Plötzlich und unerwartet finden seit dem Ausbruch des Corona-Virus keine Gottesdienste und sonstigen Veranstaltungen mehr in der Gemeinde statt…Von dem ein auf den anderen Tag ist das Alltagsleben plötzlich „leer“! Gewohnte Aktivitäten finden nicht mehr statt; wir alle müssen uns „isolieren“ – zu „Einzelgängern“ werden…

Sehr ungewohnt für die Meisten von uns…

Ich muss Ihnen hier Nichts von den Einschränkungen und Beeinträchtigungen berichten (auch wenn diese bis zum Redaktionsschluss schon etwas von staatlicher Seite gelockert wurden); – diese alle haben Sie persönlich erleben müssen…

Es geht mir hier um etwas grundlegend Anderes:
In diesen schweren Zeiten ändert man plötzlich seine Sichtweise – man sieht klarer und deutlicher!

Zu Beginn der Krise dachten viele Menschen nur an sich selber und „hamsterten“ für mich unverständlicherweise Toilettenpapier und Nudeln – ohne Rücksicht auf andere Menschen, die dazu nicht in der Lage waren (aus verschiedenen Gründen) und dadurch vor leeren Regalen standen. Das „Ich“ regierte…

Doch dann plötzlich wandelte sich das Bild: Es wurden viele Initiativen gegründet, um sich gegenseitig zu helfen. Viele sind hier mittlerweile tätig und unterstützen tatkräftig die benachteiligten und eingeschränkt mobilen Menschen in unserer Mitte!

Ich selbst konnte auch im persönlichen Umfeld Veränderungen feststellen: Vermeintliche Freunde und Bekannte, die sich plötzlich nicht einmal mehr per Telefon melden, – aber auch vermeintlich „weit entfernte Bekannte“ und vielleicht auch bis dahin „nicht so freundlich erscheinende und bis dato eher unbekannte Menschen“ nahmen plötzlich Anteil und boten Unterstützung an…Man wuchs plötzlich zusammen, weil wir alle ein Schicksal teilten!

Das altbekannte Weltbild gerät aus den Fugen…Plötzlich werden Schwerpunkte neu gesetzt…

Und trotz der schwierigen Situation fühlt es sich „gut“ an…! – Wir lernen unseren Mitmenschen (besser) kennen und schätzen. Wir knüpfen neue Kontakte zu bisher uns „fremden“ Menschen – trotz des Distanzgebots.

Aber dann auch noch plötzlich kein Gemeindeleben mehr…

Kein Gemeindeleben mehr?! – Nein!

Das Gemeindeleben geht trotz „Corona“ weiter!

Auch wenn zu Redaktionsschluss voraussichtlich noch keine Gottesdienste stattfinden können, gibt es dennoch seit Beginn der Krise ein Gemeinschaftsgefühl:

Jeden Abend um 19:30Uhr läuten für fünf Minuten alle Glocken der Kreuzkirche, um die Gemeinschaft und den Zusammenhalt auch in diesen Zeiten zu bekräftigen und zu vertiefen. – Vielleicht haben Sie das außerordentliche Läuten auch schon bemerkt?!

Außerdem gibt es das Angebot, genau in dieser Zeit eine brennende Kerze in ein Fenster der Wohnung zu stellen, um an alle zu denken, denen man im Moment fernbleiben muss. – Machen Sie hier schon mit?

Dies sind alles kleine Zeichen der Anerkennung. Aber auch und gerade diese kleinen Zeichen zählen, – egal für wen sie gelten!

Ich glaube, dass uns diese „Corona-Krise“ stärker macht und nicht schwächer! – Und sie ändert den Blickwinkel auf das Wesentliche: Wer oder was ist uns wirklich wichtig?

Wir wachsen in dieser Krise stärker zusammen, als wir selbst vielleicht glauben.

Lassen Sie uns alle diese Zeit als Chance nutzen für ein Umdenken und einen Neuanfang!

Wenn wieder „normale“ Zeiten anbrechen, dann lassen Sie uns dieses für uns alle neue Gefühl miteinander weiterleben und teilen es auch, wenn der Alltag wieder seine Bahn bricht.

Nie waren und sind wir unserem Nächsten näher gewesen – trotz Distanzgebot.

Leere Kreuzkriche
Foto: Claudia Kreissl

Wie sicherlich auch Sie freue ich mich auf den Moment, an dem wir uns alle in der Kreuzkirche oder auch auf den Straßen Preungesheims persönlich wiedersehen! Und dieser Moment wird auch wiederkommen. Da bin ich mir ganz sicher!

Bis dahin: Bleiben Sie gesund und wohl behütet!

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich (Psalm 23)

Lutz-Stefan Litzenbauer