Abendmahl wird wieder gefeiert

Am 11. Oktober 2020 wurde in der Kreuzkirche wieder Abendmahl gefeiert. Wegen der Pandemie wurden Abendmahlsfeiern in evangelischen Gemeinden ab Mitte Februar ausgesetzt. Der Erntedankfestgottesdienst eignete sich besonders dafür, das Altarsakrament wieder zu feiern, denn das Abendmahl ist Eucharistie (Danksagung) und wird dementsprechend mit den Worten eingeleitet: „Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserm Gott“.

Ende August hatte das Zentrum für Verkündigung der EKHN das Schreiben „Abendmahl unter Schutzbestimmungen“ veröffentlicht mit Anregungen, wie eine Abendmahlsfeier in Coronazeiten aussehen könnte. Dieses Schreiben regte dazu an, am 11. Oktober zum ersten Mal seit 9 Monaten wieder Abendmahl zu feiern.

Eine Herausforderung dabei war der zeitliche Rahmen. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, sollte der Gottesdienst eine Dauer von 60 Minuten nicht überschreiten, aber trotzdem Ruhe und Würde ausstrahlen. Außerdem sollten wesentliche liturgische Inhalte der Abendmahlsfeier wegen Zeitbegrenzung nicht wegfallen. Diese Aspekte, vom Gottesdienst-Ausschuss geklärt, wurden vom Kirchenvorstand überprüft und bestätigt.

Am 11. Oktober war das Ergebnis der sorgfältigen Planung zu sehen: Auf dem Altar standen links Einzelkelche und rechts Brotstücke in Glasschälchen. (Die Vorbereitenden trugen Handschuhe und Mund-Nase-Bedeckung.)  Weil die Gottesdienst-Teilnehmerzahl wegen Corona-Regelung begrenzt war, war es berechenbar, wie viele Kelche und Brot-Schälchen aufzustellen waren.

Nach den Einsetzungsworten stellten sich etwa 6 bis 8 Personen in einem Halbkreis vor den Altar. Sie hielten jeweils 1,50 Meter Abstand voneinander und trugen Masken. Personen, die zueinander gehören, standen enger. Der Pfarrer stand hinter dem Altar.

Die Abendmahlsteilnehmer holten einzeln das Brot vom Altar. Als alle ein Stück Brot in der Hand hatten, wurden sie durch die Worte des Pfarrers „Esst von dem Brot des Lebens!“ dazu eingeladen, gleichzeitig zu essen. Danach wurden die Kelche auf dieselbe Weise abgeholt. Nachdem es hieß: „Trinkt von dem Kelch des Heils“, wurde gleichzeitig getrunken. Die leeren Kelche wurden der Reihe nach auf das Tablett am Altar zurückgestellt, und die Teilnehmenden gingen zurück zu ihren Plätzen. Danach gab es zwei weitere Gruppen mit ca. 6 bis 8 Personen.

Das Abendmahl war feierlich und würdevoll. Durch die Gleichzeitigkeit des Essens und Trinkens entstand ein Gemeinschaftselement, das es vor der Pandemie nicht gegeben hatte.

Diese Form der Austeilung erfordert Geduld von der Gemeinde, bietet aber mehr Zeit für private Besinnung und stilles Gebet.

Weil evangelische Gemeinden so lange auf Abendmahl verzichtet hatten, hätte der Eindruck entstehen können, das Abendmahl sei nicht unbedingt notwendig. Denn auch ohne Abendmahl ist Christus im Gottesdienst voll und ganz anwesend, wenn sein „Wort“ verkündet wird.

Aber die Kirche lebt nicht von „Wort“ allein, sondern von „Wort und Sakrament“.

Wenn wir Brot und Kelch zu uns nehmen, können wir sehen, schmecken und spüren, dass Christus voll und ganz für uns gegenwärtig ist, dass er „Immanuel“ („Gott mit uns“) ist.

Wenn wir nur rational angesprochen werden, fehlt etwas, denn das Heil Gottes soll uns ganzheitlich und leibhaftig erfassen. Hören ist etwas Individuelles und Unauffälliges. Der Gang zum Abendmahlsaltar ist ein gemeinschaftliches Bekenntnis zu Christus, das den christlichen Glauben sichtbar macht und alle Anwesenden stärkt.

Weitere Abendmahlsfeiern sind für den Ersten Advent (29. November), das Christfest (25. Dezember 2020) und für den 31. Januar 2021 vorgesehen.

Phil Schmidt