Jubiläums Konfirmanden Gottesdienst 04.05.2014

Welch eine Vertrauenszusage: Ich werde dich niemals verlassen!

Gehört es nicht zu den glanzvollsten Ereignissen in unserem Leben, gemeinsame Erinnerungen zu feiern und sich von einem Festredner an die eigene Vergangenheit und Zeitgeschichte erinnern zu lassen?

Erinnerungen können eine zurückliegende Freude verdoppeln und ein Glücksgefühl von Dankbarkeit in uns wecken. Weißt du noch…? Erinnerungen können auch bedrücken und schmerzhaft sein. Eines ist einer jeden Rückbesinnung gemeinsam: sie erhellt uns sehr oft den Sinn unseres nicht immer gradlinigen und einfachen Lebenswegs. Im Rückblick lässt sich vieles weit besser verstehen als im Augenblick unmittelbarer Betroffenheit.

Mit zu den sehr intensiven Erinnerungen gehört das Jubiläum unserer eigenen Konfirmation, die am 04. Mai 1 goldene, 13 diamantene und 6 eiserne Konfirmandinnen und Konfirmanden in der Kreuzkirche gefeiert haben. Bei diesem Erinnerungsfest besinnen  wir uns nicht nur auf diesen einen Tag in unserem Erwachsenwerden zurück, sondern auf ein ganzes Stück Selbstwerdung und Zeitgeschichte. Unsere Konfirmationszeit war ein längerer Prozess der Selbstfindung, Glaubens- und Werteorientierung und für viele steht das krönende Fest wie ein kleines Denkmal auf dem Weg zum eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Leben.

Blicken wir dankbar zurück, fühlen wir uns aufgehoben und getragen von der in der Taufe und Konfirmation empfangenen Segenszusage Gottes oder können die Widerfahrnisse unseres Lebens und das, was wir erreicht haben, kein glückliches Zufriedenheitsgefühl in uns auslösen?Jubiläums Konfirmanden Gottesdienst 04_05_2014Pfarrer Hofmann greift die in der Lesung gehörte Lukaserzählung auf, in der Jesus 10 Aussätzige heilt. Doch nur einer der Geheilten kehrt zurück und dankt Jesus. Die Frage von Jesus nach den anderen neun könnte man leicht so verstehen, als wolle er jenen, die nicht Dankeschön sagen, Undankbarkeit vorwerfen. Doch Jesus Appell geht in eine ganz andere Richtung. Gott kennt unser Leben in all seinen freudvollen wie auch schmerzhaften Facetten, er kennt die gelungenen und die gescheiterten Wege, er kennt unsere Verletzungen und Narben. Keineswegs erwartet er, dass wir uns nach der Genesung aus leidvoller Krankheit nur erlernten Verhaltensmustern und einem Schuldempfinden folgend erkenntlich und verbunden zeigen. Das ist keine dankbare Freude, die als stimmige Empfindung aus unserem Herzen flutet. Jesus will gerade unsere wirkliches Fühlen, unsere wahrhaftige Empfindungslage ansprechen und uns signalisieren: nicht nur in glücklicher Stimmung dürft ihr zu mir kommen, sondern auch und gerade, wenn wir voller Klage, voller Unsicherheit, voller Angst sind. Gottvertrauen zeigen wir genau dann, wenn wir unser Herz vorbehaltlos öffnen und Gott hinhalten, wie uns wirklich zumute ist.

Dankbarkeit ist ein tiefes Zufriedenheits- und Glücksgefühl, das entsteht, wenn ich mein Leben oder auch eine einzelne Erfahrung überragend positiv und gedeihlich bewerten kann. Manchmal will uns eine solche Bilanz nicht gelingen, ein solches stimmiges Gefühl nicht einstellen. Angst kann uns umtreiben, Sorge um eine nachlassende Gesundheit, der Verlust eines geliebten Menschen, Einsamkeit, quälende Erinnerungen an unerlöste Verletzungen früherer Tage, unser Scheitern, ein Gefühl von Sinnlosigkeit und Schwermut.

Gerade dann dürfen wir uns Jesus anvertrauen, uns an Gott wenden. Zugesagt sind uns in Taufe und Konfirmation: Ich will dich nicht verlassen, noch von dir weichen. Seit getrost und unverzagt.

Wenn uns diese Gewissheit durch alle Wechselfälle unseres Lebens begleitet und uns Zuversicht und Gottvertrauen schenkt, so werden auch wir Anteil am Licht des Lebens haben und versöhnt werden mit unserem Leben. Dankbarkeit bedeutet, dass wir Ja sagen können zu unserem eigenen Weg und ihn genau als unseren einmaligen und von niemandem stellvertretbaren Weg erkennen. Wir wären nicht wir selbst ohne unseren einzigartigen Weg.

Text: Kirsten Wachholz
Foto: Michael Geisel