Beim Hören einer Predigt zum Jahresbeginn…

Lass mich am Morgen hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich.
Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll; denn mich verlangt nach dir.
(Psalm 143,8)

Die vergangenen Tage haben gut getan. Wir hatten einmal Zeit um Ruhe für Körper und Seele zu finden. Keine Termine, die uns drängten. Keine ständigen Unterbrechungen, die uns in Unruhe versetzten. Nein, wir hatten endlich einmal Zeit uns mit der Familie zusammen zu setzen, sich mit Freunden zu treffen oder Dinge zu tun, die uns schon lange am Herzen lagen. Es war Zeit, dass Weihnachten für jeden von uns erfahrbar werden konnte. Die Zeit zwischen den Jahren gab Gelegenheit einen persönlichen Rückblick auf das Jahr 2013 zu halten und schon einen Ausblick auf das Jahr 2014 wagen. Was wird es bringen, was wird sich ändern?  Das Lutherjahr 2014 wird begleitet vom Thema der Reformation und der Politik. Wie stehen die Reformation eines Martin Luthers und die Politik in der heutigen Zeit zueinander?  Wie sieht die Zeitenwende heute aus? Welche Umbrüche brachte die Zeit damals und heute? Welcher Wandel erlebte die Welt zur Zeiten Luthers und welcher Wandel begleitet uns heute? Damals war es der Buchdruck, der ebenso revolutionär war wie heute das Internet. Wenn wir heute von einer globalen Welt sprechen, dann war es damals die Entdeckung neuer Welten. So wie zur damaligen Zeit, so verändert sich das Weltbild auch in dieser Zeit. Zu jeder Zeit fand Veränderung und Erneuerung statt, fand Aufbruch und Umbruch statt. Doch wo wird dieser in unserer heutigen Zeit sichtbar? Derzeit erleben wir den größten Umbruch in der katholischen Kirche um Papst Franziskus. Sein Wirken, Handeln und Vorleben von gelebten Glauben lassen uns so manches Mal in Staunen versetzen. Da stellt sich unweigerlich die Frage wo finden wir das momentan in der evangelischen Kirche?
Ist ihr Wirken und Handeln nicht eher kleinmütig? Wo bleibt da die Aussage über einen gelebten Glauben? Es erscheint mehr und mehr, dass der christliche Glaube nur noch ein Randgedanke in unserer Gesellschaft ist. Wäre es da nicht wieder Zeit für eine Veränderung? Sollte Reformation den Glauben nicht wieder stärker in die Mitte stellen und die Gemeinden in dieser Hinsicht gestärkt werden, anstatt sie durch wegrationalisieren von Pfarrstellen und Verkleinerungen ihrer Liegenschaften zu schwächen?
In diesen Tagen beginnt für viele von uns wieder der Alltag, wir kehren zurück zu unseren Routinen und fragen uns vielleicht was von den Tagen von Weihnachten bleibt? Der Alltag stillt nicht das Leben, es fehlt immer etwas darin. Wo ist unser Glaube im alltäglichen Leben? Viele von uns tragen eine Sehnsucht in sich, eine Sehnsucht nach etwas, was bleibt. Gerade nach den frischen Erfahrungen aus dem vergangenen Weihnachtsfest, an denen man die Botschaft der Geburt Jesu gerne hörte, sie hören wollte und sich tragen ließ von der Stimmung der vielen Lichter, den Gerüchen, den vertrauten Liedern und dem Brauchtum. Alle Jahre wieder wiederholt es sich, doch dann ist es auch schon wieder vorbei mit dem Glaube. Bleibt hier nur der Eintagsglaube? Wo ist unser Glaube im Verlauf des Jahres? Wo ist er im Alltag? Erkennen wir ihn überhaupt?
Der Glaube ist ein Geschenk, und doch muss man sich ihn immer wieder erarbeiten. Wichtig ist es unseren Glauben im Alltag zu zeigen, denn der Glaube ist nicht nur etwas für besondere Angelegenheiten, für besondere Feste. Glauben kann man überall zeigen!
Der Glaube ist in uns, er lebt in uns. Wir können ihn sehen, wir können ihn hören, wir können ihn fühlen, wir können ihn schmecken, wir können ihn be-greifen mit all unseren Erfahrungen, die wir im Leben machen. Sei es in der Freude und ebenso im Leide, sei es in einem verletzten oder glücklichen Leben. Der Glaube umgibt uns jeden Tag. Wir brauchen nur ein bisschen Mut ihn offen zu zeigen, dann wird die Botschaft von Weihnachten auch im Alltag begreifbar, sie bleibt nicht an der Krippe stehen… Die Veränderung, unsere eigene Reformation wird erlebbar, wird sichtbar in unserem Alltag.

 

                        „Wer Jesus Christus hat, der hat das ewige Leben.“
                                                                  (1. Brief des Johannes)