darauf ein. Aschenbrenner kam von hier nach Bornheim. Ihm folgte

Wilhelm Weiß von Hofgeismar.
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1866 wurde die Besoldung auf Antrag des Lehrers reguliert und eine neue Competenz aufgestellt. Am 21.9. d.J. fand die Ablösung des dem Lehrer in der ?? „Heltugsgrmonn“ ?? zustehenden Zehnten statt. Die Ablösungssumme betrug 100 fl, welche die Gemeinde mit 5% verzinst. Da Lehrer Weiß unverheiratet war und den Schulacker nicht selbst bestellen wollte, so schloss er mit der Gemeinde einen Vertrag ab, wodurch er derselben das aus 12 Morgen Ackerland und 3 Morgen Wiesen bestehende Schulgut für eine jährliche Pachtsumme von 155 fl. (266 M 50 Pfennig) überließ. 1873 wurde eins von diesen Grundstücken “ Auf den langen Röden“ in Eckenheimer Gemarkung für 500 rg (Rheinische Gulden?) verkauft und der Erlös in 4% Kurhessischen Obligationen angelegt. Desgleichen ein Schulacker im Preungesheimer Feld für 600 Mark, welche die Gemeinde verzinst. 1883 die Glockensichlinge und Festlaiber mit 8.025 Mark abgelöst, dass Kapital in Rentenbriefen verzinslich angelegt. 1883 21. März hat die völlige Entbindung des Lehrers vom niederen Kirchendienst durch Anstellung eines Kirchenjungens statt. ; Das „Zeitläuten“ übernahm die Gemeinde; Der Lehrer behielt Aufsicht und Verantwortung, wofür er die kirchlichen Emolumente < hier „Nebeneinkünfte“> fortbezieht. Lehrer gab durch seinen Lebenswandel vielfachen Anstoß und war deshalb verschiedentlich (1873, 74, 78 ) in Untersuchung. Näheres sagen die Akten. Da auch seine Leistungen den Anforderungen nicht entsprachen und je länger, je geringer wurden, so wurde er am 8. März 1887 mit 964 Mark (600 Mark aus der Staats-, 364 aus der Gemeindekasse) pensioniert, welche Pension später auf 1300 Mark erhöht wurde.

Jakob Reich von Mittelbuchen.

Durch allmähliches Wachstum des Orts hatte sich die Anstellung eines zweiten Lehrers bzw. Errichtung einer zweiten und dritten Klasse als notwendig erwiesen. Am 6. April 1868 wurde
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Jakob Reich als zweiter Lehrer berufen. Er war in Lichtenstern ausgebildet und vorher Hülfslehrer am evangelischen Waisenhaus in Hanau. 1867 wurde ein neues Schulhaus gebaut, wozu die Pfarrei den Bauplatz hergab. Kaufpreis.

Nach der Pensionierung des Lehrers Weiß erhielt Lehrer Reich die erste Lehrerstelle. Es wurde ihm auf sein Ansuchen erlaubt (R.B. vom 27.4.87) in seiner Wohnung wohnen zu bleiben. Er trat in den von Weiß etc. betreffs des Schulguts geschlossenen Vertrag ein.

Als zweiter Lehrer ward der Lehramtskandidat Johannes Weizel von Steinau angestellt.

Schon 1888 stellte sich die Notwendigkeit heraus eine dritte Lehrkraft einzustellen. Am 25. 6. 1888 wurde deshalb der Lehramtskandidat Jakob Kerber von Frankfurt am Main als dritter Lehrer anher gesandt und ihm Classen 3 und 4 übertragen.

Um der Gemeinde den Bau eines Schulhauses zu ersparen wurde auf Antrag des Ortsschulinspektors die Lehrerwohnung im alten Schulhaus in einen Lehrsaal um
gebaut und im Herbst 1888 in Gebrauch genommen. Ein Streit zwischen Reich und Weizel wegen der Schulsteuer zu Gunsten des ersten entschieden.

Ostern 1889 wurde Weizel als Lehrer an die Strafanstalt Preungesheim berufen und einstweilen (4.4.89) dahin beurlaubt. Mit Versehung der zwei Classen wurde der Lehramtskandidat Adolf Grebe von Frankfurt beauftragt. Nach Entlassung Weizels aus dem Schuldienst des Regierungsbezirks Wiesbaden aber
Andreas Rohn von Kilianstätten am 14. September 1889 zum zweiten Lehrer von Preungesheim ernannt.

Die dritte und vierte Classe wurden bis Ostern 1894 von dem Schulamtskandidaten Jakob Kärber von Frankfurt, von da an von dem Schulamtskandidaten Wilhelm Lehr versehen. Jakob Kärber kam nach bestandenem zweiten Examen als Lehrer nach Frankfurt.
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Die Schule zu Eckenheim

Die Schule zu Eckenheim wurde erst 1726 unter Pfarrer Bröske errichtet. Johann Balthasar Mostert von Wachenbuchen war der erste Lehrer daselbst. Zum Schulhaus kaufte die Gemeinde das Wohnhaus des Johannes Schwab für 180 Gulden! Zum Ankauf des Schulhauses gab jeder Nachbar 3 Gulden. Mostert wurde vom Consistorium angenommen, nachdem er vom 1. Advent an „seine Probe allhier gesungen“. Am 14. Dezember wurde er in W. abgeholt.

Als Besoldung wurden Mostert nachfolgende Competenzen zugesichert:

1. jährlich 2 Brodgänge von 24 Nachbarn.
2. von jedem Kind ein halber Gulden Schulgeld und die Holzscheiter.
3. Die Glockensichlinge
4. Die Glockenwiese.
5. Ein-achtel Korn aus dem Kirchbau zu Eckenheim.
6. Zwei Gulden aus den Almosen zu Preungesheim.
7. Was die Gemeinde dem Lehrer zu Preungesheim bisher an Geld gegeben.
8. vier-achtel Korn aus der Gemeinde von wegen des Zehnten.

Die folgenden Lehrer waren:

Johannes Euler von Hanau 1729. Von diesem heißt es 1732, er habe sich nicht zum besten gehalten und seinen Abschied hinter der Tür genommen, worauf der Gemeinde
Balthasar Horst von Kilianstätten vom hochlöblichen Consistorium als Schullehrer zugeschickt wurde.
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Philipp Kaspar Hofmann von Steinau 21. November 1742.

Anton Müller, Johannes Müllers Sohn von Eckenheim trat am 6. Dezember 1749 an die Stelle des Schullehrer Hofmann, welcher nach Bischofsheim versetzt wurde. 1776 als Müller hoch betagt und nicht mehr im Stande war Schule zu halten, wurde ihm sein Sohn als Adjunktus beigegeben. Er erhielt wegen seines Fleisses und seiner guten Leistungen bei der am 25. August 1780 abgehaltenen Kirchen- und Schulvisitation vom Inspektor Endenmann ein besonderes Lob, das Presbyterium gewährte ihm ein Douceur von fünf Gulden. Müllers Nachfolger war nicht sein Sohn, sondern
Der Schulmeister Wenzel, welcher von Eckenheim nach Bischofsheim ging, worauf das Consistorium den
Johann Paul Sopp 1796 zum Schullehrer in Eckenheim ernannte. Er starb am 4. Juni 1817, 53 Jahre alt.
Ihm folgte sein Sohn Georg Philipp Sopp
Nachdem durch die Hanauer Synode von 1818 die Union der reformierten und lutherischen Gemeinden eingeführt worden war, sollten auch in Eckenheim die beiden Schulen, die reformierte und lutherische vereinigt werden. Das Consistorium verfügte diese Vereinigung in der Art, dass der reformierte Lehrer Sopp die Knaben, der bisherige lutherische Lehrer Georg Philipp Porth dagegen die Mädchen übernehmen sollte. Aber damit waren insbesondere die früher lutherischen Gemeindeglieder nicht einverstanden. Porth stützte sich auf sein Consistorialrescript, die Gemeinde behauptete, Sopp könne keinen genügenden Rechenunterricht erteilen. Es kam sogar zu Unordnungen, indem die Knaben, als es Porth verboten war, solche anzunehmen, sich vor der Tür, auf der Straße aufstellten und Gesangsbuchlieder sangen. Nach vielen Verhandlungen
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fügten sich die lutherischen in die neue Ordnung der Dinge. 1838 wurden beide Schulen unter dem 1. (in Friedberg ) seminaristisch ausgebildeten Lehrer
Konrad Bopp von Schmalheim miteinander vereinigt. Von 1853 bis 1857 wirkte der jetzt in Erbstadt stehende
Friedrich Becker an der Schule. Ihm folgte am 1. November 1857
Friedrich Weigand. Weigand erlitt in Folge eines in dem Hof der Lehrerwohnung ausgebrochenen Brandes vor Schrecken einen Schlaganfall, der ihn zur Fortführung seines Amtes untauglich machte. Am 29. Juni 1883 brach nämlich in der Schulscheuer aus noch heute unbekannten Ursachen Feuer aus und legte dieselbe in Asche. Am 18. Juli erlitt Weigand den Schlaganfall, der sich am Weihnachtsabend des Jahres 1884 wiederholte und seinem Leben am 28. Dezember d.J. ein Ende machte. Er war von Marköbel und genoss die Liebe und Achtung der Gemeinde in hohem Grade.

Durch das Anwachsen des Orts herbeigeführt durch den Zuzug vieler Fremden in Folge des Gesetzes über die Freizügigkeit war die Schülerzahl so gewachsen, dass die Anstellung eines Zweiten und bald auch die eines dritten Lehrers nötig wurde.

1871 wurde der in dem Armenschullehrerseminar zu Lichtenstein im Königreich Württemberg ausgebildete Schulamtskandidat Martin Kurz von Hanau zunächst als Hülfslehrer mit 150 fl. Gehalt incl. Wohnung, welche die Gemeinde mieten musste angestellt. Der Unterricht für die zweite Classe wurde erst nachmittags im Schullokal der 1. Classe, später in einem zu dem Zweck gemieteten Wirts- und Tanzsaal gehalten, was viele Unzuträglichkeiten mit sich brachte. Man musste deshalb zum Bau eines neuen Schulhauses schreiten, welches auf einem von der Pfarrei abgegeben Grundstück mit einem Staatszuschuss von 10 000 Mark erbaut und 1882 vollendet wurde. Dasselbe wurde am 27. August eingeweiht.
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