Der Taufstein


Am zweiten Pfingsttag 1936 wurde der Taufstein unserer Kreuzkirche seiner Bestimmung übergeben.Taufbecken Kreuzkirche

Wir möchten dieses 70-jährige „Jubiläum“ zum Anlass nehmen, an dieser Stelle die doch ganz interessante Geschichte dieses Taufsteins zu dokumentieren, wie sie in der Pfarrchronik von Pfr. Schäfer (Pfarrer in der Kreuzkirche von 1924-1936) aufgezeichnet worden ist.

Dort heißt es:

Im alten Pfarrhof, auf dem geradlinigen Wege vom Pfarrhause (genauer: der Pfarrgartentüre durch die Pfarrhoftüre links neben dem Pfarrhoftor) nach der Kirche, östlich neben dem dort stehenden Birnbaum, befand sich eine Hühnertränke, die durch ihre außergewöhnliche Solidität mir auffiel. Doch ließ ich sie, da sie auch mit beiden Händen nicht aufzuheben war, vorerst unbeachtet stehen. Als wir aber den Weg wieder einmal neu herstellten und bei dieser Gelegenheit das Erdreich um die Hühnertränke gelockert wurde, wurde mir meine bisherige Vermutung, dass es sich hier um ein sehr altes Taufbecken handele, zur Gewissheit. Ich ließ den etwa 4 Zentner schweren Stein zunächst in die Südwestecke des Kirchenraumes stellen, in der Hoffnung, dass ich die Zustimmung und die Mittel werde finden und erwirken können, um das alte Taufbecken wieder in der Kirche aufzustellen. Zunächst handelte es sich darum, dass Alter, dass ich nur sehr weiträumig auf „Frühromanisch“ schätzen konnte, näher zu bestimmen. Das Landesmuseum Wiesbaden, bei dem ich anfragte, konnte, weil ich Bilder nicht beifügen konnte, meine Vermutung nur im allgemeinen bestätigen. Ich wandte mich nun an das Historische Museum.
Herr Dr. Bingemer besichtigte das Stück, prüfte mit einem scharfen Messerchen das Material, und sagte dann: Bockenheimer Basalt! Datierung: ungefähr die Zeit, in welcher die aus dem selben Material hergestellten Erinnerungskreuze an dem Wege gesetzt wurden, den die Prozession nahm, welche den Leichnam des Bonifatius von Mainz nach Fulda brachte: 10tes, evtl. 9tes Jahrhundert. Eins dieser Kreuze befindet sich, von Herrn Dr. Bingemer entdeckt, im Historischen Museum.

Da unsere Kirche im 12. Jahrhundert erbaut wurde, stammt das Taufbecken also sehr wahrscheinlich schon aus demjenigen Kirchbau, der vor dem jetzigen vorhanden und vielleicht noch aus Holz errichtet war.

Das Taufbecken ist also unser ältestes kirchliches Besitztum aus christlicher Zeit und vermutlich das älteste Taufbecken Groß-Frankfurts.

Der Kirchenvorstand beschloss die Wiederaufstellung des Taufbeckens. Ich bat den Herrn Bezirkskonservator Zimmermann um die Zeichnung einer geeigneten tragenden Säule mit Fuß. Die Firma Bantz und Kron, hier, hat die Arbeit nach dieser Zeichnung aus möglichst ähnlichem Material (Eifel-Basalt) ausgeführt; und ich habe am Schlusse des Gottesdienstes am 2. Pfingstfeiertage 1936 (in dem ich meine eigentliche Abschiedspredigt hielt; da kein Vertreter zur Verfügung stand, habe ich hernach ja noch längere Wochen – bis zum 1. August 1936, an dem ich dann assistierte, den Gottesdienst wieder gehalten) den wieder hergestellten Taufstein der Gemeinde übergeben, ihn eingeweiht. Bald danach wurde auch das 1. Kind aus Ihm (beziehungsweise der darin aufgestellten „silbernen“ Taufschale) getauft: Ein Knabe des Ehepaares Rück in Alt-Preungesheim.

  1. Eine Ausbruch-Stelle am Taufbecken lässt vermuten, dass es mit achtloser Gewalt einst abmontiert worden ist. Wenn man nach der Zeit fragt, wann dies geschehen sein könnte, so käme dafür in Betracht:
  2. Die Zeit des Umbaues der gotischen Kirche in die jetzige Saalform im J. 1716 oder die 1590er Jahre, in denen – laut Brammerell, Geschichte der Reformation in der Grafschaft Hanau – obrigkeitlicherseits puritanische Strömungen sich geltend gemacht zu haben scheinen, die auch bezüglich der Ausstattung der Kirchen weitestgehende Einfachheit, ja Nüchternheit anstrebten und bei denen auch bilderstürmerische Tendenzen anklangen.

Betr. der Aufstellung bemerke ich: Nachdem der Kirchenvorstand den künftigen Standort des Taufsteines bestimmt hatte, trugen wir dafür Sorge, dass er durchaus stabil stehe. An der Stelle, wo er steht, gehen nach den Trauungen die Gratulanten vorüber. Damit auch ein etwaiges überstarkes Gedränge weder den Taufstein, noch durch ihn Personen in Gefahr bringen könne, wurde eine starke Eisenstange eingefügt. Sie ist in die Längsachse des Schaftes einmontiert. Ihr oberes Ende reicht in das Becken hinein bis über die Hälfte seiner Höhe und ist einzementiert. Ihr unteres Ende verläuft in einem schweren Zementblock im Erdboden, der den doppelt Zweck erfüllt, dass der Taufstein

  1. nicht in Folge seines Gewichtes nach und nach in das nachgebende Erdreich etwas einsinken kann,
  2. nicht etwa durch allzu starken Seitendruck einer drängenden Menge aus seiner Geraden (senkrechten) Stellung gedrängt werden kann.
    So hoffen wir, dass alles bedacht ist.

Grund zu seiner Wieder-Aufstellung

war nicht nur der Wunsch, dieses ehrwürdige kirchliche Gebrauchsstück zu erhalten, es wieder in kirchlichen Gebrauch zu nehmen und der Allgemeinheit wieder diesen wohl einzigen steinernen Zeugen einer 1000-jährigen Vergangenheit in Ort, Gemeinde und Kirchengemeinde Preungesheim zugänglich zu machen. Sondern es waltete auch die Absicht und Hoffnung ob, durch diesen Taufstein und den Hinweis auf ihn, der nicht nur gelegentlich im Gottesdienst, sondern bei jeder Anmeldung einer Taufe geschehen kann, die Gemeindeglieder daran zu erinnern, dass die richtige Stätte für den Vollzug der Taufe nicht ein Privatraum der Eltern, auch nicht das Amtszimmer des Pfarrers, sondern die Kirche ist, wo die Taufe möglichst vor versammelter Gemeinde geschehen sollte. Denn sie ist durch Aufnahme in den Bund Gottes zugleich die Aufnahme in die christliche Kirche, deren Versammlung die Aufnahme ihres neues Mitgliedes nicht Gleichgültig sein kann.

Um auch dem Schönheitssinn gerecht zu werden, und das Auge Historisch und Kunstgeschichtlich etwa uninteressierter moderner Beschauer an den urig – unsymmetrischen Umrissen des Taufbeckens sich nicht stoßen zu lassen, wurde es mit einem lila-farbigen, mit silbernen Kreuzen und silberner Litze verzierten, die Unebenheiten ausgleichenden Behang verziert. Ein in gleicher Weise ausgestattetes rundes Kissen gleicht die Unebenheit in der Schale aus und schafft zugleich eine erhöhte Unterlage für die sogenannte „silberne Taufschüssel und Kanne“, sodass diese – all sonntäglich aufgestellt – ein schönes Schmuckstück inmitten der feiernden Gemeinde bilden.
(Quelle: Pfarrchronik der Kreuzgemeinde, Band I)

Autor: Pfr. Hans Hofmann