Abendgottesdienst zum Palmsonntag am 13.4.2014

Gottesdienst Palmsonntag 13_04_2014Stimmet Hosianna an… so klingt es noch fröhlich zu Beginn der Karwoche.
So eingestimmt zum umjubelten Einzug Jesu nach Jerusalem mit dem Bild der begeisterten Menschenmenge vor Augen, die Kleider und Palmwedel vor seinen Füßen ausbreitend.
Die Menschen huldigen Jesu wie einen König und rufen begeistert „Hosianna, gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn“ und doch sind es die Gleichen aus der Menschenmenge, die nur wenige Zeit später an ihm Verrat üben, seinem Leiden zuschauen und verspotten, um ihn anschließend dem Tod am Kreuz auszuliefern. Wie kleinmütig und  ängstlich müssen die Menschen damals gewesen sein, dass sie nicht ihren Glauben an Jesus offen vertreten konnten und sich von denen haben mitreißen lassen, die dafür gesorgt haben, dass die Stimmung sich gegen Jesus richtete. Hätten wir heute auch so gehandelt? Hätten wir Jesus auch seinem Schicksal überlassen? Ja, ich denke auch in der heutigen Zeit fällt es uns nicht leichter klare Positionen zu beziehen. Sind da doch  die bekannten Ängste und die Zweifel das Richtige zu tun. Wer hört schon immer auf sein Herz? Wer handelt aus dem Bauch heraus?

Doch wäre nicht der Lebensweg Jesu so verlaufen und hätte er nicht uns den Weg geebnet , den Spott und Hohn ertragen, die Schmerzen ausgehalten, den Tod erduldet und uns von den Sünden befreit, was wäre dann?  Mit seinem Schicksal eröffnet uns Jesus neue Glaubens-und Lebenswege. Wir müssen sie nur gehen!

Doch wie sieht es heute in Wirklichkeit aus… wie sieht das aus, christliches Leben? Christ sein? Christlicher Glauben im Alltag? Wie sieht es aus…? Ermattet und ermüdet sind wir vom christlichen Glauben, unsicher in unserem eigenen Glauben. Eine innere Verunsicherung wie es mit unserer Kirche weitergeht. Wie sieht es mit unserem christlichen Glauben  in der Zukunft aus?

Die Selbstverständlichkeit, mit der Glaube früher zum Leben dazu gehört hat, ist aus unserer Gesellschaft gewichen. Zu wenig wird er im Alltag gelebt, zu wenig wird er zuhause vermittelt. Oft fehlen schon die Grundkenntnisse. Die Verantwortung wird  abgegeben an die Kindertagesstätten und Schulen, später dann an den  Konfirmandenunterricht.
Der gewachsene Glaube ist kaum noch vorhanden.  Doch wie reich ist eine Gemeinde, eine Gemeinschaft wenn sie sich zu ihren Werten und ihrer Geschichte bekennt. Wenn sie sich an jene erinnert, die schon vor ihnen den Weg des Glaubens bezeugt haben, ihre Spuren hinterlassen und Zeugen ihres Glaubens sind. Wir sind in  unserer Gegenwart eingebettet in dieser Geschichte und wir sollten diese Glaubensgeschichte als großen Schatz bewahren. Sicher ist es nicht immer einfach sich zu lösen aus alten Gewohnheiten, liebgewonnen Pfaden  und eingefahrenen Wegen … doch genau hier hilft uns unser christlicher Glaube… Jesus hat uns gezeigt, dass es möglich ist,… immer wieder neue Glaubens-und Lebenswege einzuschlagen… loszulassen was uns bindet, was uns festhält.

Der Glaubensweg wird leichter, wenn ich loslasse was mich hindert und dem folge was mich trägt. Glauben heißt durchhalten, einen langen Atem beweisen und Glauben heißt auch sich neu auf den Pilgerweg machen, einen Weg, der Kraft kostet, aber auch Kraft schenkt.

Der Blick auf Jesus und die bevorstehende Karwoche bietet uns Gelegenheit darauf zu besinnen in der Stille, im Gebet, in den Gottesdiensten  und sich seiner versichern, mit ihm zu gehen durch das Leid, aber auch dann in die österliche Freude Jesus zu folgen.

„Wir gehen hinauf nach Jerusalem in leidender Liebe Zeiten und sehen, wie einer für alle stirbt, um uns einen Platz zu bereiten.“
(EG 545,1)


Fotos: Michael Geisel