Heilig Abend in der Kreuzkirche

Familien Gottesdienst an Heilig Abend ‑ ein Garant für eine gut besuchte, ja, vollbesetze Kirche!

Der Gottesdienst beginnt um 15.30 Uhr, doch bereits um 14.30 Uhr kommen die ersten Gottesdienstbesucher. Zögernd zunächst der Gang in die leicht dämmrige Kirche. Die Kerzen am Weihnachtsbaum verbreiten bereits ein warmes strahlendes Licht, heimelig die sanfte Beleuchtung in der Krippe. Die Kirche füllt sich schnell. Die Glocken rufen zum Gottesdienst, und ein anhaltender Strom festlich gestimmter Menschen füllt die Kirche. Nicht jeder bekommt einen Sitzplatz in den Bankreihen, viele stehen an den Wänden entlang, sitzen auf der Treppe zur Empore, und einige quetschen sich dann noch in eine Reihe, nachdem Pfarrer Krieg vorgeschlagen hatte, dass alle noch ein bisschen zusammenrücken mögen. Die Glocken hören auf zu läuten, Herr Bauermann setzt zu einem festlichen Orgelvorspiel an, die Gespräche verstummen, und nach einer kurzen Eingangsliturgie hören wir die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium, wie wir sie alle kennen, wie wir sie schon so viele Male gehört haben, und jedes Mal aufs Neue wieder davon fasziniert und berührt sind.

Und diese Weihnachtsgeschichte wird nun von den Konfirmanden und Konfirmandinnen in einem Krippenspiel in vier Szenen dargestellt, untermalt zwischen den einzelnen Szenen mit entsprechenden Weihnachtsliedern.

Da ist das Wirtshaus in Bethlehem, der Wirt, Gäste, römische Soldaten, Hirten…

Die Gäste, die alle zur Volkszählung gekommen waren, und die römischen Soldaten, mit ihrem herrischen Auftreten, geraten sehr schnell in einem Wortgefecht aneinander und machen keinen Hehl daraus, dass ihnen das Verhalten des jeweils anderen ganz schön stinkt. Dem einen stinkt der Ziegenkäse, dem anderen stinken die Socken oder die Kleidung seines Gegenübers, wieder einem anderen stinkt die ganze Situation.

Und dann ist da noch der Stall im Hintergrund… und der stinkt auch.

Dieser Stall, der in der nächsten Szene einem Paar als die einzige noch zur Verfügung stehende Unterkunft angeboten wird.

Maria und Josef … kein Platz in der Herberge … die Geburt ihres ersten Kindes steht unmittelbar bevor … und das in einem stinkenden Stall…

Dann kommen die Hirten, auch sie mit übelriechender Kleidung, aber voller Vorfreude und Spannung, endlich das zu sehen, was ihnen Engel verkündet hatten, und um das Erlebte weiterzusagen. Geglaubt hat es ihnen zunächst niemand, aber sie lassen sich nicht beirren.

Denn da ist ja tatsächlich das Kind, in einer Krippe liegend, in einem Stall… Dass es da stinkt, haben die Hirten nicht bemerkt, sie hatten den gleichen Geruch. 

Abgerundet wurde das Krippenspiel dann noch durch die Szene mit den Engeln, die zum Kind gehen und die Erzählung der Hirten bestätigten, und mit der Ankunft der 3 Könige, die das Kind anbeteten.

Dieses Krippenspiel regte mich zum Nachdenken an:  Jedes Jahr dekoriere ich zu Hause meine kleine Krippe. Da gibt es einen Stall mit Stroh, da stehen Ochs und Esel, die Hirten mit ihren Schafen, aber ich habe mir noch nie Gedanken über den Geruch gemacht. Ich weiß wohl, wie es in einem Stall riecht, aber mit meiner Weihnachtskrippe habe ich diesen Geruch noch nie in Verbindung gebracht. Die Krippenszene ist immer sehr idyllisch, Gedanken an üblen Geruch und dampfende Tierleiber kommen da nicht auf.

Pfarrer Krieg brachte es in seiner Ansprache dann noch auf den Punkt, mit dem Zitat eines Jungen, der im Religionsunterricht auf die Frage, wie Gott denn sei, antwortete: …„Gott ist mutig.“

Bei der Frage, wie er das denn meine, sagte der Junge: „Naja, der wagt sich, in diese Welt zu gehen. Der hat ja viel im Leben mitgemacht und auf sich genommen. Das am Kreuz und so. Daher finde ich, dass Gott ganz schön mutig ist.“

Im Grunde bringt das die Weihnachtsbotschaft auf den Punkt: Gott ist mutig.

…Da lässt sich Gott ganz tief herab und begibt sich in ganz ärmliche Verhältnisse: Im kleinen hässlichen Bethlehem, in einem Stall, in einer Futterkrippe für das Vieh, wird er geboren. Und Hirten, die nicht besonders angesehen waren, besuchen ihn als erste. Dazu all die stinkenden Tiere. Wir haben das heute mit den vielen Krippenfiguren, die überall stehen, etwas verniedlicht und beschönigt. Aber ich vermute, die Wirklichkeit damals war eine andere. Das war das harte und dunkle Leben, auf das Gott sich einließ – direkt am Beginn seiner Geburt.

Gott ist mutig, und er wagt es, sich auf das Leben der Menschen einzulassen….

Gott ist mutig, zu uns Menschen zu kommen, egal wie es uns gerade geht, ob wir oben oder unten stehen….

Gott ist mutig, für jeden von uns da zu sein und ihn so zu lieben, wie er ist…

Und Gott möchte, dass wir genauso mutig diese Liebe an andere weitergeben und für die, denen es schlecht geht, da sind….

Gott lässt sich mit seinem Licht auf unser manchmal dunkles Leben ein und macht es hell. Es gibt Hoffnung und Zukunft für unser Leben!

Gott will uns damit anstecken, indem wir uns auch darauf einlassen und sein Licht an die Menschen, die im Dunkeln sind, weitergeben.

Das ist die frohe Weihnachtsbotschaft, die in Christus angebrochen ist.“

Ein frohes und gesegnetes Jahr 2020.

Ja, und nicht zu vergessen, ein großes Dankeschön an die Konfirmandinnen und Konfirmanden für ihr lebendiges und sehr zum Nachdenken anregendes Krippenspiel!

Marie-Luise Raab