Buchvorstellung in der Kreuzkirche

„Sakrale Monumentalmalerei der Spätromanik im Umbruch zur Gotik Kunst- und Kulturgeschichte im Spiegel einer Wandmalerei in Frankfurt am Main“ von Frau Dr. Helga Bill

In der Schriftenreihe des Evangelischen Regionalverbandes (ERV) Frankfurt am Main ist ein neues Buch mit dem oben genannten Titel erschienen und wurde am 11. März 2014 in der Kreuzkirche erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Autorin, Frau Dr. Helga Bill, hat die im Jahr 1997 in der Kreuzkirche in Frankfurt am Main – Preungesheim gefundene Wandmalerei aus dem 13. Jahrhundert beschrieben und dabei kunst- und kulturgeschichtlich eingeordnet. Besonders herausgearbeitet hat sie die unterschiedlichen Motiv- und Stilelemente, die die Umbruchsituation zwischen der Spätromanik und der Gotik veranschaulichen.1

Mit Klängen mittelalterlicher Instrumente, einer gotischen Drehleier (Nachbau) und einer irischen Rahmentrommel stimmte das Ehepaar Volker und Heike Truschel sowie Herr Helmut Müller die zahlreichen Besucher in der Kreuzkirche auf diesen besonderen Abend ein.

„Wer hätte das gedacht?“ Mit diesen Worten begrüßte Frau Anneliese Gad, die Vorsitzende des Preungesheimer Kultur- und Geschichtsverein, die Besucher und verwies auf die vielfältigen baulichen Veränderungen während der letzten 17 Jahre in der Kreuzkirche. Sie erinnerte daran, dass es nur einem Riss in der Mauer an der Ostseite der Kirche zu verdanken sei, dass man das gotische Dreibahnfenster und die Wandbilder wieder entdeckte, und es dem Denkmalamt der Stadt Frankfurt am Main mit seiner Begutachtung und finanzieller Unterstützung zu verdanken sei, dass dieser Fund ein bedeutender und erhaltenswerter Kulturschatz in Frankfurt ist. Untermalt wurden die Aussagen mit Musik aus der Stauferzeit, die Zeit des Richard Löwenherz und  Heinrich VI., einem  Sohn Friedrich Barbarossas. In dieser Zeit erfuhr durch Hildegard von Bingen die damalige Musik eine Erneuerung mit der Entdeckung neuer Tonräume neben der gregorianischen Tonart. Sie gilt als die Wegbereiterin des mehrstimmigen Liedgutes.
So musikalisch eingestimmt verwies auch Pfarrer Hans Hofmann auf die Bedeutung der Wandbilder. Sie seien das wertvollste und religiöse Zeugnis aus der Frühzeit des christlichen Glaubenslebens in der Kreuzkirche, ein Zeitfenster in die Geschichte, bildhaft gewordener Ausdruck tiefen Glaubens.

Pfr. Hofmann würdigte in seiner Grußrede die Beiträge aller Beteiligten:
„Mein Dank gilt all denen, die diese Arbeiten befördert und in ihrem fachlichen und ehrenamtlichen Engagement, auch mit großer finanzieller Unterstützung, dazu beigetragen haben, dass wir diese älteste Phase schöpferischer Kunst neben den späteren und den gegenwärtigen Kunstwerken in unserer Kreuzkirche heute genießen können.
Gerade die Spannung, in der die Zeugnisse aus verschiedenen Phasen der Bau- und Kunstgeschichte hier in der Kirche zueinander stehen, gibt der Kreuzkirche ihren Reiz.“ Pfr. Hofmann dankte insbesondere dem Denkmalamt und dem Restaurator, Herrn Müller-Döring: „Es ist besonders das Verdienst des Denkmalamtes, insbesondere der Leiterin Frau Dr. Hampel, dass diese ältesten Teil der Kreuzkirche wissenschaftlich erforscht und die Bilder freigelegt wurden. Es ist dem Restaurator, Herrn Müller-Döring. zu danken, dass er in jahrelanger, mühevoller Arbeit diese ältesten Teile  restauriert und so uns diesen Zugang und den Blick in diese wertvollen Ursprünge eröffnet hat.“
Frau Dr. Hampel, die Leiterin des Denkmalamtes der Stadt Frankfurt am Main, verwies dagegen mit offener Kritik in ihrer Grußrede auf einige Verfahrensfehler in den Ausführungen im Buch sowie auf die Nichterwähnung einiger wichtiger Kriterien. Pfarrerin Gebhardt, Vorsitzende des ERV Frankfurt am Main, bekundete dagegen ihre Freude und Begeisterung über ein weiteres Kapitel der Geschichte der Kreuzkirche und verwies auf die Wichtigkeit der Bewahrung  dieser Elemente. Sie wären es, die die Würde der Architektur der mittelalterlichen Kirchen ansprechen. Sie wären ein Geschenk an uns, ein Geschenk für die Stadt Frankfurt am Main. Ein Geschenk, das der Nachwelt erhalten bleiben müsse.
Frau Gad schloss sich den Worten an, dass man für die Geschenke und Entdeckungen, die diese Kirche in sich birgt, dankbar sein darf.

Frau Dr. Helga Bill erläuterte, nach einer kurzen Vorstellung ihrer Person und den Beweggründen ihrer Arbeit, die Bedeutung der Bilder in ihrer Geschichte hin zur Kultur- und Kunstgeschichte. Sie lud die Besucher ein, die Wandbilder vergleichend mit anderen ihrer Zeit zu sehen, immer wieder Neues zu erkennen, immer wieder mit anderen Augen zu sehen und mit Hilfe des Buches immer wieder einen neuen Blick darauf zu bekommen. Zum Abschluss der Präsentation entführte uns die musikalische Begleitung noch einmal ins Mittelalter, und Frau Gad dankte allen, die gekommen waren, und lud zum Gespräch und zu einem kleinen Empfang ein.

Wer Interesse an dem Buch hat (Es kostet 25 Euro.), wende sich bitte an das Gemeindebüro der Ev. Kreuzgemeinde oder an den Preungesheimer Kultur-und Geschichtsverein.

Fotos J.-G. Nietsche / Hans Hofmann


1Textpassage entnommen der Einladung zur Buchpräsentation des Evangelischen Regionalverbandes