Gottesdienst zu Karfreitag

Der Jubel der ersten Tage ist verklungen, das Hosianna zum Einzug in Jerusalem verstummt. Verrat und Verleumdung, Hohn und Spott, Erniedrigung und Lästerungen, Verurteilung zum Tod folgen. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? Was ist die Schuld, in was für Missetaten bist du geraten? (EG 81, Strophe 1)

Am heutigen Tag schweigen die Glocken, der Altar ist nicht geschmückt, keine Kerze brennt mehr, alles Licht ist verloschen, Stille durchzieht den Raum.

Kein Wort ist zu Beginn des Gottesdienstes zu hören, die Menschen schweigen. Verhaltenes Klavierspiel erklingt aus dem Hintergrund, getragen von der Stimmung des Tages.

Geschlagen, verspottet und verhöhnt von seinen Feinden und auch von jenen, die noch Tage zuvor ihm zu gejubelt hatten,  treibt man Jesus nach Golgatha, wo schon das Kreuz aufgerichtet ist. Selbst nachdem sie ihn gekreuzigt hatten ,verspotteten und verhöhnten sie ihn. In der sechsten Stunde kam eine Finsternis über das Land. In der neunten Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama absatani? Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Jesus schreit nochmals laut auf, dann verschied er.

Schweigen – innehalten für den Moment des Geschehens – Stille!

Da stehen wir nun auf dem Hügel mit den Kreuzen und fragen uns, wer wir von den Beteiligten wohl gewesen sein könnten?  Sind wir vielleicht, eine der Frauen, die weinen und trauern, oder bin ich doch einer der Lästerer, einer der Gaffer die jeder Hinrichtung beiwohnen?

Wo ist mein Platz inzwischen? Ich bin einer der Zuschauer, schaue zu was passiert und fühle meine eigene Ohnmacht nicht helfen zu können. Ist ein Wunder nicht doch vielleicht möglich? Mein Gott, mein Gott … so darf es doch nicht sein bei Jesus… warum greift Gott hier denn nicht ein?

Die Stille des Todes, Todesstille nach dem Sterben Jesu – Stille, Schweigen in der Kirche,– nur begleitet vom getragenen Spiel des Klaviers.

Da stehe ich noch… die Schreie noch im Ohr… Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Die Schreie der Angst sind einem so nah, so glaubhaft… und Gott bleibt uns eine Antwort schuldig!  Bleibt er dies wirklich? In der Impulsschrift der evangelischen Kirche zu Ostern findet sich eine Aussage, die die Antwort Gottes uns nah bringt. Indem Jesus stirbt lässt sich Gott ganz auf den Menschen ein. Jesus fühlt sich von den Menschen verlassen, aber in seiner Gottverlassenheit wendet er sich zu Gott. Das Kreuz, Zeichen des Todes wird zum Symbol der Hoffnung. Das Kreuz verbindet Himmel und Erde, eine Verbindung zu Gott, eine Hoffnung auf Leben.