Die Pfarrchronik


Pfarrchronik Teil 1

Entstehung, Bildung und Dotirung der Pfarrei, Patronatsverhältnis

Preungesheim ( Breuningsheim, Bruningesheym, Bruningen) das Heim Brunings, Söhne oder Nachkommen Brunos, ist offenbar eine uralte Siedelung, welche wohl schon vorhanden war, als die Römer z.Zt. Christi den Rhein überschritten und nach Erbauung der Kastelle zu Wiesbaden, Homburg (Saalburg) Gross-Krotzenburg, Kesselstadt und Friedberg die Gegend mit römischen Veteranen bevölkerten und eine halbe Stunde von hier jenseits der Nidda zwischen Heddernheim und Praunheim das alte Artaunum oder den Vicus Novus gründeten.

Hierauf deutet der eigentümlich gestaltete, ungewöhnlich hohe und noch gut erhaltene Grabhügel, den wir an der nordwestlichen Seite des Dorfes mitten in dem sumpfigen Wiesengrund finden, von der Kirche, welche auf sanft abfallender Höhe steht, nur ein paar hundert Meter entfernt und nur durch die so genannte Weinstraße durch sie getrennt.

Das Volk nennt ihn den Bachberg, weil er unweit des kleinen Bachsliegt, den das Wiesenthal durchfließt und glaubt es sei in alten Zeiten eine jüdische Grabstätte gewesen, wir aber müssen nach
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Bilder: Pfarrchronik

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Lage und Konstruktion unbedingt als so genanntes Hünengrab und zwar als die gemeinsame Grabstätte eines Stammes oder einer großen Familie ansprechen. Dies zeigt auch der Umstand, dass bei dem Versuch, den die Anlieger machten, den Hügel wenigstens theilweise abzutragen, sich in demselben eine Menge Scherben und Knochenreste gefunden haben. Ich selbst wohnte einem solchen Versuch bei, welcher die Reste einer aus halb gebranntem Ton bestehenden Graburne, wie man sie in den prähistorischen Gruben findet, Schädel, Schulterblatt und Rippen eines Menschen sowie Zahn und Schenkelknochen eines Pferdes zu Tage förderte. Obgleich gewiss im Lauf von mehr als zwei Jahrtausenden zusammen gesunken ist der doch noch fünf bis sechs Meter hoch. Seine Erhaltung verdankt er unstreitig 1: seiner Lage im sumpfigen Wiesengrund wo eine Abfuhr der Erdmassen nur bei hartem Frost möglich ist und 2. dem Umstand dass er aus schwerem Kalk und Lehm besteht, welcher sich im Laufe der Zeit um etwas senkte, während die aus Sand gehäuften Erdhügel in unserer Gegend überall durch den Regen nach und nach abgeschwemmt und dadurch an vielen Orten fast unkenntlich geworden sind. Ganz nahe dabei liegt der einzige Quellbrunnen des Ortes, dessen Fassung ebenfalls auf hohes Alter deutet. In der Nähe solcher Quellen fanden ja überall die ersten Ansiedelungen statt, vielleicht auch dass ein heiliger Hain die Quelle umgab, in dem man die Glieder des Stammes zu gemeinsamer Ruhe bettete. Nach Anlage der römischen Niederlassungen zu Heddernheim ( vicus Novus) und Vilbel (Villa Bella) führte die beide verbindende Straße unweit davon
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vorbei. Es ist die so genannte Weinstraße, offenbar die älteste von West nach Osten ziehende Straße des Orts. Es ist der alte Weg von Mainz in die Wetterau, eine Fortsetzung der Elisabethenstraße ( Alter Römerweg von Kastell bei Mainz nach dem Vicus Novus) der im Mittelalter als Hauptverkehrsweg zum Transport des rheinischen Weins ins Hessenland und weiter benutzt wurde und in den ältesten Urkunden diesen Namen führt. Da wo er die andere Hauptstraße des Orts, die Landstraße, Frankfurt nach Homburg schneidet, setzt er sich als „Viehweg“ in der
Richtung nach Vilbel fort und dürfen wir wohl in demselben die alte Römerstraße erkennen.

Da das Christenthum schon in der Römerzeit in unserer Gegend neben dem von den Legionen mit gebrachten Mithrasdienst Eingang gefunden hat, so ist es nicht unmöglich, dass inmitten der Niederlassung der Bruninger hart am Weg auf der Stelle wo jetzt die Kirche steht, dem Christengott ein Kapelle gebaut wurde, die aber sicher im 3. Jahrhundert durch den Allemannenansturm zu Grunde ging. Aber nachdem die Franken (sich) des Dekumatenlandes bemächtigt und Chlodwig sein Haupt unter die Taufe gebeugt hatte, haben die schwarzen Sendboten aus dem grünen Erin , die so genannten Schotten, deren Führer der heilige Kilian war, auch das verfallene Kirchlein wieder aufgebaut, sodass der Apostel der Hessen und Thüringer, Winfried, genannt Bonifatius, bei uns bereits eine christliche Kirche und eine Gemeinde von Christen antraf.

Die jetzige Kirche mit dem Pfarrhaus an der alten Weinstraße gelegen, ist neuen Ursprungs, der quadratische Turm dagegen mit seinen engen Mauerschlitzen sehr alt. Er stammt nach dem an der Ostseite befindlichen gotischen Fenster zu schließen,
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aus dem vierzehnten oder aus dem fünfzehnten Jahrhundert und scheint ursprünglich die kleine Kapelle in seinem Erdgeschoss umschlossen zu haben. Noch deutlich erkennt man die Spuren des Kreuzgewölbes, welches das Erdgeschoss hatte und erst im vorigen Jahrhundert heraus geschlagen worden ist.

Die Pfarrei Preungesheim, bestehend aus den Orten Preungesheim, Ekkenheim (Eggenem, Sitz oder Heim des Eggo) und Berkersheim, gehörte zu dem Collegiatstift St. Peter in Mainz. Das Patronat besaßen die Herren von Falkenstein (de Minzenberch) welche es aber am 20. Februar 1275 an die deutschen Herren zu Sachsenhausen gegen das Patronat der Kapelle zu Rödelheim nebst zwei Drittteilen des Zehnten zu Preungesheim vertauschten.
Diesen Tausch genehmigte Kaiser Rudolf am 23. März d. J. Erzbischof Werner von Mainz hatte denselben bereits am 4. Januar 1275 (dat. Seligenstadt) genehmigt
Das Patronat über die Kirche zu Eckenheim hatte der deutsche Orden bereits 1252 erworben.
Am 20. September 1252 (dat. Mainz) übergab König Wilhelm den deutschen Herren zu Frankfurt die Kirche zu Eckenheim und das Patronatsrecht daselbst.
Das Patronat über beide Kirchen hat der Orden bis zum Jahre 1809 ausgeübt, wo es nebst den zahlreichen Gütern des Ordens in die Hände der Landesherrschaft überging.

Der Orden erbaute als Patron 1741 das massive Pfarrhaus, welches in Folge davon über der Tür zum Garten das Deutsch Ordenskreuz trägt. < Zusatz 3 Seite 14> Pfarrer Creß schreibt darüber im Presbyterialprotokoll: Das hiesige Pfarrhaus ist auf Befehl ihrer kurfürstlichen Durchlaucht zu Cölln, Clemens August, durch den Herrn Kammerath im deutschen Haus namens Rosalino dem Maurer Andreas Walz im Martio 1741 für 2600??Gulden?? verakkordiert worden; das alte Pfarrhaus hat
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der Maurer mit darauf bekommen, den 13. März 1741 bin ich in des Heinrich Branden Haus, den 9. Mai (1742??) aber wiederum in das neue Pfarrhaus umgezogen.

1768 erbaute der Orden auf Grund und Boden der Pfarrei eine Zehntscheuer, wo rüber lange Verhandlungen zwischen dem reformierten Consistorium zu Hanau und der Deutschordenskommende zu Mergentheim a.T. ?? zugepflogen?? wurden. Diese Scheuer wurde bei Ablösung des Zehnten 1838 der Pfarrei überlassen.
< Zus. 2 Seiten 14 und 20b >

In Folge davon dass der Staat das Patronat über die Pfarrei von dem Deutschen Orden überkommen hat, trägt derselbe die Baupflicht des Pfarrhauses nebst den dazu gehörigen Oekonomiegebäuden.

Zu Eckenheim gehört auch der Bertrams Modo Kühhornshof, so genannt nach der Familie von Kühhorn, die in der hiesigen Kirche ihr Erbbegräbnis hatten. Wappen im Chor.

Jetziger Bestand der Pfarrei, Filial ?Nryus?.

Die Pfarrei Preungesheim bestand in die Neuzeit aus den drei nicht sehr volkreichen Dörfern Preungesheim, Eckenheim und Berkersheim.
Jede Gemeinde hatte eine Kirche ( Eckenheim und Berkersheim auf den alten Kirchhöfen), in denselben wurde jedoch nur ausnahmsweise gepredigt, in der zu Eckenheim nur an den 2.ten Festtagen, an den gewöhnlichen Sonntagen mussten die Einwohner beider Filialen die Hauptkirche besuchen, in der sie auch ihre besonderen Plätze hatten; der Tradition zufolge soll sogar jede Gemeinde ihren besonderen Eingang gehabt haben, was nicht unmöglich ist, da die Kirche früher
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drei Eingänge gehabt hat.
Sämtliche Kirchen und auch sämtliche Einwohner waren reformierten Bekenntnisses. So blieb es bis zum Regierungsantritt des Grafen Friedrich Casimir von Hanau-Lichtenberg, 1645, der in dem nach dem Aussterben des Hanau Münzenberger Mannesstammes in dem von ihm ererbten Münzenberger Lande das lutherische Bekenntnis einzuführen suchte.
Die wenigen Lutheraner, die sich seit seinem Regierungsantritt in der Pfarrei angesiedelt hatten, wurden bis 1675 von Frankfurt aus kirchlich bedient.
1684 bekam sie einen eigenen Pfarrer der in dem Burgsitz der lutherischen Schelm von Bergen zu Berkersheim seinen Wohnsitz hatte und den Gottesdienst abhielt.
Erst 1682 wurde in Berkersheim ein Pfarrhaus, 1690 eine (die noch stehende) Kirche gebaut und behielt die Gemeinde einen eigenen Pfarrer bis 1757. In diese Kirche waren die wenigen lutherischen Einwohner von Preungesheim und Eckenheim eingepfarrt. Von 1757 an wurden die Lutheraner der Pfarrei der lutherischen Pfarrei zu Bergen zugeteilt, von 1808 bis 1809 aber von Seckbach und Gronau versehen, was im Jahre 1818 aufhörte.
In diesem Jahr wurden in Folge der auf der Hanauer Synode geschlossenen Union die reformierten und lutherischen Einwohner zu einer Gemeinde vereinigt, die reformierte Kirche zu Berkersheim wegen Baufälligkeit abgebrochen und bisher getrennten Schulen in der Art vereinigt, dass ein Lehrer die Knaben der andere die Mädchen übernahm.
Zu Feier der Kirchenvereinigung stifteten die Glieder der beiden Gemeinden Preungesheim und Eckenheim – einen ausgenommen, obwohl wohlhabend, seinen Beitrag verweigerte – einen zweiten Abendmahlkelch für die Pfarrkirche. Er wog 2 Mark 3/5 achtel Loth und kostete 72 fl. (Florin) 17 kr (Kreuzer) Die Zahl der Gemeindeglieder , welche
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dazu beitrugen betrug:
1. In Preungesheim Reformierte 64
Lutheraner 22
2. In Eckenheim: Reformierte 54
Lutheraner 22.
Die Zahl der Reformierten überwog also auch da noch die Zahl der Lutheraner, und ist deshalb die Gemeinde Preungesheim – Eckenheim als ursprünglich und vorwiegend reformiert anzusehen.

Dennoch entschied sich das Presbyterium im Jahre 1853 bei Wiedereinführung der alten Agenden auf Vorschlag des Pfarrer Laupus für den Gebrauch der Hanauer Lutherischen Agenda, ohne indessen für die Zukunft den der alten hier zu Recht bestehenden reformierten Agenda ausschließen zu wollen.

1835 wurde durch Ministerialausschreiben vom 24. April verfügt, dass dem neu bestellten Pfarrer zu Preungesheim ein Gehülfe zur Versehung von Berkersheim des von 1809 wohl bis zu 1835 von Gronau mit vikarisiert worden war beigegeben werden sollte. 1837 wurde Berkersheim von der Pfarrei getrennt und erhielt einen eigenen Pfarrer in der Person des bisherigen Vikars Joh. Munch.

1889 wurde an der von 1882 – 1887 auf Preungesheimer und Eckenheimer Gebiet erbauten Strafanstalt ein besonderer Gefängnisgeistlicher in der Person des cand. Heinrich Reus von Schlüchtern angestellt.
Die Seelsorge für die Beamten und ihre Familien verblieb dem Ortspfarrer, derselbe erklärte sich aber da Reus auch diese zu haben wünschte, bereit demselben ein personelles Dimissoriale zu geben. Gelegentlich eines Einzelfalles, wo ein Aufseher sein Kind aus persönlichen Gründen nicht durch Pfarrer Reus wollte taufen lassen, hielt es der z. Pfarrer dies zu tun. Seitdem verrichtet Reus keine Amtshandlungen mehr bei den Beamten, wie auch sein Nachfolger Pfarrer Andreas Götze, früher Gefängnisgeistlicher zu Wronke in Posen – seit 1902 – im Dienst dahier, lediglich an der Strafanstalt amtierte. Pfarrer ??Botzinger?? erbat sich wieder ein gleiches Dimissoriale, doch nahmen die Beamten nicht in Anspruch.
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