Neue Gemeindepädagogin im Pfarrstellenraum

Julie Noltenius hat im Februar ihren Dienst als Gemeindepädagogin in den vier Gemeinden Kreuz, Michaelis, Bethanien und Festeburg begonnen. Ihre konkreten Aufgaben werden demnächst im Kinder- und Jugend-Ausschuss auf der Ebene des Pfarrstellenraumes besprochen. Ihr Büro wird in der Kreuzgemeinde in Preungesheim sein. 

Moin, ganz norddeutsch stelle ich mich vor. Mein Name ist Julie Noltenius, und ich komme ursprünglich aus der schönen Hansestadt Bremen.

Im Sommer habe ich meinen Bachelor in der Sozialen Arbeit mit der gemeindepädagogisch-diakonischen Zusatzqualifikation an der Evangelischen Hochschule Darmstadt abgeschlossen und wohne seit September 2020 im vielfältigen Frankfurt.

Vor meiner Ausbildung zur Gemeindepädagogin habe ich als Gesundheits- und Krankenpflegerin am Universitätsklinikum in Heidelberg gearbeitet. Während dieser Zeit war mir der Kontakt zu meinen Patient*innen immer sehr wichtig. Ich habe festgestellt, dass mich die Arbeit mit Menschen unterschiedlichen Alters, auch außerhalb des Klinikums, mit Freude erfüllt, und jetzt bin ich hier:

Mit einer 50%-Stelle in den vier Gemeinden Bethanien, Festeburg, Kreuz und Michaelis freue ich mich darauf, die gemeindepädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Ihnen und Euch gestalten zu können. Bereits mein Anerkennungsjahr habe ich in der Gemeindepädagogik in drei Kirchengemeinden in Darmstadt absolviert. Jetzt bin ich gespannt, Sie und Euch alle kennenzulernen und die vier Gemeinden mit all ihren Facetten zu erkunden.

Wie die Bilder bereits vermuten lassen, ist das Fahrradfahren eine Leidenschaft von mir. Also falls Sie zukünftig das grüne Fahrrad vor dem Gemeindehaus stehen sehen, dann können Sie sicher sein, bin ich am Werkeln.

Bis wir uns persönlich kennenlernen, wird aufgrund der Coronapandemie sicher mehr Zeit vergehen als gewöhnlich. Bis dahin wünsche ich Ihnen Gottes Segen, einen langen Atem und viel Geduld in dieser besonderen Zeit.

Ihre Julie Noltenius

„Ich habe da mal ein paar Fragen…“

Preungesheim ist vielfältig. Daher gibt es auch viele Religions- und Glaubensgemeinschaften, die ich Ihnen gerne in dieser neuen Serie vorstellen möchte. Ich kann Ihnen versprechen, dass es interessante und persönliche Einblicke geben wird…

Diesmal habe ich ein Interview mit Herrn Pfarrer Batinic aus der katholischen Pfarrei St. Franziskus in Preungesheim geführt, zu der auch die St. Christophorusgemeinde zählt.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Herr Pater Anto Batinic, bitte stellen Sie sich kurz vor.

Mein Name ist Anto Batinic. Geboren bin ich 1962 in Bosnien-Herzegowina; Philosophie und Theologie habe ich in Sarajevo (Bosnien) und Zagreb (Kroatien) studiert. Seit 1981 bin ich Mitglied der bosnischen Franziskanerprovinz, und 1988 bin ich zum katholischen Priester geweiht worden. Zunächst war ich als Kirchenjournalist tätig. Von 1994 bis 2002 war ich Chefredakteur der katholischen Kirchenzeitung „Lebendige Gemeinde“ für die in Deutschland lebenden Kroaten. Der Redaktionssitz ist immer noch im ehemaligen Pfarrhaus von St. Christophorus in Frankfurt-Preungesheim, wo ich auch lange Zeit gewohnt habe.

Wie kamen Sie in die St. Christophorus-Gemeinde?

2002 wollte ich in meine Heimatprovinz nach Bosnien zurück. Der damalige Limburger Bischof Franz Kamphaus hat mich gebeten, im Bistum Limburg und in der Gemeindeseelsorge als Priester tätig zu sein. Nach einem einjährigen Pastoralpraktikum im Westerwald wurde ich von Bischof Kamphaus zum Pfarrer der Pfarreien St. Christophorus Preungesheim und Allerheiligste Dreifaltigkeit Frankfurter Berg ernannt. Diese zwei Pfarreien habe ich als Pfarrer bis zum 31.12.2014 geleitet. Am 1.1.2015 wurden sechs ehemalige selbstständige katholischen Pfarreien aus sieben Frankfurter Stadtteilen in eine neue „Großpfarrei“ oder „die Pfarrei neuen Typs“ zusammengelegt. Aus den Pfarreien Allerheiligste Dreifaltigkeit Frankfurter Berg, Herz Jesu Eckenheim, St. Albert Dornbusch, St. Christophorus Preungesheim, Sancta Familia Ginnheim und St. Josef Eschersheim ist die katholische Pfarrei St. Franziskus Frankfurt geworden. Als Franziskaner habe ich mich mit anderen dafür eingesetzt, dass die neue Pfarrei den Namen meines Ordensgründers, des heiligen Franziskus von Assisi, trägt. Dieser Name ist auch unser Programm: Ökologie, Klimaschutz, Frieden, Ökumene, Interreligiöser Dialog… Außerdem: Die Pfarrei wurde im Pontifikat des Papstes Franziskus gegründet.

Was sind Ihre Aufgaben neben den Gottesdiensten?

Die Aufgaben eines Pfarrers sind im pastoralen, liturgischen, diakonal-karitativen und Verwaltungsbereichen sehr vielfältig und umfangreich.

Ich bin mit meinem Pastoralteam für die Seelsorge der Gemeindemitglieder verantwortlich – ob es um Trauerarbeit, vereinsamte und sozial schwache Menschen oder um die Förderung christlichen Lebens in der Familie geht. Mit meinen hauptamtlichen, aber auch ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen bemühen wir uns um Gemeinschaft in der Gemeinde, begleiten die Menschen und sprechen mit ihnen über das, was sie bewegt. Zudem verkünden und deuten wir das Wort Gottes in Predigten, Katechesen, Vorbereitungen auf den Empfang der Sakramente, im Religionsunterricht, in Beratungen oder Gesprächen.

Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an die St. Christophorus-Gemeinde denken?

Ich darf eigentlich seit 5 Jahren „nur“ an die Gesamtpfarrei St. Franziskus denken. Der Kirchort oder die Gemeinde St. Christophorus ist nur ein Teil davon. Wenn ich aber an St. Christophorus bzw. an Preungesheim denke, dann denke ich an meine zweite Heimat. Den größten Teil meines Lebens habe ich gerade in Preungesheim verbracht. Zurzeit aber beschäftigt mich und unsere Gremien die Frage, ob es und wie es möglich ist, die „Schiffskirche“ St. Christophorus in Zukunft zu retten oder, wie es eine Immobilienstrategie des Bistums Limburg und der Pfarrei St. Franziskus vorgeschlagen hat, aufzugeben und einen ganz neuen modernen Andachtsraum zu bauen.

Wie viele Gemeindeglieder haben Sie? Wie ist der „strukturelle Aufbau“?

Die Pfarrei St. Franziskus Frankfurt hat circa 21.000 Gemeindemitglieder, 6 Kirchorte, 6 Kitas und ein zentrales Pfarrbüro in Eschersheim. Dort befindet sich auch die Pfarrkirche St. Josef. Die Werktags- und Sonntagsgottesdienste, inkl. Samstagsvorabendmessen, werden in allen Kirchen regelmäßig gefeiert.

Das Pastoralteam besteht zurzeit aus vier Priestern und sieben aktiven pastoralen Mitarbeiter*innen. Um die Verwaltung der Kitas kümmert sich eine Kitakoordination und um die Verwaltung der Kirchengemeinde eine Verwaltungsleitung.

Die Pfarrei hat auch synodalen Gremien: ein Pfarrgemeinderat (Seelsorge), ein Verwaltungsrat, 6 Kirchortsausschüsse und 7 Sachausschüsse.

Gibt es Kontakte / Verbindungen zu Nachbargemeinden oder anderen Religionsgemeinschaften?

Noch aus den Zeiten der „kleinen“ Pfarreien sind gute Kontakte mit anderen christlichen und zum Teil anderen Religionsgemeinschaften aufrechterhalten. In der „Großpfarrei“ werden sie aber auf mehreren Ebenen geführt. Es gibt regelmäßige Treffen, Gottesdienste (Weltgebetstag, Ökumen. Kirchentagsonntag, Fronleichnam, Buß- und Bettag, Reformationstag, Einschulungsgottesdienste, Aschermittwoch, Pfarrfeste, Sachausschuss Ökumene…).

Welche Gottesdienste werden gefeiert?

Hauptsächlich werden die Eucharistiefeiern werktags und sonntags gefeiert. Außerdem gibt es Wortgottesdienste, Kinder-, Familien-, Jugend- Frauen- Senioren-Gottesdienste, Erstkommunion- und Firmgottesdienste, Taufen, Trauungen, Trauerfeiern, Kreuzweg-, Rosenkranz, Mai-, Advents- Andachten… Der Ablauf entspricht grundsätzlich den katholischen liturgischen Vorgaben – mit „freien Elementen“, Musik und Gesang.

Was sind für Sie persönlich die wichtigsten Gottesdienste und warum?

Prinzipiell ist jeder Gottesdienst wichtig. Für einen katholischen Priester und generell für einen katholischen Christ ist die Feier der Eucharistie und der Heiligen drei Tage (Triduum Sacrum, der Zeitraum von Gründonnerstag bis Ostern) der Höhepunkt der christlichen Liturgie und des christlichen Lebens. Neben ganz „großen“ Feiern, wie Weihnachten, Ostern, Erstkommunion und Firmung finde ich persönlich auch ganz „kleine“ Gottesdienste schön, wie Taufen, Trauungen, Zeltlagermesse… Sehr interessant und spannend sind natürlich auch verschiedene ökumenische Gottesdienste.

Wie sieht das Gemeindeleben aus (Gruppen, Kreise etc.)?

Wir haben ein reges Gemeindeleben: Kinder- und Kindergarten-Aktivitäten, Messdiener, Jugend, Lektoren und Kommunionhelfer, Senioren, Frauengruppen, Eine-Welt-Gruppe, Festausschüsse, Ökologische Umkehr, Musikgruppen, zwei Kleiderkammern, Legio Mariae, Soziale Kontakte, Ökumenische Aktionen…

Aber in Zukunft erwarte ich auch ganz innovative und zukunftsorientierte Aktionen.

Was ist besonders positiv in der Gemeinde hervorzuheben?

Auf eine Gemeinde darf man nicht nur „positiv“ oder „negativ“, „schwarz“ oder „weiß“ blicken. Die Gemeinde ist groß, vielfältig und bunt in jeder Hinsicht. So viele und verschiedene Blumen gibt es in Gottes Garten. Die Offenheit der Gemeinde würde ich als total positiv bezeichnen. Alle sind willkommen. Wir haben wunderbare Beispiele der Integration der muttersprachlichen („ausländischen“) Gläubigen in der Ortsgemeinde. In unserer Pfarrei sind drei ausländischen Priester tätig. Ganz toll ist natürlich die ökumenische Offenheit und Zusammenarbeit, die in der Basis eigentlich keine Grenzen kennt.

Wo sehen Sie in der Gemeinde noch Verbesserungsbedarf?

In so einer Großpfarrei ist es nicht immer einfach, alle anzuhören und mitnehmen. Es fehlt die ehemalige Nähe vor Ort. Die Kommunikation und die Partizipation sollen auf jeden Fall verbessert und ausgebaut werden. Eine Gemeinde soll natürlich die Tradition beachten, aber sie muss in der Gegenwart und immer zukunftsorientiert leben. Wir brauchen unbedingt lebendige und dynamische Konzepte, mehr Kreativität und Attraktivität in unseren Gottesdiensten und anderen Gemeindeaktivitäten und natürlich noch mehr ehrenamtliche Mitverantwortung und Beteiligung. 

Stichwort: Sinkende Mitgliederzahlen – Welche Ideen haben Sie, Jung und Alt wieder mehr für Kirche zu begeistern? Was müsste passieren?

Unsere Statistik für das vergangene Jahr 2020 ist, wie das Jahr selbst, unglücklich. Zu viele Austritte, zu viele Sterbefälle, zu wenig Taufen und kaum Trauungen. Die Stadt Frankfurt zieht dennoch die Menschen an. Unter denen sind auch etliche neuzugezogene Katholiken, die damit unsere Statistik wieder besser aussehen lassen. Nun aber müsste man diese Menschen erreichen, was auf keinem Fall einfach ist. „Jung und Alt für die Kirche zu begeistern“ ist heutzutage kaum möglich. Es ist zwar eine Floskel, aber es muss immer wieder gesagt werden, dass die Kirche in einer tiefen Krise steckt. Meiner Meinung nach aber steckt in der Krise auch der christliche Glaube. Wir haben die wunderbare Botschaft, das Evangelium Jesu Christi; wir haben tiefe christliche Spiritualität und Mystik, aber es fehlt offenbar die Begeisterung der Menschen. Wir haben leider die ganzen Generationen verloren, besonders die Jugendlichen. Ohne dringenden und tiefergehende Reformen wird es in Zukunft nicht gut gehen. Das zeigt bereits unsere Gegenwart.

Stichwort: Ausblick – Wie stellen Sie sich die Zukunft der Gemeinde in den nächsten Jahren vor (gerade auch im Hinblick auf die drohende Schließung der Kirche)?

Mein Ausblick bezieht sich auf die Gesamtpfarrei St. Franziskus und nicht nur auf einen Kirchort (St. Christophorus). Die Verantwortlichen im Bistum und in der Pfarrei müssen pastoral und wirtschaftlich langfristig planen. Dabei sind Verluste und Enttäuschungen unvermeidbar, aber man darf nicht vergessen, dass sie auch mehr Chancen für die neuen und kreativen Prozesse und Aktivitäten bieten. Der Vorschlag zur Immobilienstrategie der Pfarrei ist noch immer in der Diskussion. Viele Menschen in Preungesheim sind mit diesem Vorschlag unzufrieden und lehnen ihn ab. Mittlerweile gibt es auch konkrete Initiativen zur Rettung der Kirche St. Christophorus. Das Ergebnis ist also immer noch offen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Herrn Pater Anto Batinic für interessante Einblicke in die katholische Nachbargemeinde und seine offenen Worte.

Lutz-Stefan Litzenbauer

Jubiläumskonfirmation der Goldenen, Diamantenen und Eisernen Konfirmation im Jahr 2020 und 2021

In den vergangenen Monaten mussten wir alle lernen, dass zurzeit langfristiges Planen nur sehr schwer möglich ist. Dennoch planen wir in der Kreuzgemeinde dieses Jahr einen Gottesdienst zu den Jubiläumskonfirmationen der Goldenen, Diamantenen und Eisernen Konfirmation. Einen Termin für diesen Gottesdienst können wir noch nicht bekanntgeben. Sehr wahrscheinlich wird der Gottesdienst erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 stattfinden können. Aber auch dies ist noch ungewiss.

Die Goldene, Diamantene und Eiserne Konfirmation feiern in diesem Jahr die Jahrgänge 1951, 1961, und 1971. Wenn Sie zu einem dieser Jahrgänge gehören, melden Sie sich im Gemeindebüro. Gerne nehmen wir Ihre Kontaktdaten auf und informieren Sie über die weiteren Planungen bezüglich eines möglichen Gottesdienstes.

Es ist schwierig, nach so langer Zeit die heutigen Anschriften festzustellen. Deshalb wird die Einladung nicht alle erreichen. Wir sind deshalb auf Ihre Mithilfe angewiesen und wären dankbar, wenn Sie uns die neuen Anschriften ehemaliger Mitkonfirmandinnen und Mitkonfirmanden nennen würden!

Letztes Jahr konnte der Gottesdienst zur Jubiläumskonfirmation nicht stattfinden. Diesen Gottesdienst möchten wir dieses Jahr nachholen. Ein Termin für diesen Gottesdienst kann momentan ebenfalls noch nicht bekannt gegeben werden. Wir werden die Jubilarinnen und Jubilare des letzten Jahres, die sich für den Gottesdienst angemeldet hatten, über einen Termin informieren, sobald dieser feststeht.

B. Krieg, Pfr.

Die neue Gemeindepraktiakantin stellt sich vor

Hallo, ich möchte mich gerne kurz bei Ihnen vorstellen. Mein Name ist Karen Bergstein, und ich bin 25 Jahre alt. Vor drei Jahren bin ich nach Frankfurt gezogen, um hier an der Goethe-Universität, nun im 5. Semester, Evangelische Theologie zu studieren. Im Februar/März darf ich im Rahmen meines Gemeindepraktikums in der Kreuzgemeinde hospitieren. Ich freue mich sehr auf diese Zeit und alle Begegnungen, die im Rahmen der momentanen Corona-Situation möglich sein werden!

Text von K. Bergstein


Was ist ein Gemeindepraktikum?

Im Zuge des Theologiestudiums wird von Studierenden, die später in den Pfarrdienst möchten, ein Gemeindepraktikum verlangt. Während des Praktikums liegt der Akzent auf dem Lernen durch Beobachten. Gemeindepraktikanten begleiten den Pfarrer bei seiner Arbeit: die Teilnahme an Sitzungen und Besprechungen, das Begleiten des Pfarrers bei Gesprächen mit Menschen, und vieles andere mehr. Das Praktikum dauert vier Wochen.

Text von B. Krieg

„Ich habe da mal ein paar Fragen…“ – ein Interview mit Pfarrer B. Krieg

Preungesheim ist vielfältig. Daher gibt es auch viele Religions- und Glaubensgemeinschaften, die ich Ihnen gerne in dieser neuen Serie vorstellen möchte. Ich kann Ihnen versprechen, dass es interessante und persönliche Einblicke geben wird…

Beginnen möchte ich mit unserer Evangelischen Kreuzgemeinde.


Herr Pfarrer Krieg (42 Jahre), verheiratet (seine Frau arbeitet im Bürgerhospital) hat mit mir hierzu ein Interview geführt. Gemeinsam haben beide einen 1-jährigen Sohn. Er stammt aus einer Pfarrersfamilie (Großvater, Vater und Onkel sind ebenfalls Pfarrer).

Sein Vikariat absolvierte Herr Pfarrer Krieg in Egelsbach. Danach war er mit je einer ½ Stelle in der Johannisgemeinde in Darmstadt und in der Flughafenseelsorge für 6 Jahre tätig.

Die Stelle am Flughafen ist ja nun keine klassische bzw. feste Kirchengemeinde? Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

„Die Gemeinde bestand weniger aus Passagieren des Flughafens als aus Mitarbeitern. Wir waren mit ca. 75.000 Mitarbeitern am Flughafen quasi die größte Gemeinde in Deutschland. Die Herausforderung war jedoch „sichtbar“ zu werden. Es war immens wichtig auf die Menschen zuzugehen, weil sie sich am Flughafen ja zum Arbeiten aufhielten. Was ich mitgenommen habe ist, dass gerade in den sogenannten „Tür-und-Angel-Gesprächen“ auch Seelsorge betrieben werden kann. Hierzu ist nicht unbedingt ein fest verabredeter Zeitpunkt notwendig.“

Warum haben Sie sich dann nach Ihrer Tätigkeit in Trebur (Kreis Groß-Gerau) für die Kreuzgemeinde entschieden?

„Die Kreuzgemeinde war für mich schon immer interessant, da ich bereits 2,5 Jahre in Eckenheim gewohnt habe und in Bad Vilbel aufgewachsen bin. Der charakteristische „dörfliche“ Ortskern und das Persönliche waren für mich hier ausschlaggebend. Außerdem fand ich die Ausschreibung der Stelle sehr sympathisch.“

Was sind Ihre Aufgaben neben der seelsorgerischen Tätigkeit und dem Halten von Gottesdiensten in der Gemeinde?

„Die Frage wäre eigentlich genau andersherum zu stellen“ (Herr Pfarrer Krieg lacht). „In unserer Ausbildung wurden wir auf die vielen Verwaltungstätigkeiten nur am Rande vorbereitet. Mittlerweile müssen alle Pfarrer quasi „kleine Fachanwälte für Personal- und Verwaltungsfragen“ sein… Der Kirchenvorstand leitet die Gemeinde und der Pfarrer ist entweder Vorsitzender oder stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes und damit sind immer geschäftsführende Aufgaben verbunden. Ein Pfarrer übt heute also auch eine Management-Tätigkeit aus. Gefühlt sind die Verwaltungsaufgaben oft ein Hauptteil der Arbeit.“

Durch die sehr gute und wertvolle Arbeit von Frau Kojic im Gemeindebüro und der engagierten Arbeit der Mitglieder des Kirchenvorstandes wird Herr Pfarrer Krieg sehr entlastet, wie er nicht ganz ohne Freude sagt.

Die Aufgaben eines Pfarrers sind sehr vielfältig: Seelsorge, Gottesdienste, Schulunterricht, Verwaltungsarbeit und Sitzungen, Öffentlichkeitsarbeit und anderes mehr gehören dazu.

„Die Woche ist oft sehr voll mit den unterschiedlichsten Terminen. Dennoch bin ich in meiner Termingestaltung freier, als ein Angestellter im Büro mit festen Arbeitszeiten. Dabei ist mir die seelsorgerische Tätigkeit immens wichtig. Der eigene Glaube ist zunächst etwas ganz Individuelles. Darüber mit Menschen ins Gespräch zu kommen, würde ich gerne viel öfter schaffen.

Was geht Ihnen spontan durch den Kopf, wenn Sie an die Kreuzgemeinde denken?

„Es ist eine sehr lebendige und bunte Gemeinde! Das beste Beispiel ist der Kirchenvorstand, der sehr vielfältig ist (z. B. Altersstruktur). Auch die Kreise und Gruppen, die in der Gemeinde aktiv sind, bieten für jedes Gemeindeglied etwas und sind wertvoll für das Miteinander.“

Die Gemeinde hat derzeit übrigens ca. 1.780 Mitglieder.

Die jeweiligen Veranstaltungen der Gruppen und Kreise werden immer im Gemeindebrief oder in den Schaukästen bekannt gegeben.

Gibt es Kontakte/Verbindungen zu Nachbargemeinden?

„Wir arbeiten eng mit der ev. Festeburg-gemeinde zusammen im Hinblick auf die Konfirmandenarbeit.

Außerdem gibt es enge Kontakte mit Nachbargemeinden aus Berkersheim, und dem Frankfurter Berg für gemeinschaftliche Veranstaltungen, um Synergien zu schaffen.“

Wie bereiten Sie sich auf die Gottesdienste und deren jeweilige Themen vor?

„Jedem Sonntag im Kirchenjahr ist ein Thema zugeordnet. In der sogenannten Perikopenordnung gibt es dazu jeweils passende Bibelstellen als Vorschläge für die Predigt. Als Perikopen werden die Textabschnitte für die Schriftlesung und die Predigt bezeichnet.  Die Ausgestaltung der Predigt und des Gottesdienstes findet dann über die Woche vor dem Gottesdienst statt.“

Nach Außen ist für uns Gemeindeglieder der Pfarrer ja einfach der, der alles richten kann…, was also nur bedingt richtig ist.

Was sind für Sie die wichtigsten Gottesdienste und warum?

„Zunächst die großen Festgottesdienste Heiligabend und Ostersonntag aber auch Konfirmationsgottesdienst und Familiengottesdienste. Besonders berühren mich persönlich die Gottesdienste am Ewigkeitssonntag und Karfreitag. Diese beiden Tage bieten mir die Möglichkeit, über Tod, Verlust und Ängste nachzudenken und zu sprechen, was oft im Alltagsleben sonst eher verdrängt wird.“

Herr Pfarrer Krieg freut sich sehr, dass es so viele Gruppen und Kreise in unserer Gemeinde gibt, die aktiv das Gemeindeleben mitgestalten (z. B. Kindergottesdienst, Seniorennachmittag, 60+ etc.).

Mehr Angebote sind immer schön…Es müssen sich dann aber engagierte Ehrenamtliche finden, die ein solches Projekt auch am Laufen halten…!

Was ist besonders positiv in der Gemeinde hervorzuheben? Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?

„Hervorzuheben ist hier das breite Engagement in der Kreuzgemeinde. Hauptamtliche und Ehrenamtliche arbeiten toll zusammen.

Außerdem hat es die Gemeinde wunderbar geschafft, den „neuen“ Stadtteil „Frankfurter Bogen“ mit in das Gemeindeleben zu integrieren! Hier ist etwas Gutes zusammengewachsen. Und dies spricht für die Menschen in Preungesheim!

Verbesserungsbedarf möchte ich das gar nicht nennen. Stattdessen haben wir im wahrsten Sinne des Wortes Baustellen im Gebäudebereich unserer Gemeinde, z. B. das Gemeindehaus und die Kita, die sanierungsbedarf haben.

Es geht mir hierbei aber auch um Räume. Wichtig ist, hier nicht zu fragen: Was steht uns als Kirchengemeinde zu! – Sondern: Wie sollen die Räume genutzt werden. Es ist zu überlegen, was angeboten werden soll bzw. welcher Bedarf an den Raum, die Räume die bestehenden Gruppen haben. Dann kann davon eine Raumplanung angegangen werden.“

Mal eine kritische Frage: Was müsste passieren, um wieder mehr Menschen für die Kirche zu begeistern (Stichwort: sinkende Mitgliederzahlen gerade bei den jungen Menschen)?

„Die Trendumkehr ist wohl eher Wunschdenken.

Als EKHN bzw. EKD werden wir den Mitgliederschwund nicht umkehren können.

Wir als Kirche und Kirchengemeinde müssen die Frage beantworten: Was macht uns denn als evangelische Kirche aus? Was sind unserer originären Aufgaben und wie können wir mit Menschen ins Gespräch, in Kontakt kommen.“

Eine letzte Frage: Wie stellen Sie sich die Zukunft unserer Gemeinde in den nächsten Jahren vor?

„Es gilt dasselbe, wie meine Antwort zuvor. Mit diesem Hintergrund gilt es zu überlegen, wie wir das Gemeindeleben – auch mit welchen Aktivitäten – gestalten.

Es muss auch über Kooperationen, nicht Fusionen, mit Nachbargemeinden gesprochen werden, damit wir uns zukunftsfähig und attraktiver als Kreuzgemeinde aufstellen können. Ein gutes Beispiel für eine gelungene Kooperation ist zum Beispiel der gemeinsame Konfirmandenunterricht der Kreuz- und Festeburggemeinde!“

Ich danke ganz herzlich Herrn Pfarrer Krieg für dieses interessante und auch sehr persönliche Gespräch und die Zeit, die er sich dafür genommen hat!

Lutz-Stefan Litzenbauer